Nutria und Waschbär: Tschechien kämpft gegen invasive Arten
Die Nutria, der Waschbär, der Bärenklau oder der Götterbaum sind invasive Arten, die in der Natur erheblichen Schaden anrichten. In Tschechien wird dies nun im Rahmen der sogenannten „Woche der invasiven Arten“ thematisiert.
Für Menschen ist sie eine Attraktion, für Ökologen jedoch ein erhebliches Problem. Die Nutria gehört zu den invasiven Arten, die sich schnell ausbreiten und große Schäden verursachen. Die Aktion „Woche der invasiven Arten“ will nicht nur auf diese Biberratte, sondern auch auf andere unerwünschte Pflanzen und Tiere aufmerksam machen.
„Nicht weit von uns schwimmt gerade eine Nutria. Sie ähnelt sehr dem europäischen Biber, der eine einheimische Art in Tschechien ist. Der Biber hat einen abgeflachten Schwanz, die Nutria aber nicht – daran lassen sie sich unterscheiden.“
Dies erläutert Lenka Čolobentičová, die in der Agentur für Natur- und Landschaftsschutz arbeitet. Auf der Schützeninsel im Zentrum Prags zeigt die Expertin auf ein Nagetier, das gerade in der Moldau vorbeischwimmt.
Auf der Schützeninsel im Zentrum Prags
Zu sehen sind auch Karottenreste, die am Ufer liegen. Daher sei klar, dass viele Menschen die Tiere füttern würden, sagt die Expertin:
„Sie verlieren so ihre Scheu und können auch aggressiv werden. Es gab bereits mehrere Fälle, in denen sie Menschen oder Hunde angegriffen haben. Zudem können Nutrias als Überträger von Krankheiten oder Parasiten fungieren.“
Experten mahnen daher, diese Tiere keinesfalls zu füttern, da dies zu einer Überpopulation beitrage.
Ihre Ausbreitung begünstigt auch die Tatsache, dass in Tschechien natürliche Feinde der Nutrias fehlen –, im Unterschied zur ursprünglichen Lebensumgebung in Südamerika, wo diese Nagetiere von Kaimanen gejagt würden, sagt Lenka Čolobentičová. Sie zeigt einen verlassenen Erdbau im Uferbereich:
„Diese Baue stellen ein Problem dar. Indem die Tiere ein System von Gängen graben, die Duzende Meter lang sind, beschädigen sie die Uferböschungen. Dies kann Bewässerungssysteme stören. Und wenn sie sich in der Nähe von Deichen befinden, drohen Dammbrüche und lokale Überschwemmungen.“
Die Nutria verursacht auch weitere Probleme in der Landschaft. Sie vernichtet landwirtschaftliche Nutzpflanzen und Ufervegetation und zerstört so die ursprünglichen Lebensräume für andere Arten.
Dadurch gingen Versteck-, Brut- und Nistplätze für Vogel-, Fisch- und Wirbellosenarten verloren, so Čolobentičová.
Finanzielle Belohnung für jede gefangene Nutria
Das Nagetier, das in Pelzfarmen gehalten wird, hat sich in vielen tschechischen und europäischen Städten angesiedelt. Es steht seit 2016 auf der offiziellen EU-Liste invasiver gebietsfremder Arten. Die Tiere dürfen eigentlich nicht gehalten, gezüchtet und vermehrt werden, und sie werden auch direkt bekämpft.
In Prag werden jährlich rund 200 Nutrias gefangen, in der freien Wildbahn in ganz Tschechien sind es Tausende Tiere. Die Jäger werden von Wissenschaftlern der Agraruniversität in Prag (ČZU) unterstützt. Im Rahmen eines dort laufenden Projekts erhalten sie für jede gefangene Nutria eine finanzielle Belohnung.
Der finanzielle Anreiz habe Wirkung gezeigt, so dass etwa an einem Ort in der Region Kolín in Mittelböhmen über tausend Nutrias gefangen worden seien, sagt Miloš Ježek von der Universität. Dem Wissenschaftler zufolge dringt auch ein anderes invasives Säugetier zunehmend in die Städte ein – der Waschbär.
„Die Probleme werden künftig wohl denen in Deutschland ähneln, wo es dieser Art gelungen ist, städtische Gebiete, Großstädte und Parks zu besiedeln. Der Waschbär schadet Singvögeln und Amphibien, bereitet aber auch den Bewohnern Probleme, wenn er in ihre Häuser eindringt.“
Laut der tschechischen Agentur für Natur- und Landschaftsschutz gibt es hierzulande insgesamt 113 invasive Tierarten – darunter die Rotwangen-Schmuckschildkröte, die Bisamratte und die Nilgans. Zudem werden 75 invasive Pflanzenarten verzeichnet. Die Menschen können ihre Überwachung unterstützen, beispielsweise mithilfe der mobilen Apps BioLog oder iNaturalist.
BioBlitz
Die „Woche invasiven Arten“ erreicht am kommenden Wochenende mit dem sogenannten Alien CSI BioBlitz (auf Tschechisch: Biosmršť) ihren Höhepunkt. Die Öffentlichkeit ist aufgerufen, an diesem europaweiten Event teilzunehmen. Dabei fotografiert man während des Aktionszeitraums Pflanzen, Tiere oder Pilze, die in der jeweiligen Region nicht heimisch sind, und lädt die Bilder auf der Plattform iNaturalist hoch. Die Daten aus dem BioBlitz fließen in die europäische Forschung ein und helfen dabei, die Ausbreitung zu überwachen.







