Die katholische und die schlesische evangelische Kirche haben ein Abkommen über die Taufe unterzeichnet

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Von Martina Schneibergova.

Ein weiterer offizieller Schritt in der ökumenischen Annäherung der einzelnen Kirchen in Tschechien wurde am Montag in Prag getan. Im Rahmen der Woche der Gebete für die Einheit der Christen fand am Montag in der St. Adalbert-Kirche in Prag-Dejvice ein ökumenischer Gottesdienst statt, in dessen Anschluss zwischen der römisch-katholischen Kirche und der schlesischen evangelischen Kirche der Augsburger Bekenntnis ein Abkommen über die gegenseitige Anerkennung der Taufe geschlossen wurde. Für die katholische Kirche unterzeichnete der Olmützer Erzbischof Jan Graubner das Übereinkommen, für die Lutheraner Bischof Vladislav Volny. Den Worten des Sprechers der Tschechischen Bischofskonferenz Daniel Herman zufolge handelt es sich um eine eindeutige offizielle Bestätigung dessen, was inzwischen im allgemeinen Bewusstsein sowie in der Praxis bereits für üblich gehalten wird. Dieser ökumenische Schritt entspreche - so Herman - dem weltweiten Trend der Annäherung zwischen den Lutheranern und den römischen und griechischen Katholiken. Die Schlesische evangelische Kirche hat ca. 49.000 Mitglieder vor allem in der Region um Cesky Tesin an der polnischen Grenze. Ein ähnliches Abkommen hat die katholische Kirche bereits früher mit der evangelischen böhmischen Brüdergemeinde und der Tschechoslowakischen hussitischen Kirche geschlossen.

Die Woche der Gebete für die Einheit der Christen, die traditionell zu Jahresbeginn stattfindet, hat eine längere Geschichte: Um das Jahr 1740 wirkten in Schottland Vertreter der Pfingstbewegung, die aus Amerika kamen und verbreiteten die Botschaft von der geistlichen Erneuerung. Diese enthielt Gebete für alle Kirchen und mit allen Kirchen gemeinsam. Eine wichtige Anregung für gemeinsame Gebete kam von katholischer Seite 1964 mit dem Dekret über die Ökumene, das vom II. Vaticanum herausgegeben wurde und das Gebet als die Seele der ökumenischen Bewegung bezeichnete. Es sprach sich auch für die Einhaltung der gemeinsamen Gebetswoche aus.