Erneuerung nach dem Großbrand: Prager Industriepalast prachtvoll wiedereröffnet

Der Prager Industriepalast wurde am Donnerstag wiedereröffnet. Ganze 18 Jahre lang war das Jugendstilgebäude geschlossen gewesen, nachdem ein Teil davon durch einen Brand zerstört worden war.

Der Industriepalast,  ein ikonisches Gebäude aus dem Jahr 1891,  brannte 2008 nieder. Das Feuer zerstörte damals den rechten Flügel vollständig | Foto: Michal Čížek,  Profimedia

Am Abend des 16. Oktobers 2008 brach auf dem Messegelände im Prager Stadtteil Holešovice ein verheerendes Feuer aus. Den Flammen fiel damals der Industriepalast zum Opfer – ein Hallenbau mit einem markanten Turm, der 1891 für die Jubiläumsausstellung in Prag errichtet worden war.

Nun wurden der rechte Flügel und die Mittelhalle aufwendig saniert. Der linke Flügel hingegen, den das Feuer komplett vernichtet hatte, musste vollständig neu aufgebaut werden. Er wurde dabei wieder in das Aussehen zurückversetzt, das er 1891 bei der Eröffnung des Industriepalastes hatte. Eine komplett neue Stahlkonstruktion wurde errichtet: Sie liegt frei, ist grün gestrichen und trägt eine weiße Holzdecke mit großen Fenstern.

Detailgetreuer Neubau des linken Flügels

Das Bau- und Rekonstruktionsprojekt wurde von David Čech geleitet. Er beschreibt den Innenraum wie folgt:

Foto: Michael Erhart,  Tschechischer Rundfunk

„Wir sehen hier eine freiliegende Stahlkonstruktion. Ursprünglich war sie genietet, heute ist sie sie geschweißt. Die Nieten wurden nachträglich aufgeschweißt oder aufgeklebt, um das historische Erscheinungsbild detailgetreu nachzuahmen.“

Zu den anspruchsvollsten Restaurierungsarbeiten gehörte die Instandsetzung der Mittelhalle, allen voran die Erneuerung der bemalten Holzdecke. Diese besteht aus 1232 Brettern, die in 77 Feldern angeordnet sind. Jedes Brett wurde bei der Demontage markiert, damit die Restauratoren es wieder an seinem ursprünglichen Platz anbringen konnten. An der Erneuerung der Decke waren Restauratoren, Maler und Tischler beteiligt. Man sehe dort eine Vielzahl an bemaltem Dekor, Gürtlerarbeiten sowie Glasmalereien mit goldenen Inschriften, ergänzt der Projektleiter.

Foto: Michael Erhart,  Tschechischer Rundfunk

Aufwendige Restaurierung der Mittelhalle und des Uhrturms

Während Teile der historischen Stahlkonstruktion aus dem Jahr 1891 instandgesetzt wurden, mussten andere wegen Korrosion vollständig ersetzt werden. So trugen die Arbeiter beispielsweise den rund 50 Meter hohen Uhrturm ab, der etwa 26 Tonnen wiegt, um ihn am Boden zu rekonstruieren und anschließend wieder oben aufzusetzen. Auch das Uhrwerk, die Zifferblätter und die Zeiger wurden repariert.

Foto: Michael Erhart,  Tschechischer Rundfunk

Den rechten Flügel des Industriepalastes prägen ein Parkettboden, vergoldete Kronleuchter und eine markante Holzdecke.

„Im rechten Flügel haben wir die Authentizität aus den 1950er Jahren bewahrt, als der Bau zum Kongresspalast umgebaut wurde. Hier fand auch die anspruchsvollste Operation statt: Wir mussten die Holzdecke komplett demontieren und gleichzeitig die tragende Stahlkonstruktion verstärken.“

Der Vorstandsvorsitzende der Betreibergesellschaft Výstaviště Praha, Tomáš Hübl, beschreibt, welche Veranstaltungen in den neuen Räumlichkeiten stattfinden könnten:

„Der rechte Flügel diente traditionell als Tanzsaal, weshalb wir hier auch wieder Bälle veranstalten wollen.“

Darüber hinaus werden in dem Palast künftig auch Messen, Ausstellungen und Festivals stattfinden.

Foto: Michael Erhart,  Tschechischer Rundfunk

Das Feuer von 2008 und der heutige Brandschutz

Laut den Ermittlern wurde das Feuer im Jahr 2008 durch Fahrlässigkeit ausgelöst, als auf einem eingeschalteten Elektroherd Gegenstände zurückgelassen wurden und in Brand gerieten. Der Verursacher konnte nie ermittelt werden. Im Vergleich zu früher verfüge das Gebäude nun über ein wesentlich verbessertes und umfänglicheres Brandschutzsystem, fügt Hübl hinzu:

Foto: Michael Erhart,  Tschechischer Rundfunk

„Hier wurde eine ganze Reihe von Brandmeldern installiert, darunter eine Rauchüberwachung des Raumes sowie eine automatische Löschanlage. Allerdings konnte dieses umfassende Brandschutzsystem in vollem Umfang nur im linken Flügel realisiert werden, der ein Neubau ist.“

Obwohl der Palast bereits vor 18 Jahren abgebrannt war, begann die umfassende Instandsetzung erst Anfang 2022. Die Bauarbeiten dauerten mehr als viereinhalb Jahre und beliefen sich auf rund drei Milliarden Kronen (123 Millionen Euro).

Im Industriepalast finden nun geführte Besichtigungstouren statt, allerdings sind alle verfügbaren Termine bereits ausgebucht. Die Leitung des Ausstellungsareals erwägt daher, zusätzliche Termine anzubieten.

Autoren: Markéta Kachlíková , Petr Kastner
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