Folter im böhmischen Dorf: Wiener Hörspielautor nimmt in Prag auf
Eberhard Petschinka lebt und arbeitet als Maler, Schriftsteller und Regisseur in Wien. Als Verfasser und Regisseur von Hörspielen wurde er mehrfach ausgezeichnet. Zwei seiner Hörspiele hat der Tschechische Rundfunk bislang in tschechischer Fassung aufgenommen, es sind die Stücke „Santo Subito“ und „Circus Maximus“. In diesen Tagen erfolgt die Aufnahme eines weiteren Werkes in Prag. Radio Prag hat den Autor getroffen am Rande der Studioarbeiten für das Hörspiel „Pepík Knedlík“, ins Deutsche übersetzt etwa „Peppi Knödel“.
„Ja, ich habe – ich glaube im Mai 2014 – mit Petr Mančal und Kateřina Rathouská ausgemacht, dass ich über ein Stück nachdenken will und werde, dass um diese Figur des Pepík Knedlík kreist. Er ist keine reale Figur, sondern nur ein Name, im Englischen würde man sagen ein Nickname, ein Spottname, eine Verballhornung der tschechischen Männer und des tschechischen Wesens überhaupt. Also ein bisschen dick, ein bisschen langsam, ein bisschen zu viel Bier und so weiter. Und ich habe diesen Ansatz, eine Figur wie diese zu schreiben, mit einem Plan verbunden, den ich schon lange habe: ein Stück über die Folterlager zu schreiben, die die amerikanische Regierung, im Speziellen die CIA in Polen, in Rumänien, im Sudan, in Ägypten, in vielen Ländern auf der Welt eingerichtet hat. Die Lager sind während der Regierung Bush stark kritisiert und beim Antritt von Obama sozusagen geschlossen worden. Oder es wurde uns mitgeteilt, dass sie geschlossen werden. Vielleicht auch nur erzählt wie in einem Märchen.“
Wie lässt sich ein Typ wie Pepík Knedlík mit dem brisanten Thema der Verhörlager verbinden?„Der Gedanke war, ein böhmisches Dorf darzustellen. Wenn man in Wien von einem böhmischen Dorf redet, dann redet man von einem Platz, wo man nicht genau versteht, was vor sich geht. Im Tschechischen gibt es auch so einen Ausdruck, habe ich jetzt gelernt, er heißt spanisches Dorf. Bei uns ist es jedenfalls ein böhmisches Dorf. Ich wollte ein Stück über ein böhmisches Dorf schreiben, in dem die Armee eines fremden Landes, in diesem Stück die karolingische Armee, in einem kleinen böhmischen Dorf ein Verhörlager bauen möchte.“
Sie haben jetzt die erste Leseprobe gehört. Wie sind Sie mit den Darstellern zufrieden, mit der Besetzung, und mit dem ganzen Stück, so wie es jetzt aussieht?„Ich denke, dass es sehr schön werden wird. Die Charaktere sind alle gut besetzt und man hat jetzt schon beim Lesen bemerkt, dass die Komödie doch durchhörbar ist. Ich freue mich sehr auf die weiteren Aufnahmen und im Speziellen, wie die Blasmusik klingen wird, für die wir uns als musikalischen Boden für das böhmische Dorf entschieden haben.“







