Die Waldstein-Stadt Jitschin

Jičín (Foto: Ben Skála, CC BY 3.0 Unported)

Die Stadt Jitschin, die etwa 100 Kilometer nordöstlich von Prag, am Fuße des Riesengebirges liegt, wurde im 13. Jahrhundert gegründet. Sie erlebte jedoch ihre größte Blütezeit erst 400 Jahre später, als sie dem berühmten Feldherrn und Herzog von Friedland, Albrecht von Waldstein gehörte. Und gerade in die Waldstein-Zeit, in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges, wollen wir Sie in der heutigen Touristensprechstunde begleiten.

Jičín
Die Gestalt von Albrecht Eusebius Wenzel von Waldstein bzw. Wallenstein, dem Herzog von Friedland und kaiserlichen Generalissimus im Dreißigjährigen Krieg, müssen wir Ihnen kaum vorstellen. Wir möchten heute die Stadt Jitschin besuchen, die der Herzog von Friedland als seine Residenz wählte.

Nach dem gescheiterten Aufstand der böhmischen Stände und der Schlacht am Weißen Berg (1620) machte Albrecht von Waldstein das Erbrecht nach seiner Mutter geltend. Später wurde er zum Verweser des schwachsinnigen letzten männlichen Mitglieds des Geschlechts Smiricky, dem Jitchin bis zu jener Zeit gehörte, und gewann weiteren Grundbesitz. Es gelang ihm allmählich aus 64 Herrschaften Nordböhmens das Fürstentum von Friedland zu schaffen, das später zum Herzogtum erhoben wurde. Als Zentrum der Herrschaft wählte er Jitchin. Paradoxerweise erlebte so die Stadt in der ersten Hälfte des vernichtenden Dreißigjährigen Krieges ihren größten Aufschwung.

Albrecht von Waldstein lud überwiegend italienische Architekten und Künstler ein und leitete einen radikalen Umbau der Stadt ein, der deren Bedeutung entsprechen sollte. Während die Vorbereitungen zum Bau des Walleinstein-Palastes in Prag den Abriss von etwa dreißig Bürgerhäusern forderten, sollte bei der Realisierung des Jitschiner Plans die ganze Stadt umgestaltet werden. Es entstanden dort Projekte für herrschaftliche wie auch öffentliche Bauten, aber auch bürgerliche Häuser. Nach dem Wunsch des Bauherrn sollten die Stadt und die Residenz ein einheitliches Ganzes bilden.

In den Jahren 1625-1633 wurde das auf der Südseite des Marktplatzes stehende Schloss nach einem Projekt von Andrea Spezza umgebaut. Am Schloss wurden Gärten angelegt und es entstanden ein Lustschloss und ein Wildgehege. Die Straßenfront des Schlossgebäudes trägt heute allerdings Merkmale des letzten Umbaus im Empirestil, der auf die ersten Jahre des 19. Jahrhunderts zurückgeht.

Jičín (Foto: Ben Skála, CC BY 3.0 Unported)
In der Nachbarschaft des Schlosses wurde von 1627 an eine neue Kirche gebaut. Das als Bischofsdom gedachte Gotteshaus wurde dem hl. Jakob dem Größeren geweiht. Da die geplante Gründung eines Bistums in Jitschin infolge langwieriger Verhandlungen mit der päpstlichen Kurie nicht zustande gekommen war, blieb das ursprüngliche Projekt unvollendet.

Im Dezember 1622 kamen Jesuiten nach Jitschin, und im nachfolgenden Jahr stimmte Waldstein der Gründung eines Jesuitenkollegs zu. Außer dem Jesuitenorden hatte er auch die Kartäusermönche nach Jitschin berufen und für sie einen Klosterkomplex bei dem nahen Valdice errichten lassen.

Hinter dem Fluss Cidlina schließlich wuchs von 1624 an die Neustadt, ein Viertel von Handwerkern und Landwirten. In dieser neuen Siedlung wurde ein großer Friedhof angelegt. In seiner Nähe wurde die Kirche der Jungfrau Maria de Sale errichtet, außerdem entstanden dort ein Spital und zwei Manufakturen - eine Lohgerberei und eine Schneiderei.

Aber nicht nur die eigentliche Stadt erlebte mit Waldstein eine Zeit der großen Wandlung. Der Herzog weitete seine Aktivitäten auch in die Umgebung aus. Bis heute können wir die Spuren einer frühbarocken Landschaftskomposition erkennen, die er initiierte. Er ließ einen symmetrisch angelegten Garten bauen, der ästhetisch und funktionell mit dem Bau um den Ehrenhof und der Loggia verbunden ist, d.h. einer Sala terrena, in der sich die adlige Gesellschaft unterhalten, Musik hören und visuell mit der Umgebung kommunizieren sollte. Die zweite Achse, quer zur ersten, war eine Lindenallee, die die herzögliche Stadt Jitschin, die Loggia und den Garten mit dem Kartäuserkloster in Valdice, Waldsteins vorgesehener letzter Ruhestätte, verband.

Mit der Ära Waldsteins erlebte die Stadt eine glanzvolle Epoche, in der sie europaweit bekannt wurde und einen allseitigen Aufschwung erreichte. Jitschin wurde Sitz amtlicher Institutionen des Herzogtums Friedland, Umschlagplatz für Waren, die für den herzöglichen Hof bestimmt waren, und nicht zuletzt ein Handelszentrum für Kriegslieferanten. Nach dem Tode des Herzogs verlor jedoch Jitschin seine Bedeutung und sank aufs Neue auf das Niveau der übrigen Untertanenstädte zurück.


