Ermittlungen gegen Tomi Tour wegen Betrugverdachts – Direktor Fischer wehrt sich gegen Vorwürfe

Václav Fischer (Foto: ČTK)

Das tschechische Reiseunternehmen Tomi Tour, das zu den zehn größten Reisebüros des Landes zählte, ist bankrott. Wo aber sind die Ursachen für diese Pleite zu suchen sind und welche Konsequenzen könnte sie haben? Eine Antwort auf diese Fragen versucht Radio Prag zu geben.

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Wir haben bereits darüber berichtet: Das Reiseunternehmen Tomi Tour hat am vergangenen Freitag den Bankrott erklärt und somit Konkurs angemeldet. Es ist die größte Pleite eines tschechischen Reiseveranstalters seit dem Zusammenbruch des Reisebüros Travela zum Ende der 90er Jahre. Tomi Tour gehörte zu den zehn größten Unternehmen der Branche auf dem hiesigen Markt, es verkaufte jährlich rund 50.000 Reisen. Experten zufolge verkaufte es diese Reisen allerdings zu viel zu geringen Preisen, so dass aus dem Schneeball der finanziellen Firmenprobleme relativ schnell eine Lawine wurde. Einige Agenturen haben den Verkauf der Tomi Tour-Reisen schon im letzten Jahr abgelehnt. Der Grund: die schlechte Zahlungsmoral des Unternehmens.

Als Tomi Tour vor knapp einer Woche die Nachricht der Firmenpleite bekannt gab, waren noch über 3000 Klienten des Reisebüros im Ausland. Da Hotels, Busfirmen und Fluggesellschaften nun befürchteten, von Tomi Tour nicht mehr ausgezahlt zu werden, drohte den Klienten so manches Ungemach. In Zusammenarbeit mit der slowakischen Versicherungsanstalt „Union Pojišťovna“, bei der die Tomi Tour-Klienten versichert waren, haben die České Aerolinie (ČSA) und andere Fluggesellschaften die meisten Urlauber inzwischen anstandslos wieder nach Hause gebracht. Dennoch häufen sich seit Freitag die Strafanzeigen der enttäuschten Klienten gegen ihren ehemaligen Reiseveranstalter. Das bestätigte auch Innenminister Martin Pecina:

„Bei der Polizei sind bereits einige Strafanzeigen eingegangen. Gleichzeitig wird sie Ermittlungen führen, wie es zur Pleite dieses Reiseunternehmens gekommen ist.“

Beschwert haben sich jene Leute, die man in der Türkei auf dem Weg zum Flughafen aus dem Bus aussteigen ließ, weil sie eine zusätzliche Transporttaxe von 30 Euro nicht bezahlen wollten. Ungehalten sind natürlich auch jene Tomi Tour-Klienten, die ihren sicher geglaubten Urlaub nun erst gar nicht antreten können. Medienberichten zufolge haben sogar noch einige hundert Last-Minute-Reisende ihre Auslandsreise noch kurz vor dem Bekanntwerden der Pleite von Tomi Tour bezahlt. Deshalb wurde auch der Vorwurf des Betruges bereits laut. Experten wie der Sprecher des Verbandes der tschechischen Reisebüros, Tomio Okamura, warnen daher wiederholt davor, sich primär nur nach den billigsten Angeboten zu orientieren. Der Analytiker der Gesellschaft MaG Consulting, Jaromír Beránek, wiederum empfiehlt, sich die Reisebüros in Tschechien vorher genauestens anzusehen und Referenzen einzuholen. Beranek weiß jedoch auch: große Reiseunternehmen sind beliebt.

„Auf der anderen Seite muss ich zugeben, dass eine ganze Reihe unserer Bürger bei der Wahl des Reisebüros gerade in diesen Tagen auf ein großes Reiseunternehmen zurückgreifen. Sie erhoffen sich damit eine gewisse Sicherheit.“

