Fußballschule-Chef Prell: Bieten jungen Talenten ein Extrabonbon in ihrer Entwicklung

Gerald Prell (Foto: Ondřej Staněk)

Unter den 7500 Projekten, die vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds bisher gefördert wurden, hat besonders die Deutsch-Tschechische Fußballschule viel von sich reden gemacht. Sie entstand im Sommer 2002 und ist in den zurückliegenden elf Jahren von einem zarten Pflänzchen zu einem kräftigen Baum herangewachsen. Wenn wir im Bild bleiben wollen, sind die jungen Fußballer sozusagen die Triebe dieses Baumes – sie kommen mittlerweile aus ganz Europa. Über diese Entwicklung hat Lothar Martin mit dem Projektleiter und Cheforganisator der Fußballschule, Gerald Prell, gesprochen. Zudem porträtiert er einen der Nachwuchsspieler.

Gerald Prell (Foto: Ondřej Staněk)
Radio Prag hat das Projekt der Deutsch-Tschechische Fußballschule von Anfang an begleitet und daher auch schon mehrfach davon berichtet. Die Idee zu diesem Projekt wurde im Jahr 2001 in einer Berliner Kneipe geboren. Damals, so Gerald Prell, sei auch die Bundestagsabgeordnete Petra Ernstberger zugegen gewesen, und man habe gemeinsam überlegt, was man denn tun könne, um Deutsche und Tschechen näher zusammenzubringen. Dabei sei man sehr schnell auf den Fußball gekommen, weil er eine ideale Möglichkeit biete, Völker zu verbinden, und weil diese Sportart zudem in Tschechien und Deutschland sehr populär sei, so Prell. Aber wie wurde diese Idee dann in die Tat umgesetzt? Gerald Prell erläutert das im Interview.

Was war eigentlich erforderlich, um junge Deutsche und Tschechen zu bewegen, miteinander Fußball zu spielen? Welche Voraussetzungen mussten zunächst erfüllt werden?

„Am Anfang war es natürlich ganz schwer, denn man musste erst einmal überlegen, wie bringt man so ein Projekt überhaupt auf die Bahn. Am Anfang gab es viele Leute, die die Idee belächelt haben. Sie haben sie als unrealistische Wahnsinnsidee abgetan, und nicht wenige von ihnen haben dem Projekt eine Dauer von maximal ein oder zwei Monaten gegeben. Heute gibt es uns schon elf Jahre, und einer der Gründe, warum das so ist, ist in der Tat der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds. Er hat unsere Idee von Anfang an unterstützt. Wir haben dann Schritt für Schritt dieses Projekt aufgebaut. Zuerst haben wir eine Mannschaft in Deutschland und eine Mannschaft in Tschechien gefunden, die bereit waren, sich auf dieses Projekt einzulassen. Diese beiden Schülermannschaften – es waren Kinder von 10 bis 11 Jahren – haben sich dann regelmäßig getroffen, um gemeinsam Fußball zu spielen, gemeinsam die jeweilige Sprache des Anderen zu lernen, und schließlich auch gemeinsam zu Spielen und Turnieren zu fahren, wo sie als gemischte Mannschaft angetreten sind. Das Projekt hat eine sehr gute Nachfrage, es hat sich dadurch immer mehr erweitert, so dass wir noch mehr Mannschaften hinzubekommen haben. Dann waren es Mannschaften aus Oberfranken und aus Westböhmen, die zusammengearbeitet haben. Heute, nach elf Jahren sind wir soweit, dass wir Mannschaften aus ganz Tschechien und aus Bayern haben, die an diesem Projekt mitmachen. In Tschechien sind es Mannschaften aus kleinen Ortschaften genauso wie die großen Clubs Viktoria Pilsen, FC Hradec Králové, Sparta Prag oder Zbrojovka Brünn. All diese Mannschaften arbeiten bei uns mittlerweile mit, schicken ihre Spieler zu Aktionen, und es freut uns natürlich, dass die Nachfrage so groß ist. Sie reicht sogar über beide Länder hinaus. Wir haben zum Beispiel auch slowakische Spieler, Spieler aus dem Baltikum, aus Portugal, die bei unseren Aktionen mit dabei sind.“

Františkovy Lázně (Foto: CzechTourism)
Es ist bekannt, dass die beiden Mannschaften, mit denen sie angefangen haben, aus Hof und aus Františkovy Lázně / Franzensbad kamen. Damit diese jungen Spieler neben dem gemeinsamen Training und den Treffen des gegenseitigen Kennenlernens quasi noch ein Extrabonbon bekommen, haben Sie damals im Jahr 2004 auch ein großes internationales Fußballturnier ins Leben gerufen, das in beiden Städten ausgetragen wurde. Wie ist dieses Turnier angenommen worden? Welche Bedeutung hat es heute?

