Feinkost: Tschechisch-deutsche Kurzfilmhäppchen in Prag serviert

Film „Ham Story / O Šunce“

Am Mittwochabend fand in Prag zum zweiten Mal die tschechisch-deutsche Kurzfilmnacht „Feinkošt / Feinkost“ statt. Frisch serviert wurden insgesamt sieben kurze Streifen auf der großen Leinwand des Prager Kinos Bio Oko. Filmemacher aus beiden Ländern waren zu Gast und präsentierten ihre Filmhäppchen. Die Veranstaltung gehört zu einem größeren Projekt, einem zweisprachigen Festival.

Anne Turek (Foto: Archiv AG Kurzfilm)
Der Auftakt der Programmtournee war bereits am 18. Oktober in Dresden. Nun folgen weitere Verköstigungen in Tschechien und der Slowakei. Anne Turek von der Dresdener AG-Kurzfilm organisiert das Event Feinkost zusammen mit den Kollegen vom Czech Film Center.

„Wir haben heute im Prager Kino Bio Oko insgesamt sieben Filme gezeigt, darunter drei aus Tschechien und vier aus Deutschland. Die Kooperation besteht schon seit vier Jahren. Wir sind zum zweiten Mal nun in Prag zu Gast. Wir bieten ein buntes Programm aus Animations-, Dokumentar- und Spielfilm. Dazu waren ebenfalls einige der Autoren da.“

Unter anderem präsentierte die Studentin Eliška Chytková von der Filmhochschule in Zlín ihre trickreiche Animation „Ham Story / O Šunce“, sie überraschte das Publikum mit viel Witz und kindlichem Charme. Über ein halbes Jahr lang hat Sie dafür mehr als 1000 Filmsequenzen gezeichnet. Das so entstandene sechsminütige Werk war in der Reihe Cinéfondation bei den diesjährigen Filmfestspielen in Cannes vertreten. Chytková konnte sich bei der Nominierung gegen mehr als 1550 eingereichte Projekte von 277 Filmhochschulen durchsetzen. Über Ihren Film sagt sie:

Film „Ham Story / O Šunce“
„Wenn man Kind ist, kann man alles machen, und es wird toleriert. Ich will auch die Erwachsenen dazu anregen, mit ihrer kindlichen Phantasie zu spielen. Diese Sicht der Dinge kann sehr motivierend und bereichernd sein. Das Leben ist besser, wenn man ein bisschen naiv ist, vieles erfindet und sich frei vorstellt.“

Doch auch Ernsteres wurde thematisiert. Im Beitrag „Blaubeeren“ geht es um die Umweltzerstörung durch einen Braunkohletagebau. Selbst aufgewachsen in der Muskauer Heide, ist dies für die Autorin Maja Nagel zur persönlichen Angelegenheit geworden. Sie plant bereits zusammen mit ihrem Kollegen Julius Günzel eine Fortsetzung:

„Blaubeeren“
„Die Doku erzählt vom Blaubeersammeln in einer Gegend, die verschwinden wird oder größtenteils schon verschwunden ist. Es ist ein sehr friedlicher und ruhiger Film, eine Hommage an die Menschen und auch die Natur, die nach und nach verloren geht. Weil ich von dort komme und die Protagonisten persönlich kenne, kam mir die Idee dazu. Wir wollen die Dokumentation gerne fortführen und weiter beobachten, was vor Ort passiert. Ich würde am liebsten filmen, wie die Bagger stehen bleiben.“

Weitere Station während der einmonatigen Tournee werden unter anderen Brno / Brünn, Olomouc / Olmütz und Ostrava / Ostrau sein. Veranstalterin Anne Turek:

„In Tschechien haben wir noch sechs weitere Termine in der nächsten Woche und noch einen weiteren im slowakischen Bratislava. Wir möchten die Zusammenarbeit auf jeden Fall fortsetzen. Das Ganze läuft immer im Rahmen der Deutsch-Tschechischen Kulturtage in Dresden und Prag. Es ist ein großes binationales Festival, bei dem wir jedes Mal wieder neue Filme präsentieren können.“

Unterstützt wird das Gemeinschaftsprojekt vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds, iShorts, der Brück/Most-Stiftung und German Films.

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