Václav Fischer (Foto: ČTK)
Zu diesen großen tschechischen Reisebüros gehörte bis vor kurzem eben auch das von Tomi Tour. Laut Handelsregister ist Geschäftsführer Lubomír Popelář der Mehrheitseigner dieses Unternehmens. Es ist jedoch ein offnes Geheimnis, dass hinter dieser Firma vor allem ein Mann steht: ihr Handelsdirektor Václav Fischer. In Deutschland war er bestens bekannt als Inhaber von Fischer Reisen. Seine einst gut florierende Reiseagentur schickte er 2005 in den Konkurs. Mittlerweile hat Fischer schon sein drittes Unternehmen an die Wand gefahren, und das, obwohl die tschechische Firma Tomi Tour im vergangenen Jahr 2008 noch mit einem Reingewinn von knapp zwei Millionen Euro und einem Umsatz von fast 32 Millionen Euro ausgewiesen wurde. In einer jüngst veröffentlichten Presseerklärung wehrt sich Fischer energisch gegen den Vorwurf, dilettantisch kalkuliert und schlecht gewirtschaftet zu haben. Die plötzliche Pleite sei vielmehr auf die nicht mehr vorhandene Liquidität des Unternehmens, die momentane Ungefälligkeit der Banken, Kredite auszustellen, und das Misstrauen der Hoteliers zurückzuführen. Wegen einer Verleumdungskampagne, die via Internet gegen Tomi Tour gelaufen sei, hätten gerade die Hoteliers zuletzt nur noch die Vorauszahlung ihrer Dienste verlangt. Eine Straftat habe er sich jedenfalls nicht vorzuwerfen, sagte Fischer.

Man muss jedoch abwarten, was die polizeilichen Ermittlungen zu Tage fördern werden. Fest steht ebenso noch nicht die Zahl aller ehemaligen Tomi Tour-Klienten, die ihre Urlaubsreise frühzeitig gebucht und schon bezahlt hatten, sie aber jetzt nicht mehr antreten können. Reisebüro-Verbandssprecher Okamura spricht von 10.000 Leuten – eine Zahl, die Judita Smatanová, die Sprecherin der Versicherung „Union Pojišťovna“ jedoch nicht bestätigen wollte:

„Ungefähr innerhalb eines Monates werden wir den verprellten Tomi Tour-Klienten einen Vorschuss auf die ihnen zustehende Entschädigung auszahlen. Die Gesamthöhe dieser Entschädigung werden wir aber erst wissen, wenn uns alle Unterlagen vorliegen werden.“


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Wann ist ein Ende der weltweiten Krise in Sicht? Auf diese oft gestellte Frage erhielten die Vertreter der EU-Industrieproduktion vergangene Woche eine neue Antwort. Eine Antwort, die endlich Hoffnung weckt. Im Mai ist nämlich die Industrieproduktion der Union erstmals seit sieben Monaten wieder gestiegen im Vergleich zum Vormonat, und zwar in acht EU-Mitgliedsstaaten. Das vermeldete das europäische Statistikamt Eurostat. In elf EU-Ländern ist sie jedoch weiter gesunken – darunter in Tschechien, wo der Produktionsrückgang im Vergleich zum April bei immerhin 2,1 Prozent lag. Aber nicht nur diese Zahl allein bereitet dem Chefökonom der Raiffeisenbank in Tschechien, Pavel Mertlík, merklich Sorgen:

„Von Januar dieses Jahres bis jetzt ist die Wirtschaft nur so dahingeplätschert. Wesentlich schlechter ist jedoch die Tatsache, dass sich die Auftragslage in der Industrieproduktion in keiner Weise verbessert hat. Man muss sogar sagen, dass immer noch kein Licht am Ende des Tunnels zu erkennen ist. Im Gegenteil, es ist richtig finster, und auch für die nahe Zukunft gibt es keine Anzeichen für eine Besserung.“

Der fortwährende Rückgang der tschechischen Industrieproduktion hat viele Gründe, doch bei einem Wirtschaftszweig werde die Talfahrt ganz besonders deutlich, sagt Mertlík:

„Eine sehr unerfreuliche Tatsache ist, dass die Elektronikindustrie ziemlich rasant in den Keller gerutscht ist. Im Vergleich zum Vorjahr ist sie um rund 35 Prozent zurückgegangen. Und ich befürchte, dass ist kein einmaliger Trend. Für die Struktur der hiesigen Wirtschaft ist das ein schwerwiegender Einbruch, vor allem wenn man weiß, dass die Elektronikindustrie nach dem Maschinenbau die zweite tragende Säule unter den tschechischen Wirtschaftszweigen ist.“

In einem Punkt schöpft man allerdings in Tschechien wieder etwas Hoffnung: Zu den leicht wachsenden Industrienationen gehört auch wieder das benachbarte Deutschland. Da die tschechische Wirtschaft in beträchtlichem Maße von der deutschen Ökonomie abhängig ist, könnte ein wichtiger Impuls also von dort kommen.