„Es stimmt, dieses Turnier haben wir gegründet und entwickelt, auch wenn ich heute sagen muss, dass aller Anfang ziemlich schwer war. Wir hatten schließlich keine Vorlage, an der man sich orientieren konnte. Wir mussten also alles selbst erfahren. Als wir aber gesehen haben, dass Turniere für unsere Teams aus Hof und Franzensbad sehr motivierend sind, haben wir uns entschlossen, ein eigenes Turnier auf die Beine zu stellen. Es fand zum Tag der großen EU-Erweiterung am 1. Mai 2004 statt, daher haben wir nicht nur Mannschaften aus Deutschland und Tschechien, sondern auch aus den weiteren neun Beitrittsstaaten neben Tschechien eingeladen. Es nahmen damals 12 Mannschaften aus elf Nationen teil. Aus diesem Turnier haben wir dann eine jährliche Tradition gemacht, und zwar immer für den Jahrgang der Elfjährigen in der Deutsch-Tschechischen Fußballschule, der sich somit mit großen Mannschaften Europas messen konnte. Damals waren es die größten Mannschaften Osteuropas, heute kann man davon sprechen, dass sich in der Tat die größten Jugendakademien Europas bei diesem Turnier treffen. Aus England kommt beispielsweise Manchester United, aus den Niederlanden Ajax Amsterdam oder aus Portugal der FC Porto. In diesem Jahr hatten wir erstmals sogar eine Mannschaft aus Japan dabei, so dass man zu Recht sagen kann: Dieses Turnier, das damals ganz klein begann, ist mittlerweile zum festen Termin im europäischen, ja zum Teil vielleicht auch schon asiatischen Turnierkalender geworden.“

Präsentation des Projekts über die Deutsch-Tschechischen Fußballschule (Foto: Ondřej Staněk)
Sie sagen, jetzt nehmen viele Mannschaften Anteil daran, quasi unter dem Dach der Deutsch-Tschechischen Fußballschule zu spielen. Wie funktioniert das? Wie läuft das Ganze organisatorisch ab?

„Organisatorisch hat sich natürlich die Situation durch die hohe Nachfrage weiter kompliziert. Eigentlich ist es jetzt gar nicht mehr möglich, regelmäßig Trainings anzubieten, zu denen Kinder aus allen Städten kommen. Denn wir haben Kinder aus Regensburg ebenso wie Kinder aus Hradec Králové oder Prag, und natürlich kann man für diese Kinder nicht ein zentrales Training anbieten, das wäre vom Aufwand viel zu viel. Wir organisieren jetzt verschiedene Events und Camps, zu denen wir dann die Kinder aus den verschiedenen Vereinen einladen. Sie treffen sich dort wie bei einem Blind Date und absolvieren dann ein Wochenende gemeinsam. Das Gute ist, dass die Nachfrage so groß ist, dass wir gar nicht alle einladen können, die mitmachen würden. Aber so stellen wir immer wieder verschiedene Mannschaften, die völlig uneingespielt miteinander kicken, sich aber trotzdem bei diesen Turnieren mit großen Mannschaften messen müssen. Doch es funktioniert sehr gut, wir sind mit dem Erfolg zufrieden. Das Prinzip bleibt dabei immer das Gleiche: Kinder aus verschiedenen Nationen treffen sich gemeinsam als Mannschaft und absolvieren vor Ort ein Turnier. Manchmal geht es sportlich gut aus und man kann einige Siege feiern, manchmal gibt es aber auch Niederlagen zu verkraften. Aber das ist Sport, und genau diese gemeinsame Erfahrung wollen wir den Kindern vermitteln.“

Die Fußballschule gibt es schon elf Jahre. Diejenigen, die damals bei ihnen angefangen haben, sind jetzt so 21, 22 Jahre. Konnten Sie deren Werdegang weiterverfolgen oder können Sie vielleicht auch einige Namen nennen, auf die man stolz ist, weil sie jetzt bei großen Clubs spielen?

