Die Krise der schwarzen Glücksbringer
Wer einmal zur kalten Winterzeit in Tschechien auf dem Land ist und sieht, wie die Schornsteine der Häuser die kleinen Täler zuqualmen, der denkt: Hier muss ein anderer Brennstoff als Kohle her, und der Schornsteinfeger muss mal ordentlich ans Werk. Aber: Gerade Schornsteinfeger machen sich in Tschechien rar. Es gibt zu wenige von ihnen; mancherorts wartet man ein Viertel Jahr auf den schwarzen Glücksbringer. Und ab Januar schreibt das Gesetz zudem mehr Kontrollen vor.
In Tschechien gibt es Millionen von Schornsteinen, aber nur 1.500 Schornsteinfeger. Zu diesem Missverhältnis kommt ab dem neuen Jahr noch der Umstand hinzu, dass mehr Arbeit auf die wenigen Schornsteinfeger zukommt.
„Es wird ab Januar die Pflicht eingeführt, einmal im Jahr den Schornstein und die Heizsysteme von einem Fachmann kontrollieren zu lassen, also vom Schornsteinfeger“, sagt der Präsident des Bundes der Schornsteinfeger, Emil Morávek.
Idealerweise sollte ein Schornstein zwei Mal im Jahr gereinigt werden. Der Besitzer kann sich auch alleine daran wagen. Die Reinigung abnehmen muss dennoch der Fachmann. Wer sich nicht an die neuen Regeln hält riskiert empfindliche Strafen und obendrein, dass sein Haus Schaden nimmt. Denn Heizsysteme können Kräfte entfalten, wo man sich nicht will.
„Eine schlecht gewartete Ofenheizung kann das ganze Haus zerreißen“, meint dieser junge Schornsteinfeger.Ausbildungsschulen für Schornsteinfeger gibt es in der Tschechischen Republik insgesamt nur fünf. Vor allem in den 1990er Jahren hatten nur wenige junge Menschen Lust, sich diesem schmutzigen Gewerbe zu widmen. Die Bänke in den Ausbildungsklassen wurden immer leerer. Erst jetzt nimmt der Schornsteinfegerberuf wieder an Fahrt auf – mehr Auszubildende melden sich an. Das bestätigt auch der Direktor der Prager Fachschule, Miloslav Janeček.
„Noch vor drei Jahren war es normal, dass in jedem Jahrgang nur zwei oder drei, maximal vier Auszubildende für den Schornsteinfegerberuf saßen. In diesem Jahr haben wir im neuen Jahrgang schon 22.“
Eine echte tschechische Problemzone, was die Schornsteinfeger betrifft, ist der Westen des Landes. Da gibt es keine Ausbildungsschule. In Pilsen haben die Fachleute Probleme, den Aufträgen nachzukommen.„Man wartet hier einen oder zwei Monate. Es gibt sogar Gebiete, wo man ein Viertel Jahr auf den Schornsteinfeger wartet“, erklärt Jaroslav Laib von der Pilsener Schornsteinfeger-Zunft.
Das Problem: Wenn der Schornsteinfeger – trotz Bestellung – nicht rechtzeitig erscheint und das Heizsystem einen Brand verursacht, dann zahlt der Hauseigentümer umgerechnet bis zu 1000 Euro Strafe.
Schornsteinfeger müssen also her. Dennoch – eine goldene Nase könne man sich in diesem traditionellen Gewerbe nicht verdienen, meinen die Fachleute.







