Enthüllung der Gedenktafel für F.M. Nagl in Telc

Gedenktafel für F.M. Nagl, Foto:CTK

Das jüdische Gebet El male Rachamim erklang am Mittwoch auf dem Zentralplatz im mährischen Telc, als hier im Beisein des Bürgermeisters und weiterer prominenter Gäste die Gedenktafel für den ehemaligen Bewohner dieser Stadt, Frantisek Moric Nagl, enthüllt wurde.

Gedenktafel für F.M. Nagl, Foto:CTK
Das jüdische Gebet El male Rachamim erklang am Mittwoch auf dem Zentralplatz im mährischen Telc, als hier im Beisein des Bürgermeisters und weiterer prominenter Gäste die Gedenktafel für den ehemaligen Bewohner dieser Stadt, Frantisek Moric Nagl, enthüllt wurde. Nagl war ein Maler, geboren 1889 auf einem Hof im unweit von Telc gelegenen Ort Kostelni Myslova. Er fühlte sich hier zu Hause und brachte seine innige Beziehung zu dieser Region mittels zahlreicher Gemälde zum Ausdruck. Er war aber auch ein Jude und eben diese Zugehörigkeit hat sein Schicksal und das seiner Familie - Frau Vlasta, Sohn Miloslav und die Tochter Vera - vorbestimmt. Am 22.Mai 1942 haben sie ihre Namen verloren und wurden als Häftlingsnummmern AV 169 - AV 172 in das Konzentrationslager Terezin / Teresienstadt abtransportiert. Doch dies war nur eine Zwischenstation. Im Herbst 1944 kam die Familie Nagl nach Ausschwitz. Hier hat sie das tragische Schicksal ereilt. Prof. Felix Kolmer, Präsident der Stiftung Terezinska iniciativa sagte in einer Ansprache:

"Die Erinnerungen an Sie und an die mehr als 80 tausend tschechischen Juden, die in den KZs des Nazi-Regimes umgekommen waren, können und wollen wir nicht wegscheuchen. Wir können diese Verbrechen auch nicht verzeihen. Auf der anderen Seite dürfen wir uns nicht von Hassgefühlen gegenüber der Nation leiten lassen, die vor drei Generationen die Nazis hervorbrachte. Wir müssen an die Verbrechen erinnern, damit sie sich in Zukunft nicht wiederholen können."

Prof. Felix Kolmer, selbst ein Überlebender der KZs Terezin, Ausschwitz und Friedland, rief die Tschechen und die Deutschen zu gemeinsamen Bemühungen um die Gestaltung einer friedlichen Koexistenz in Europa ohne Vorbedingungen auf. Diese müsse man der Vergangenheit überlassen. Eine Botschaft, dass es bei dieser Gedenkstunde in Telc keineswegs nur um ein bloßes Herumstochern in der Vergangenheit ging, brachte der Bürgermeister und Senator Vaclav Jehlicka zum Ausdruck:

"Es ist gut, dass wir uns an diesem Ort Treffen, wo es vor 60 Jahren zu einem Konflikt zwischen dem Guten und dem Bösen gekommen ist. Alle sind wir uns dessen bewusst, dass dies für die Gegenwart und die Zukunft von immenser Bedeutung ist."

Ralf Dreyer, Vertreter der Delegation der Europäischen Kommission in der Tschechischen Republik, brachte es auf die folgende Formel:

"Zukunft gibt es nur da, wo es Vergangenheit gibt, und wenn wir eine Zukunft in der Europäischen Union gestalten wollen, dann müssen wir die Vergangenheit in Rechnung stellen. Die Vergangenheit war nicht immer glücklich, von verschiedensten Greueltaten gekennzeichnet. Aber es reicht nicht immer nur zurück zu blicken auf diese Vergangenheit, sondern man muss den Blick nach vorne richten und um mit Wille Branddt zu sprechen, über den Tag hinaussehen, und da ergeben sich wichtige Perspektiven für die Tschechische Republik."