„Nun, in jedem Jahrgang haben es ein bis zwei Spieler geschafft, heute bei einem Erstligisten zu spielen, zumindest in der Nachwuchsabteilung. Wir haben sowohl bei Viktoria Pilsen in Tschechien Spieler, die es von einem ganz kleinen Verein bis dorthin geschafft haben, genauso wie in Deutschland. Der wohl bekannteste Spieler in Deutschland, der aus unseren Reihen kam, ist dabei Rico Preißinger, der aktuelle Kapitän der B-Jugend beim 1. FC Nürnberg und deutscher Junioren-Nationalspieler. Er kommt aus einer ganz kleinen Ortschaft in der Nähe von Hof. Wir sind natürlich froh und auch ein bisschen stolz darauf, dass er es über die Deutsch-Tschechische Fußballschule und deren Prinzip, viele internationale Erfahrungen sammeln zu können, geschafft hat, heute auf einem solch hohen Niveau zu spielen. Und wir hoffen natürlich, dass noch viele weitere Spieler nachkommen.“


Talent Krátký: Ich eifere meinem Vorbild Pavel Nedvěd nach

Kryštof Krátký (Foto: Ondřej Staněk)
Eines der derzeit hoffnungsvollsten Talente, das in einer Mannschaft der Deutsch-Tschechischen Fußballschule – dem heutigen Team Europa – schon mehrfach mitgespielt hat, ist Kryštof Krátký. Der zehnjährige Nachwuchskicker kommt aus der westböhmischen Kleinstadt Rokycany und spielt sonst bei Pilsen. Gerald Prell sagt über ihn:

„Kryštof ist das Kind im Jahrgang 2002, das die meisten Aktionen bei uns akzeptiert hat. Er ist weiterhin Spieler bei Viktoria Pilsen, darf aber einige internationale Turniere auch bei uns spielen. Das ist eben das neue Prinzip der Deutsch-Tschechischen Fußballschule: Die Kinder bleiben bei ihren Vereinen und spielen dort weiter, wir bieten ihnen aber dazu ein internationales oder europäisches Extra an. Das wird von den Vereinen auch sehr gern angenommen, denn so hat man die Möglichkeit, die Kinder zu motivieren, ihnen einen Event oder ein Turnier anzubieten, das über den normalen regionalen Spielbetrieb hinausgeht. Das wird wirklich sehr gut nachfragt.“

Der aufgeweckte Bursche lässt ohne Berührungsängste auch sofort wissen, wie er unter das Dach der Deutsch-Tschechischen Fußballschule gekommen ist:

„Ich nahm mit meinem Verein Pilsen an einem Turnier in der Nähe von Cheb teil. Zwei Tage später rief uns Herr Prell an und fragte, ob ich und einige meiner Mitspieler nicht für die Deutsch-Tschechische Fußballschule bei einem Turnier in Nürnberg spielen wollen.“

Für Kryštof gab es da nicht viel zu überlegen:

„Ich habe mir gesagt, da dürften auch große Clubs dabei sein. Zudem wollte ich einfach mal probieren, für die Deutsch-Tschechische Fußballschule zu spielen.“

Und wie das klappte! Obwohl die Mannschaft der Fußballschule erst kurz vor dem Turnier zusammengestellt wurde, spielte sie sehr erfolgreich. Auch die Jungs des ruhmreichen Clubs Manchester United wurden geschlagen, sagt Kryštof. „4:0 habe man gewonnen und einfach toll gespielt. Bis heute könne er es nicht so recht begreifen, wie das möglich war“, so Kryštof. Aber vielleicht hat er sich diese Antwort inzwischen auch selbst gegeben, schließlich weiß er auch am besten, warum er unbedingt mit jungen Deutschen in einem Team stehen wollte:

Pavel Nedvěd
„Der deutsche Stil ist ein ganz anderer als der tschechische. Die Deutschen spielen immer volle Pulle, dagegen haben die Tschechen nicht viel zu bieten.“

Dennoch hat sich Kryštof zunächst das Ziel gesetzt, als Erwachsener in einer Mannschaft der ersten tschechischen Liga zu spielen. Natürlich am liebsten im Club des aktuellen Meisters Viktoria Pilsen, denn da hat schließlich auch sein großes Vorbild gespielt:

„Es ist Pavel Nedvěd, nicht von ungefähr lasse ich mir bereits auch die Haare so wachsen wie er“, erwidert der kleine Blondschopf verschmitzt.

Vielleicht wird mit Kryštof Krátký auch bald Tschechien einen Jugend-Nationalspieler haben, der seine ersten internationalen Erfahrungen im Trikot der Deutsch-Tschechischen Fußballschule gesammelt hat.

Autor: Lothar Martin
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