NeverMore 68: Festival erinnert an Niederschlagung des Prager Frühlings

In Tschechien wird dieser Tage an die Niederschlagung des Prager Frühlings am 21. August 1968 erinnert. In Prag findet am Donnerstag ein großes Festival für die Öffentlichkeit statt.

Mit einem vielseitigen Programm wird am Donnerstag an den Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes in Prag vor 57 Jahren erinnert. „NeverMore 68“ (Nie wieder 68) heißt das Festival, das auf dem Messegelände im Stadtteil Holešovice stattfindet.

Barbora Šubrtová | Foto: Jakub Ferenčík,  Radio Prague International

Die Veranstaltung gebe es bereits zum vierten Mal, sagte Barbora Šubrtová, die Leiterin des Festivals, der englischen Redaktion von Radio Prag International. Der Kerngedanke ist laut der Gründerin, eine Plattform für die breite Öffentlichkeit zu schaffen – und für Organisationen, die zu diesem Kapitel der Geschichte arbeiten.

„Ein großer Teil der jungen Generation weiß nicht viel über die Ereignisse. Oder sie haben gar keine Ahnung, was dieses Datum für unsere Geschichte bedeutet. Wir wollen dieses Kapitel als einen Teil unserer Erinnerung lebendig halten. Das ist eines der Hauptziele.“

Das Festival steht jedes Mal unter einem besonderen Thema. In diesem Jahr hat man den Fokus auf Fremdperspektiven gelegt. Im Kern geht es darum zu untersuchen, wie andere Länder damals auf die sowjetische Invasion in Prag blickten. Große Veranstaltungspartner sind dabei die Botschaft Großbritanniens und das British Council. So gibt es etwa eine Ausstellung, in der das britische Medienecho auf die Invasion in Prag vorgestellt wird. Ebenso werden Demonstrationen für eine freie Tschechoslowakei in England reflektiert. Das Thema der Fremdperspektive habe auch einen Aktualitätsbezug, so Šubrtová:

„Heute haben wir diese Außensicht und gehören zu den Ländern, die der Okkupation anderer Staaten zuschauen. Wir sollten uns daran erinnern, wie schwer es einst für uns war, von den anderen nur leere Worte zu hören.“

Bei dem Programm am Donnerstag gibt es auf dem Messegelände Konzerte und Diskussionen, Stände von NGOs und eine Vorführung des Filmes „Vlny“ („Waves“). Dieser thematisiert die Rolle des Tschechoslowakischen Rundfunks während der Niederschlagung des Prager Frühlings.

Bereits in den vergangenen Jahren stand das Festival im Zeichen der Unterstützung für die Ukraine. Šubrtová sieht zwischen dem derzeitigen Angriffskrieg Russlands und der Invasion 1968 klare Parallelen:

„Ich denke, die Gründe für die Einmärsche waren sehr ähnlich. Die Tschechoslowakei wollte ihren eigenen, freien und demokratischen Weg gehen – anders, als es die Sowjetunion bestimmte. Auch die Ukrainer wollten ihren eigenen Weg abseits von Russland bestreiten. Aber beide Träume wurden durch Panzer zerstört.“

Foto: NeverMore 68

Das Festival NeverMore 68 beginnt am Donnerstag um 14 Uhr auf dem Prager Messegelände in Holešovice. Das Programm dauert bis 23.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Autoren: Ferdinand Hauser , Jakub Ferenčík
schlüsselwort:
abspielen

Verbunden