Flüchtlingsquoten – ja oder nein? Prager Gymnasiast wird Zweiter bei „Jugend debattiert“

Foto: Kaspars Garda, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Jugend debattiert international

Auch bei „Jugend debattiert international“ ist die Flüchtlingskrise in diesem Jahr das große Thema gewesen. Beim Finale in Riga ging es um die Frage nach den heiß diskutierten Quoten. Dabei kam František Posolda aus Prag auf den zweiten Platz.

Foto: Kaspars Garda,  Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Jugend debattiert international
František Posolda geht auf das Erzbischöfliche Gymnasium im Prager Stadtteil Vinohrady. Zwölfte Klasse, anderthalb Jahre noch bis zum Abitur.

„Deutsch ist meine zweite Fremdsprache nach Englisch. Es ist jetzt wohl das siebte Jahr, dass ich Deutsch lerne“, sagt er.

Warum aber gerade Deutsch als Fremdsprache?

„Französisch oder Spanisch, diese beiden Sprachen sind hierzulande sehr populär. Ich denke aber, dass ich die Deutschkenntnisse in der Zukunft besser nutzen kann. Auch sehr wichtig waren für mich die Möglichkeiten, die die Schule anbietet: dass wir am Schüleraustausch teilnehmen können oder eben das Debattieren.“

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Zum Austausch war František Posolda zweimal in Deutschland: einmal in der Nähe von München, beim zweiten Mal in Bad Münstereifel südwestlich von Bonn.

Bei „Jugend debattiert“ musste sich der sympathische Gymnasiast durch mehrere Ausscheidungsrunden kämpfen: von der eigenen Schule bis ins Landesfinale. Die internationale Finalwoche wurde ab Mitte Oktober im lettischen Riga ausgetragen: 16 Jugendliche aus acht mittel- und osteuropäischen Ländern. Der Einzug in die Endrunde habe ihn überrascht, sagt František Posolda. Die Frage dort lautete: „Sollen alle Mitgliedsstaaten des Europarats jährlich eine Mindestzahl von Flüchtlingen aufnehmen?“. Vor 400 Zuhörern im Saal der lettischen Nationalbibliothek saßen sich dann je zwei Debattierende für Pro und für Contra gegenüber. Wer welche Seite vertreten sollte, war zuvor per Los entschieden worden.

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„Ich habe dabei die Contra-Seite vertreten. Sie ist bei diesem Thema immer ein bisschen kontroverser. Daher ist es wichtig, dass man sich die Contra-Argumente gut überlegt, weil viele Leute – zum Beispiel hier in Tschechien – die Tendenz haben, nicht so gut durchdachte Argumente zu diesem Thema vorzutragen.“

Konkret nannte František Posolda in der Diskussion drei Argumente. Erstens habe auch die Hilfsbereitschaft gewisse Grenzen…

„Zweitens: Wir können gar nicht wissen, wie viele Flüchtlinge in den nächsten Jahren kommen werden. Und deshalb können wir uns jetzt praktisch keinen Plan ausdenken, der auf jeden Fall funktionieren würde. Das ist ein sehr großes Problem. Deshalb sollten wir uns hauptsächlich darauf konzentrieren, die problematische Situation in den betroffenen Ländern zu lösen.“

František Posolda und Anna Ryan  (Foto: Kaspars Garda,  Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Jugend debattiert international)
Außerdem sei es wahrscheinlich, dass die Flüchtlinge auch bei einer Aufteilung nach Quoten versuchen würden, in ihre Wunsch-Länder zu gelangen.

Mit seinen Argumenten überzeugte František Posolda die Jury so weit, dass sie ihn auf den zweiten Platz hievte. Siegerin wurde Anna Ryan aus Ungarn, die im Übrigen die Pro-Seite vertreten hatte. Doch das Wichtigste ist laut den Veranstaltern nicht die Platzierung, sondern dass sich die Jugendlichen mit gesellschaftspolitischen Themen auseinandersetzen. Und das in einer Fremdsprache zu bewältigen, kann schließlich als wirkliche Leistung gelten. Aber Germanistik – das möchte František Posolda später trotzdem nicht studieren:

„Mein Ziel wäre, Medizin zu studieren. Und dann würde ich entweder normaler Arzt in einer Praxis werden wollen – oder Psychologe respektive Psychiater.“