Die letzte Grube schließt: Ende der Steinkohleförderung in Tschechien
Der Kohleausstieg in Tschechien schreitet voran. Am Samstag fährt der letzte Förderwagen, der Steinkohle aus der Erde an die Oberfläche transportiert.
Arbeitsoverall, T-Shirt, Handtücher. All das geben die Bergleute in der ČSM-Grube jetzt zurück ins Betriebsdepot. Das Bergwerk südlich von Karviná ist das letzte in Tschechien, in dem noch Steinkohle gefördert wurde. Der Betrieb erlebt gerade seine letzten Tage – nach Samstag ist dann Schicht im Schacht.
Und darum steht auch dieser Bergmann jetzt am Depotfenster, um seine Arbeitskleidung abzugeben. Besonders traurig sei er nicht, sagt der Mann gegenüber den Reportern des Tschechischen Rundfunks:
„Ich fühle mich normal. Aber ich habe auch schon eine neue Stelle. Hier habe ich seit der Ausbildung gearbeitet, mein ganzes Leben lang.“
Solche Biografien gab es in den Stollen der Betreibergesellschaft OKD viele. Das Ende der Steinkohleförderung in der Region von Ostrava / Ostrau wurde lange vorbereitet, schon 2019 und 2021 wurden drei Gruben geschlossen. Seitdem wird das Personal nach und nach abgebaut. Am Samstag endet der Arbeitsvertrag für weitere 750 Angestellte. Es bleiben aber noch Bergleute in der Firma, die beim Zuschütten der Stollen helfen.
Dafür müssen in der ČSM-Grube zum Beispiel 87 unterirdische Dämme errichtet werden. In knapp drei Jahren sollen die abschließenden Arbeiten beendet sein, sagt Betriebsleiter David Hájek:
„Die meiste Zeit werden wir brauchen für die Auffüllung mit festem Material, das heißt mit einer Flugaschemischung. Auf dem Markt besteht jedoch ein Mangel an der nötigen Flugasche. Darum müssen wir gut überlegen, wie wir eine kontinuierliche Lieferung garantieren, damit wir alle Termine erfüllen können.“
Zwei der vier Stollen werden allerdings so präpariert, dass dort später Grubengas gefördert werden kann. Zum Rückbau der Anlage gehört auch, dass die meisten Gebäude auf dem Areal abgerissen werden. Einige der Häuser könnten aber für die weiteren Projekte von OKD genutzt werden, kündigt Hájek an.
Im Januar sind in der ČSM-Grube noch einmal 45.000 Tonnen Steinkohle an die Oberfläche transportiert worden. Gefördert wurde hier seit Dezember 1968, und die Anlage war jahrzehntelang eine der wichtigsten in der gesamten Region. OKD-Sprecherin Barbora Černá Dvořáková bilanziert:
„Insgesamt wurden in der Grube bis Ende 2025 mehr als 124 Millionen Tonnen Kohle abgebaut. In der 57-jährigen Geschichte sind das im Durchschnitt 2,18 Millionen Tonnen im Jahr.“
Mit dem letzten Januartag geht die Ära des Steinkohleabbaus in Tschechien nun zu Ende. Den Angaben auf seiner Website zufolge will das Unternehmen OKD sich in Zukunft der Herstellung von Kohlemischungen und der grünen Energiegewinnung widmen.
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