Europäische Filmtage in Prag mit Blick auf den Filmmarkt

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Herumgesprochen hat es sich schon: Europäische Filme sind manchmal ganz einfach netter Mainstream, manchmal aber auch ein kühnes Unterfangen. Um das zu beurteilen müssen die Filme zum Publikum kommen. Aber der Weg der europäischen Filme in die europäischen Kinos ist nicht immer ein einfacher. Unsere freie Mitarbeiterin Marcela Pozarek war im Rahmen der zur Zeit stattfindendenden Europäischen Filmtage an einem Rundtischgespräch zum Thema Filmproduktion und Distribution.

Traditionell gibt es an den Europäischen Filmtagen neben den Streifen aus Europa, auch ein Diskussion, an der sich die Fachleute einerseits darüber beklagen, wie schwierig es ist die europäischen Filme in die Kinosäle zu bekommen, andererseits schwelgt man über die phantastischen Möglichkeiten der Festivals, an denen man im Bad der filmbegeisterten Menge cinematophilen Gelüsten nachgehen kann. Was passiert aber, wenn es weder einen Kassenschlager wie "Lola rennt" noch ein Filmrevue a la Karlsbad, Cannes oder Venedig gibt. Wer kauft Filme, um sie dann irgendwo beispielsweise in einem kleinen norwegischen Dorf zu zeigen.

Erik Holst, Leiter des norwegischen Filminstitutes, hat die Möglichkeit, beispielsweise die Untertitelung von exotischen Filmen zu finanzieren, oder wie er ausführte:

"Dann gibt es da ein Garantiesystem, wenn mehr oder weniger gewährleistet ist, dass der Verleiher einen kommerziell erfolgreichen Film kaufen will, dann kann das Filminstitut rund 80 Prozent der Kosten übernehmen".

Die skandinavischen Länder kooperieren untereinander mittels Dachorganisationen, die während der angeregten Debatte als Regenschirm bezeichnet wurden. Davon liess sich Peter Hledik, Leiter des westslowakischen Filmfestivals Trencianske Teplice inspirieren:

"Ich frage mich, ob wir auch hier nicht einen Regenschirm aufspannen könnten, der Warschau, Budapest, Bratislava und Prag was die filmische Produktion anbelangt abdecken und miteinander verbinden würde. Ansonsten bin ich ganz der Meinung von Eva Zaoralova vom Karlsbader Filmfestival, dass Festivals ein idealer Umschlagplatz für Filme sind, eine gute Möglichkeit sie gegebenenfalls auch zu kaufen."

"Ein Lied von Liebe und Tod- Gloomy Sunday", ein ungarisch-deutscher Film, der die klassisch dramatische Situation des Zusammenlebens verschiedener Ethnien während des 2. Weltkriegs in Budapest zum Inhalt hat, wurde in Prag auf den Europäischen Filmtagen von Joachim Krol, dem berühmten Schauspieler aus " Wir können auch anders" präsentiert. Er äußerte sich im Gespräch mit Radio Prag über die Filmverleihsituation in Deutschland.

Übrigens: mit Joachim Krols Film " Gloomy Sunday" lässt sich sogar sehr gut leben, davon konnten sich die Prager Kinogeher überzeugen.

Autor: Marcela Pozarek
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