Europäischer Umweltbericht: Tschechische Wirtschaft verbraucht weiterhin viele Ressourcen

Kohlekraftwerk

Die tschechische Wirtschaft bleibt eine der energieaufwändigsten in Europa. Die Politik hat die Klimaziele zwar im Blick und investiert in erneuerbare Stromquellen oder in nachhaltige Verkehrskonzepte. Trotzdem ist der Verbrauch an fossilen Ressourcen hierzulande weiter hoch – und damit auch der Schaden für Natur und Klima. Das alles steht im neuen europäischen Umweltbericht.

Tschechien bleibt eines jener europäischen Länder, in denen die Wirtschaft einen hohen Verbrauch an Strom, Kohle und anderen Ressourcen aufweist. Und das bedeutet nach wie vor eine starke Klimabelastung. So heißt es im Bericht „Zustand der Umwelt“ der Europäischen Umweltagentur (EEA), der am Montag veröffentlicht wurde. Miroslav Havránek vom Zentrum für Umweltfragen an der Prager Karlsuniversität sagte dazu in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:

Foto:  Škoda Auto

„Tschechien hat eine vergleichsweise starke industrielle Basis. Dies ist historisch gegeben. Nach Irland belegt Tschechien in Europa gleich den zweiten Platz, was die Bedeutung der Industrie für die Bildung des Bruttoinlandsproduktes angeht. Damit hängt dann auch zusammen, wie sehr die tschechische Gesellschaft die Umwelt belastet.“

Im europäischen Umweltbericht heißt es zunächst jedoch, Tschechien habe in den vergangenen Jahrzehnten große Fortschritte gemacht bei der Entkopplung des Wirtschaftswachstums von Umweltbelastungen. Die Treibhausgasemissionen sind seit 1990 hierzulande um 47,8 Prozent zurückgegangen, bis 2030 sollen es 55 Prozent werden. Die grüne Transformation ist laut EEA in Tschechien zwar im Gange, der hiesige Kohleausstieg werde aber erschwert, weil etwa angesichts des Ukraine-Krieges kein Erdgas aus Russland mehr eingeführt werde. Und weiter fasst Havránek zusammen:

Foto: František Tichý,  Tschechischer Rundfunk

„In dem Länderkapitel des Berichts sehen wir, dass Tschechien bei einer Reihe von Trends relativ gut dasteht. Verbesserungen gibt es im Bereich organische Landwirtschaft oder Wiederverwendung von Materialien, also Recycling. Auch wenn wir dabei die Ziele noch nicht erreichen, ist die Tendenz doch positiv.“

Die meisten Einzelindikatoren in dem EEA-Bericht sind im Falle Tschechiens aber mit dem Attribut „Beschleunigung notwendig“ versehen. Dies betrifft etwa den Gesamtenergieverbrauch oder den Anteil von erneuerbaren Quellen an der Stromerzeugung. Gänzlich in die falsche Richtung gehen laut Bericht etwa die Müllproduktion oder die klimabedingten wirtschaftlichen Verluste im Land. Zudem wird ausgeführt, dass der Verkehrssektor immer noch zu mehr als 22 Prozent abhängig von fossilen Brennstoffen sei und sein Energiebedarf weiter steige. Und nicht zuletzt nimmt Tschechien im Vergleich aller EU-Staaten den drittletzten Platz ein, wenn es um die Registrierung batteriebetriebener Neuwagen geht.

Foto: Technologie hlavního města Prahy

Der europäische Umweltbericht wird alle fünf Jahre vorgelegt. Für die aktuelle Analyse wurde Daten aus 38 Ländern ausgewertet. In dem Dokument heißt es zusammenfassend, Europa sei zwar ein Vorreiter in Sachen Klimaschutz, und das vor allem beim Kohleausstieg. Trotz deutlicher Fortschritte sei die Lage insgesamt aber weiterhin besorgniserregend. Klimawandel und Umweltzerstörungen werden als Bedrohung für die Wettbewerbsfähigkeit Europas bezeichnet. Havránek erläutert:

„Wenn wir uns das Überblickskapitel für ganz Europa anschauen, dann geht es vorwärts im Bereich der Luftqualität. Schlechter sieht es schon beim Wasserschutz aus. Und leider ist die Biodiversität in den roten Zahlen. Der Schutz der Artenvielfalt ist also der größte Schwachpunkt in Europa und auch in Tschechien.“

Um die Klimaneutralität bis 2050 in ganz Europa zu erreichen, müssten Land, Wasser und weitere Ressourcen verantwortungsvoll und nachhaltig bewirtschaftet werden, so die Mahnung der EEA. Dazu bestehende politische Strategien, wie etwa der Green Deal, müssten laut Bericht endlich umgesetzt werden.

Miroslav Havránek | Foto: Cenia

Und wie sind die Aussichten für die künftige Klimapolitik in Tschechien? Miroslav Havránek:

„Das ist eine gute Frage, so kurz vor den Wahlen. Der Bericht gibt eine ganze Reihe an Empfehlungen für die positiven Trends. Beim System der Lebensmittelproduktion, Landwirtschaft und Forstwirtschaft investiert Tschechien zum Beispiel in Förderprogramme. Da geht es um Erosionsschutz oder die Erholung von der Borkenkäferplage. All diese Maßnahmen, die künftig anstehen oder bereits durchgeführt werden, bilden ein Konzept, die die bisherige Regierung der kommenden übergibt. Inwieweit das Konzept dann weiter verfolgt wird, müssen wir sehen. Die bisherigen Äußerungen dazu enthalten alles von null bis hundert. Wir wissen also gerade nicht, was wird.“

Autor: Daniela Honigmann | Quelle: Český rozhlas
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