Fünf-Jahres-Strategie: ČSA will Verluste ausgleichen / Wirtschaftswachstum geht zurück

Die tschechische Fluggesellschaft ČSA hat ehrgeizige Pläne. Nach Jahren der Verschuldung will sie nun wieder Jahr für Jahr dicke Gewinne machen. Vielleicht aber auch deshalb, weil ihr Mehrheitseigner, der tschechische Staat, für die „zu verkaufende Braut“ eine reiche Mitgift haben will. Denn er bereitet ihre Privatisierung vor.

Vor gut drei Monaten haben wir Sie darüber informiert, dass es der tschechischen Fluggesellschaft ČSA gelungen ist, erstmals seit drei Jahren wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Grundlage für diese Trendwende war ein dreijähriges, strammes Sparprogramm, mit dem eine weitere Verschuldung des staatlichen Unternehmens erst einmal gestoppt wurde. Neulich haben die Manager der Fluggesellschaft ihr neues, fünfjähriges Strategiepapier vorgestellt, auf dessen Grundlage ČSA nun wieder in die Gewinnzone fliegen soll. Dazu sagte der Präsident und Vorstandsvorsitzende von ČSA, Radomír Lašák:

„Das Wirtschaftsgebaren von ČSA von 1991 bis heute gleicht einer Sinuskurve. Deshalb ist es unser Ziel, bis zum Jahr 2013 einen dauerhaften Gewinn zu erzielen, mit dem wir alle unsere in der Vergangenheit angehäuften Verluste kompensieren können.“

Dieser Gewinn soll im Jahr 2013 eine Milliarde Kronen (ca. 40 Millionen Euro) betragen. Das Potenzial dazu habe ČSA ohne Zweifel. Es genüge, einen Blick auf die Entwicklung der Linienflüge zu werfen, erklärte der ökonomische Direktor, ČSA-Vizepräsident Luboš Černý, und ergänzte:

„Es sind die Einnahmen aus den Linienflügen, die uns primär am Leben halten. Sie bilden das eindeutig größte Potenzial unserer Firma und stellen auch die größten Posten sowohl bei den Erträgen als auch bei den Kosten dar. Wie unserer Jahresbilanz 2007 zu entnehmen ist, sind allein die Erträge im letzten Jahr um eine Milliarde Kronen nach oben geklettert.“

Mit den Einnahmen steigen jedoch auch immer wieder die Ausgaben. Schon deshalb, weil gerade eine Fluggesellschaft buchstäblich nicht im luftleeren Raum verkehrt. Einer dieser Kostenfaktoren, der auch ČSA zu schaffen macht, sind die enorm gestiegenen Treibstoffpreise. Der sich ständig erhöhende Rohölpreis hat sich schon in den ersten vier Monaten dieses Jahres bemerkbar gemacht: „Meiner Einschätzung nach haben wir in diesem Zeitraum für Treibstoff rund 100 Millionen Kronen mehr ausgegeben als im Vorjahr“, sagte Černý.

In den ersten vier Monaten hat ČSA auf seinen Linienflügen aber ebenso mehr Fluggäste befördert. Insgesamt waren es 1,38 Millionen Passagiere; das sind zwei Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Bei den Charterflügen betrug der Zuwachs sogar satte elf Prozent. Kein Wunder also, dass Luboš Černy noch einmal bekräftigt:

„Die Charterflüge sind gegenwärtig bestimmt der leistungsstärkste Bereich von ČSA. In den ersten vier Monaten dieses Jahres haben wir mit ihnen um 30 Prozent höhere Erträge erwirtschaftet als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das ist tatsächlich ein Bereich, in dem wir unsere Kapazitäten sehr gut ausnutzen.“

Die Erweiterung dieser Kapazitäten, sprich: der Kauf neuer und größerer Flugzeuge, sind auch ein wesentlicher Bestanteil der jüngst vorgestellten Fünf-Jahres-Strategie, die Radomír Lašák vor Journalisten so erklärte:

