Faltejsek feiert mit Orphée des Blins Hattrick bei Großer Steeplechase

Foto: ČTK

Jedes Jahr am zweiten Oktobersonntag pilgern Tausende tschechische Sportfans nur zu einem Ziel – in die ostböhmische Stadt Pardubice. Denn dann wird dort eines der ältesten Querfeldein-Pferderennen der Welt ausgetragen: die Große Pardubitzer Steeplechase. Sie gilt als das härteste Pferderennen auf dem europäischen Kontinent, am vergangenen Sonntag wurde sie zum 124. Mal veranstaltet.

Josef Váňa mit seinem Hengst Tiumen (Foto: ČTK)
Er ist in Tschechien ein ähnlich bekanntes Sportidol wie Franz Beckenbauer in Deutschland oder Franz Klammer in Österreich. Die Rede ist von Jockey Josef Váňa, der mit acht Siegen Rekordgewinner der Steeplechase ist. Beim großen Hindernisrennen in Pardubice war er schon zum 28. Male am Start. Und obwohl er seinen letzten Sieg schon vor drei Jahren feierte, glaubten viele Sportwetter auch diesmal an den Rennoldie. Die Kurse der Siegwetten auf Váňa seien ziemlich niedrig, von daher glaube sie, dass der 61-Jährige trotz seines Alters auch diesmal wieder zu den Favoriten gehöre, sagte eine Angestellte beim Totalisator.

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Váňa und sein 13-jähriger Hengst Tiumen waren jedoch ohne Chance. Im Feld der 22 Starter kamen beide nur als Vorletzte ins Ziel von den 17 Pferden, die das Rennen durchstanden. Váňa gab dann auch ohne Umschweife zu:

„Ich bin froh, dass wir das Ziel erreicht haben, dass das Pferd und ich gesund sind. Jetzt werde ich wohl in den Ruhestand treten und mein Rentnerleben genießen.“

Zum Rennen selbst sagte Váňa:

Jan Faltejsek (Foto: ČTK)
„Es war ein schnelles Rennen, das vom besten Pferd im Feld gewonnen wurde. Mein Hengst und ich konnten heute nicht mithalten, es lag wohl an mir oder am Alter. Für uns beide war es wohl schon zu viel.“

Das beste Pferd des Rennens war einmal mehr die Stute Orphée des Blins, die unter Jockey Jan Faltejsek die Steeplechase zum dritten Mal in Serie gewonnen hat. Auf der Zielgeraden aber mussten sich Pferd und Reiter diesmal noch kräftig ins Zeug legen, um den Angriff von Al Jaz unter Jockey Josef Sovka erfolgreich abzuwehren. Entsprechend groß war die Freude bei Jan Faltejsek:

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„Es ist super, dass wir es erneut geschafft haben, auch wenn uns der Sieg diesmal nur um Haaresbreite gelungen ist. Al Jaz hat auf der Zielgeraden noch kräftig auf die Tube gedrückt, doch wir konnten uns vor ihm behaupten. Von daher bin ich absolut zufrieden.“

Orphée des Blins ist die erste Stute, die die Pardubitzer Steeplechase dreimal gewonnen hat. Josef Váňa hält sie für ein außergewöhnliches Pferd und traut ihr im kommenden Jahr auch noch den vierten Triumph zu. Die zwölfjährige Stute habe genug geleistet und sich ein nun weniger anstrengendes Leben verdient, sagte indes ihr Besitzer Jiří Trávníček. Haben die Pferdesportliebhaber also Váňa und die Stute Orphée des Blins zum letzten Male beim Rennen in Pardubice gesehen? Diese Frage kann nur die Zeit beantworten, denn gerade der unverwüstliche Váňa hat nicht zum ersten Mal seinen Abschied angekündigt.

Autor: Lothar Martin
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