Ende der Rezession– doch Binnennachfrage und Investitionen darben weiter

Foto: Barbora Kmentová

Es war nach anderthalb Jahren die erste gute Meldung über die tschechische Wirtschaft: Im zweiten Quartal dieses Jahres ist die längste Rezession seit der Staatsgründung vor 20 Jahren zu Ende gegangen. Das meldete das Statistikamt. Die Wirtschaft wuchs um 0,7 Prozent im Vergleich zum vorherigen Vierteljahr. Ist dies auch insgesamt ein Wandel zum Besseren?

Vojtěch Benda
Die Maschinen arbeiten unter Hochdruck, denn es gibt wieder mehr Aufträge – das vermelden die tschechischen Exportzweige. Sie haben im zweiten Quartal dieses Jahres 1,4 Prozent mehr produziert als im Vergleichzeitraum 2012. Vojtěch Benda, leitender Ökonom der Investmentberatungsfirma BH Securities:

„Die Belebung des Exports steht ganz klar im Einklang mit der deutschen Entwicklung: Dort stieg die Binnennachfrage.“

Davon profitieren vor allem Maschinen- und Autobauer. Doch die Menschen in Tschechien selbst - sie drehen immer noch jede einzelne Krone um, bevor sie diese ausgeben. Michaela aus Prag klagt über die hohen Preise im Land:

Foto: Grant Cochrane, FreeDigitalPhotos.net
„Wir sind eine Familie mit zwei Kindern und spüren das sehr deutlich. Das betrifft schon die täglichen Einkäufe im Supermarkt.“

Während also der Export zugelegt hat, ist die tschechische Binnennachfrage zurückgegangen. Das lässt auch die Unternehmer weiter überaus zurückhaltend agieren bei neuen Investitionen. Die Folge: Arbeitsangebote sind Mangelware, die Zahl der Erwerbslosen stagniert bei deutlich über einer halben Million. Und alles jenseits der Grenze von 500.000 gilt hierzulande als hohe Arbeitslosigkeit.

Für das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal bedeutete dies, dass es im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sogar um 1,2 Prozent gesunken ist. Immerhin war der Einbruch nicht mehr so extrem wie noch in den ersten drei Monaten dieses Jahres. Petr Zahradník ist Wirtschaftsanalyst der Unternehmensberatungsfirma Conseq. Er sieht noch keine Bestätigung für eine Trendwende:

Petr Zahradník (Foto: Archiv des Regierungsamtes der Tschechischen Republik)
„Obwohl ich mir das sehr wünschen würde, bin ich bei der Frage einer Trendwende sehr vorsichtig. Man muss dazu sagen: Nimmt man die gesamte erste Hälfte dieses Jahres, dann gab es einen Einbruch von 1,8 Prozent gegenüber der ersten Hälfte 2012. Ob es bereits eine Trendwende gibt, das können nur die folgenden beiden Quartale zeigen. Wahrscheinlich bewegen wir uns aber dahin. Das heißt, die Interpretation der neuen Daten des Statistikamtes fällt positiver aus als bei den Daten im Juni.“

Am ehesten könnte die Binnennachfrage wieder anziehen, glaubt Zahradník.

„Man kann seinen Verbrauch ja nicht ständig weiter reduzieren, irgendwann ist die Grenze des Erträglichen erreicht. Die Nachfrage wird deswegen mindestens stagnieren, eher aber steigen. Wenn aber die psychische Blockade beseitigt ist, dann könnten die Menschen sogar auch zu ihrem Ersparten greifen. Bei der Nachfrage ist die Belebung aber einfacher zu erreichen als bei den Investitionen. Die Firmen scheinen seit längerem wie erstarrt. Vielleicht könnte die Mobilisierung von öffentlichen Ausgaben, wie sie gerade von der Rusnok-Regierung geplant wird, zu einem Teil helfen.“

Als Grund für die lange Rezession sehen die Analysten, genauso wie Gewerkschafter und sogar auch die Arbeitgeber, den jahrelangen harten Sparkurs der liberal-konservativen Regierung Nečas.

Autor: Till Janzer
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