Die Schöne und der Boxer: Anny Ondra war Schmelings Frau und Star-Schauspielerin

Anny Ondra

Die Kinofans liebten die temperamentvolle Blondine mit den großen Augen: Anny Ondra verzauberte aber auch Boxweltmeister Max Schmeling, der die Schauspielerin tschechisch-österreichischer Herkunft heiratete.

Anny Ondra | Foto:  StudioIntran

Anna Ondráková, die später als Anny Ondra bekannt wurde, kam vor 120 Jahren zur Welt. Am 15. Mai 1902 wurde sie in die Familie eines k. u. k. Offiziers geboren. Da man häufig umzog, lernte die Tochter mehrere Sprachen. Außer Tschechisch sprach Anny Ondra auch Deutsch, Französisch und Englisch.

Mit 15 Jahren stand sie erstmals auf einer Theaterbühne. Kurz darauf erhielt sie die erste Einladung zu einer Filmaufnahme. Recht bald hatte die fröhliche Blondine die Zuschauer für sich gewonnen. Und das nicht nur wegen der schönen Augen und den langen Beinen, sondern vor allem wegen ihrer komödiantischen Fähigkeiten und dem natürlichen Auftreten.

Anny Ondra im Streifen „Sündig und süß“

Die talentierte Schauspielerin war in 90 Kinoproduktionen zu sehen – sowohl in Stumm- als auch in Tonfilmen. Von diesen entstanden zwei Drittel in der Tschechoslowakei und ein Drittel im Ausland. Mit dem Streifen „Gilly poprvé v Praze“ (Gilly zum ersten Mal in Prag) von 1920 hatte sie ihren Durchbruch und wurde zur führenden Komikerin des tschechoslowakischen Films. Mit der tschechisch-deutsch-schweizerischen Gemeinschaftsproduktion „Evas Töchter“ von 1928 sowie „Sündig und süß“ (1929) eroberte sie zudem das deutsche Publikum.

Alfred Hitchcock und Anny Ondra | Quelle:  Wikimedia Commons,  gemeinfrei

Anny Ondra spielte auch in zwei Thrillern von Alfred Hitchcock. In „Der Mann von der Insel Man“ und „Erpressung“ ist sie jeweils als „blonde Mörderin“ zu sehen. Als Hitchcock aus dem zweiten Streifen einen Tonfilm machte, wurde Ondra zur ersten fremdsprachig synchronisierten Schauspielerin der Kinogeschichte. Sie bewegte nur die Lippen, während die Britin Joan Barry ihren Part sprach. Nach dem Krieg entstand nur noch ein Spielfilm mit ihr. So übernahm sie im deutschen Streifen „Schön muss man sein“ von 1951 ihre letzte Rolle. Allerdings sind Anny Ondra und ihr Mann Max Schmeling auch noch kurz 1957 im Streifen „Die Zürcher Verlobung“ zu sehen – dort spielen sie aber nur sich selbst.

Anny Ondra in einer Werbung | Foto: Bundesarchiv,  Bild 102-10796,  Wikimedia Commons,  CC BY-SA 3.0 DE

Tschechoslowakisch-deutsches Traumpaar

Brautpaar Anny Ondra und Max Schmeling | Foto: Bundesarchiv,  Bild 102-02567,  CC BY-SA 3.0 DE

Angeblich verliebte sich der erfolgreiche deutsche Boxer Max Schmeling auf den ersten Blick in Anny Ondra. Nach anfänglichem Zögern erlag auch sie seinem Charme – und 1933 heirateten beide. Schnell wurden sie zum Traumpaar in Deutschland, und man lud sie überall hin ein. Allerdings fiel dies in die Zeit des Nationalsozialismus. Und die Nazis versuchten Schmeling, der von 1930 bis 1932 Schwergewichts-Weltmeister war, vor ihren Karren zu spannen. Doch der Sportler hat seinen Aussagen nach immer Distanz zur NS-Ideologie bewahrt. Zudem versteckte er während der Novemberpogrome von 1938 zwei jüdische Kinder und rettete so ihr Leben. Dennoch musste sich das ehemalige Traumpaar nach dem Zweiten Weltkrieg einem Entnazifizierungsverfahren stellen, und in der Tschechoslowakei wurde sogar ein Haftbefehl herausgegeben. Obwohl sich der Verdacht nicht erhärtete, standen Anny Ondra und Max Schmeling letztlich ohne Geld da und mussten wieder bei null anfangen.

Anny Ondra mit Max Schmeling | Foto:  Hubert Burda Media

Zusammen zogen sie aufs Land nach Wenzendorf bei Hamburg und starteten eine erfolgreiche unternehmerische Karriere. Anny fand sich damit ab, dass ihre goldenen Filmzeiten wohl vorbei waren. Das heißt, sie kümmerte sich nun vor allem um ihren Mann und die gemeinsame Nerz-Farm. Max Schmeling, der schon mitten im Krieg die USA als seine zweite Heimat bezeichnete hatte, wurde Generalvertreter von Coca-Cola in Deutschland.

Anny Ondra kehrte nie wieder in die Tschechoslowakei zurück. Sie starb 1987 in Deutschland im Alter von 85 Jahren. Für Max Schmeling war dies ein harter Schicksalsschlag, er überlebte seine Frau um 18 Jahre. Der frühere Boxer starb 2005 im Alter von 99 Jahren. Das kinderlose Ehepaar vermachte in seinem letzten gemeinsamen Wunsch sein Erbe den SOS-Kinderdörfern.