„Das Hauptaugenmerk unserer Strategie legen wir auf sehr massive Eingriffe in die inneren Strukturen unserer Firma. Das drückt sich darin aus, dass wir unsere Kosten weiter senken und die Leistungsfähigkeit des Unternehmens gleichzeitig erhöhen wollen. Und natürlich wollen wir den Besitzstand des Unternehmens mehren. Wir investieren jedes Jahr 1,8 Milliarden Kronen in den Kauf neuer Flugzeuge.“

Konkret in Zahlen ausgedrückt will die Fluggesellschaft ČSA innerhalb der nächsten viereinhalb Jahre ihre Gewinnmarge von 0,4 Prozent auf 4,0 Prozent erhöhen. Der Flugzeugbestand soll von 50 Maschinen auf 55 Maschinen aufgestockt werden, wobei mehrere kleinere Flugzeuge durch größere und modernere ersetzt werden. So wie heute sollen auch noch Ende des Jahre 2013 rund 4700 Arbeitnehmer im Unternehmen beschäftigt werden, allerdings mit einer etwas verschobenen Zusammensetzung. Für das mit der Erweiterung des Flugzeugparks benötigte Flugpersonal sollen Bedienstete in der Verwaltung eingespart werden.

Das ist eine sehr ehrgeizige Strategie, die allerdings nicht unbedingt von langer Dauer sein muss. Die Fluggesellschaft steht nämlich vor ihrer Privatisierung. ČSA ist bisher zu mehr als 90 Prozent ein staatliches Unternehmen. Die tschechische Regierung aber will ČSA jetzt, wo die Firma in ihren Grundzügen saniert ist, für gutes Geld verkaufen. Der aus der Privatisierung erwartete Ertrag wird auf fünf Milliarden Kronen (ca. 200 Millionen Euro) geschätzt. Der neue Firmeneigner soll bis Mitte kommenden Jahres feststehen. Und genau aus diesem Grund trat ČSA-Präsident Lašák auch allen Spekulationen entgegen, die schon davon sprachen, dass dieser Besitzer die russische Aeroflot sein könnte:

„Diese Gerüchte sind verfrüht. Ich bin der Meinung, solange im Ausschreibungsverfahren noch keine offizielle Aufforderung zur Bewerbung ausgesprochen ist und ebenso wenig auch bisher kein ernsthaftes Angebot vorliegt, sind alle Spekulationen über einen potenziellen Interessenten wirklich nur reine Spekulation. Richtig ist, dass bisher nur Aeroflot offen gesagt hat, dass man sich für das Ausschreibungsverfahren melden wolle. Diese Äußerung ist jedoch nicht verbindlich.“

Ups and downs in der tschechischen Wirtschaft

Erstmals seit drei Jahren ist das Wachstum der tschechischen Wirtschaft wieder auf unter sechs Prozent gesunken. Zum Ende des ersten Quartals dieses Jahres lag es bei 5,3 Prozent, hat das Statistikamt in Prag am Dienstag bekannt gegeben. Im ersten Quartal des Vorjahres hatte es noch bei 6,3 Prozent gelegen. Der Chefökonom der Postsparkasse, Jan Bureš, kennt die Gründe:

„Das Tempo des Wirtschaftswachstums in Tschechien hat sich etwas verlangsamt. Der Tritt auf die Bremse war jedoch stärker als erwartet. Hinter diesem Abwärtstrend liegen meiner Meinung nach zwei Faktoren. Zum ersten ist das der relativ geringe Anstieg beim Verbrauch der Haushalte. Im Konsumverhalten der Bürger schlägt sich die hohe Inflation nieder. Und der zweite Faktor ist der ebenso kleiner gewordene Zuwachs im Außenhandel.“

Nach Meinung von Jan Bureš wird dieser Trend weiter anhalten, und zwar noch bis in den Herbst hinein. Dann aber sieht Bureš wieder einen kräftigen Schub voraus:

„Ich denke, auch im zweiten und dritten Quartal werden wir ein schwächeres Wirtschaftswachstum haben, vor allem weil der Außenhandel etwas schwächer als sonst sein wird. Zum Jahresende aber sollte unsere Wirtschaft wieder zulegen. Dafür sollten insbesondere die Exportkraft von Škoda Auto und zu Beginn des nächsten Jahres der Produktionsbeginn bei Hyundai sorgen. Meiner Meinung nach wird das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 4,7 Prozent zunehmen.“