Fotografin Dagmar Hochová: Wahrheitssuche mit Schwarz-Weiß-Aufnahmen
Dagmar Hochová (1926–2012) war eine der wichtigsten Persönlichkeiten der humanistischen Fotografie Tschechiens. Ihre Schwarz-Weiß-Aufnahmen zeichnen eine große Spontanität aus.
Geboren am 10. März 1926 in Prag war Hochová schon als Kind fasziniert von den Menschen, Gesten und Geräuschen, die sie umgaben. Dieses Gespür für Details entwickelte sie später weiter, und zwar während ihres Studiums bei den bedeutenden tschechischen Fotografen Jaromír Funke und Josef Ehm. Von Anfang an lehnte Hochová es ab, beim Fotografieren eine künstliche Beleuchtung zu verwenden. Nur in natürlichen Licht lag für sie die Wahrheitstreue.
Am bekanntesten wurde die Pragerin durch ihre Fotografien von Kindern. Sie durchstreifte Vororte, Hinterhöfe und Spielplätze, um kindliches Vergnügen, Lachen und auch kleine Dramen einzufangen. Der Bildband „Deset, Dvacet, Třicet, Už jdu!“ (Zehn, Zwanzig, Dreißig, Ich komme!) wurde zu einem bekannten Zeugnis der Kindheit in der Tschechoslowakei der Nachkriegszeit.
Die gleiche Sensibilität widmete Hochová aber auch dem anderen Ende der Lebensskala. Alte Menschen, ehemalige Legionäre und die Bewohner von Seniorenheimen waren ihre Motive. Auch diese Fotos wirken nicht melancholisch, sondern zutiefst menschlich und oft humorvoll.
Die Fotografin war zudem Zeugin wichtiger historischer Ereignisse. Sie dokumentierte die Atmosphäre des Prager Frühlings 1968, der folgenden Jahre der Repression sowie die kollektive Begeisterung über die Samtene Revolution 1989. Und einen erheblichen Teil ihrer Arbeit machten Porträts aus. Hochová hatte Schriftsteller, Künstler und Intellektuelle vor der Linse, so etwa Josef Váchal, Bohuslav Reynek, Jaroslav Seifert oder Jan Patočka.
Des Weiteren brachte sie bemerkenswerte Aufnahmen von ihren Reisen in die Sowjetunion und nach Vietnam mit. In den 1960er Jahren war die Pragerin dort oft die einzige Frau mit einem Fotoapparat, der an sich noch eine Seltenheit darstellte. Dagmar Hochová stellte ihre Arbeiten sowohl im In- als auch im Ausland aus. Namhafte tschechische Institutionen haben Bilder von ihr in ihren Sammlungen. 1990 ging die Künstlerin außerdem kurz in die Politik und wurde Abgeordnete. Die Fotografie blieb jedoch das ganze Leben lang ihre eigentliche Sprache.