Waldstein ist in Jitschin jedoch nicht in Vergessenheit geraten. Bereits zum dritten Mal werden dort in diesem Jahr, genau am kommenden Wochenende, die sog. Waldstein-Tage begangen. Mehr dazu hören Sie von dem stellvertretenden Vorsitzenden des Jiciner Kreisamtes, Jaroslav Vesely:

"Diese Tage knüpfen an eine Veranstaltung an, die 1934 anlässlich des 300. Jahrestags der Ermordung des Herzogs Waldstein in Jitschin stattfand. Ich muss wohl nicht erwähnen, dass Albrecht von Waldstein die historische Gestalt ist, über die die zweitmeisten Bücher geschrieben wurden. Die erste ist Napoleon. Wir waren dadurch fasziniert, wie unsere Vorfahren 1934 diese höchst umstrittene Persönlichkeit gefeiert, und wie sie an sie erinnert haben. Die Feierlichkeiten dauerten damals einige Wochen, und wir haben sie uns als bestimmten Leitfaden und Vorbild genommen."

Jičín (Foto: Petr1888, CC BY-SA 3.0 Unported)
Die Waldstein-Tage beginnen am Freitag, den 17. Mai, und zwar mit einem Block von Geschichtsvorlesungen. Begleitet von Fanfaren-Klängen soll dann Albrecht von Waldstein höchstpersönlich eintreffen. Das Freitagsprogramm wird in einem Konzert der Gruppe "Guta Musicae" seinen Höhepunkt finden, die unter dem Titel "Labyrinth der Welt und Paradies der Musik" Stücke aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges spielen wird.

"Am Samstag den 18. V. wird der historische Markt eröffnet. Wir haben auch ein Lager deutscher Landsknechte vorbereitet, die unter Befehl von Herzog Waldstein stehen werden. Waldstein wird auch eine Rede zu seinen Untertanen halten, die Marktleute sowie den Gang seiner Kanzlei kontrollieren."

Waldstein wird sich aber auch auf einen Umzug durch die Stadt begeben, sich mit seinen italienischen Architekten treffen und eine Ausstellung von Werken von Kindern in der Jitschiner Kunstschule eröffnen. Außerdem haben Schüler aus neun Schulen in Jtischin und Umgebung in Zusammenarbeit mit dem Literatur-Archiv in Stare Hrady, dem Kreismuseum und der Galerie in Jitschin sowie mit dem dortigen Kreisarchiv eine Konferenz mit dem Namen "Terra felix, terra desolata" vorbereitet. Mehr dazu sagte uns der Direktor des Kreismuseums, Jaromir Gottlieb.

"Die Schüler haben sich an dem sog. Projektunterricht beteiligt. Das Thema ihrer Arbeit war die Zeit des Dreißigjährigen Krieges, der jede der hiesigen Gemeinden betraf. Die Kinder lösen solche Aufgaben, wie etwa die Erforschung der Sichtbarkeit der Burg Velis aus der Burg Kumburk oder die Umstände des Brandes von Kopidlno. Und auf der Pressekonferenz werden sie über ihr Projekt referieren, was sie erforscht und festgestellt haben. Und sie werden die Ergebnisse ihrer Arbeit auch vorführen, wie etwa alte historische Tänze, die sie einstudiert haben."

Mit einem Projekt hat sich auch die Tschechische Geldprägestätte (Ceska mincovna) aus Jablonec nad Nisou /Gablonz/ den Waldstein-Tagen angeschlossen. Sie produziert alle Münzen, die in der Tschechischen Republik im Umgang sind, außerdem aber auch Sondermünzen und Medaillen. Lucie Kuzelova dazu:

"Es ist schon zu einer Tradition geworden, dass unsere Geldprägestätte Repliken historischer Münzen herausgibt und dadurch an eine konkrete bedeutende Zeit oder Persönlichkeit der böhmischen Geschichte erinnert. Und in diesem Jahr ist die Wahl gerade auf Albrecht von Waldstein gefallen. Der Herzog ließ sehr schöne und interessante Münzen prägen, von denen wir nun zwei herausgeben. Die erste Münze ist der goldene Waldstein-Dukat, der 1631 in Jitschin geprägt wurde. Die zweite ist ein Waldstein-Taler aus Silber, der bereits 1626 ebenso in Jitschin geprägt wurde. Es handelt sich um eine sehr wertvolle Münze, weil damals nur eine Probeserie von 2000 Stück Münzen entstanden war. Und als dritte geben wir zu diesem Anlass eine Gedenkmedaille heraus, eine große Messingmedaille, auf der Albrecht von Waldstein als Feldherr und auf der anderen Seite Waldstein auf dem Pferd dargestellt wird."


Soweit, liebe Hörerinnen und Hörer, unserer Einladung nach Jitschin. Sie können diese schöne Stadt jederzeit besuchen. Wenn sie das aber am kommenden Wochenende tun, können Sie sich dort mit Albrecht Eusebius Wenzel von Waldstein persönlich treffen. Aus Prag verabschieden sich für heute Martin Jezek und Markéta Maurová.

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