Fünf Bücher zur Fernsehkrise kommen auf den tschechischen Markt

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Von Lothar Martin.

Es ist ruhiger geworden im Streit um das Tschechische Fernsehen (CT). Aber längst sind noch nicht alle Wogen geglättet. Nach dem Rücktritt von Generaldirektor Jiri Hodac ist zwar wieder Normalität in das Sendeprogramm eingezogen, doch nach wie vor befinden sich die Redakteure der öffentlich-rechtlichen TV-Anstalt im Streik, da die im Schlepptau mit Hodac´s kurzer Amtszeit inthronisierten leitenden Angestellten immer noch das Sagen haben. Die definitive Lösung soll neben dem neuen Fernsehgesetz erst die Wahl eines Übergangsintendanten bringen, die für den 9. Februar anberaumt ist.

Zeit genug, um in dieser etwas entkrampften, aber immer noch nicht überschaubaren Periode Vergangenes aufzuarbeiten und ein erstes Fazit zu ziehen. Dies jedenfalls dachten sich gleich sieben Autoren von fünf Publikationen zur Fernsehkrise, die dieser Tage auf dem tschechischen Büchermarkt erschienen sind bzw. erscheinen.

Am schnellsten zugeschlagen hat CT-Redakteur Libor Dvorak, dessen Buch "Das Tschechische Fernsehen - eine öffentliche Angelegenheit oder Aufzeichnungen eines Terroristen" bereits seit vergangenem Freitag zu haben ist. Oder besser gesagt: zu haben war, denn in vielen Buchgeschäften war es binnen weniger Stunden sofort vergriffen. Auf 130 Seiten stellt Dvorak, der ehemalige Russland-Korrespondent des Fernsehsenders, in zehn Porträts die mutmaßlichen "Anführer" der Palastrevolution und deren Ansichten vor. Die aufgezeichneten Gespräche werden ergänzt durch Ausschnitte aus der internationalen Presse, Zeitdokumente, Fotografien und persönliche Briefe.

Darf man bei Dvorak davon ausgehen, dass er sein Werk aus der Position der rebellierenden Fernsehleute verfasst hat, so machen die Redakteure der Internet-Tageszeitung "Britske listy" Jan Culik und Tomas Pecina keinen Hehl daraus, die Fernsehkrise in ihrem Buch genau aus der entgegengesetzten Blickrichtung interpretieren zu wollen. Auf den rund 350 Seiten des noch titellosen Werks befassen sie sich nicht nur mit der Krise selbst, sondern wollen - laut Aussage Culiks´s - auch über die Hintergründe informieren, die zu dieser geführt haben.

Diesen Anspruch erheben auch die Autoren Marek Wollner und Jiri Potuznik in ihrer Niederschrift, die den Arbeitstitel "Kavkarna" trägt. Beide sind Reporter der CT-Nachrichtenredaktion und wollten sich von vornherein nur einer tiefgründigen und zusammenhängenden Berichterstattung über die Ereignisse im Sender stellen. Deshalb kam ihnen - so Wollner gegenüber Radio Prag - das entsprechende Angebot des Mlada-fronta-Verlages gerade recht. Zum Inhalt des Buches sagte uns Marek Wollner: "Die Absicht des Buches ist es, in eine etwas tiefgründigere Betrachtung der Ereignisse zu gelangen. Es ist in Form eines Tagebuches geschrieben, bei dem wir uns bemüht haben, die tagtäglichen Geschehnisse festzuhalten und zu erklären. Aber darüber hinaus war es notwendig, einige dieser Ereignisse in einem tieferen Zusammenhang zu erklären, da deren Wurzeln in der Vergangenheit zu suchen sind. Wir mussten bestimmte Dinge bis zu einem halben Jahr zurück verfolgen, zum Beispiel wie Herr Hodac beim Sender angefangen hat und in welcher Art und Weise er sich schon damals aufgeführt hat. Und dies betraf eine Reihe weiterer Angelegenheiten, die die gesamte Situation, wie sie Ende Dezember entstanden ist, beeinflusst haben."

Die Autoren wissen, dass ihnen der Erst-Herausgeber ein wenig die Schau gestohlen hat, hoffen aber, dass auch ihr Buch den Weg zum interessierten Leser findet. Gleiches hoffen Zdenek Pokorny, der Autor des Buches "Revolution oder Verschwörung", und Katerina Kasparova, die ihre Publikation unter dem Titel "Die Wahrheit kommt aus dem CT" veröffentlichen wird. Der tschechische Bürger, den die Krise direkt betroffen hat, wird jedenfalls genügend Stoff zum Lesen haben.