Gefährdete Vogelbeerenbäume in Tschechien: Forscher züchten sie im Labor

Jana Hanzal Šedivá

Tschechische Naturforscher retten gefährdete Vogelbeerenbaumsorten, indem sie die Bäume im Labor vermehren.

Foto: Jana Hanzal Šedivá,  VÚK

Vor allem im September kann man in der Natur die roten oder orangefarbenen Früchte der Vogelbeerenbäume bewundern. Einige Arten der Ebereschen, wie die Vogelbeerenbäume auch genannt werden, gehören jedoch zu den meist gefährdeten Bäumen in Tschechien. Die Experten vom Landschaftsforschungsinstitut (VÚK) im mittelböhmischen Průhonice haben eine Möglichkeit entwickelt, diese Art zu retten. Im Labor werden sie mit einer speziellen Methode vermehrt – aus einem ganz kleinen Stück der Pflanze werden Hunderte von künftigen neuen Bäumen gezüchtet.

Jana Hanzal Šedivá | Foto: VÚK

Jana Hanzal Šedivá leitet im Institut die Abteilung für Pflanzenbiotechnologie. Im Labor entnimmt sie einem Behälter einige Baumtriebe, legt sie auf Filterpapier und trennt die einzelnen Triebe voneinander. Diese werden zurück in den Nährboden gesteckt und weiter vermehrt. In dem Raum, der für die Kultivierung bestimmt ist, zeigt Jana Hanzal Šedivá auf einen der zahlreichen Behälter mit Pflanzen:

Vogelbeere | Illustrationsfoto: Shutterstock

„Hier ist ein 14 Tage alter Vogelbeerenbaum zu sehen. Dieser ist aus einem kleinen Trieb entstanden. Die Pflanzen wachsen hier in einer hohen Luftfeuchtigkeit, und es gibt viel Licht. Das sind ideale Bedingungen für ihre Vermehrung.“

Foto: Jana Hanzal Šedivá,  VÚK

Eine wichtige Phase stelle die Bewurzelung von Jungpflanzen dar, fährt Hanzal Šedivá fort. Den Forschern gelang es, diese aus der sterilen Mikrowelt eines Glaskolbens in ein Substrat aus Torf und Perlit umzupflanzen. Die Expertin dazu:

Foto: Jana Hanzal Šedivá,  VÚK

„In einem Glaskolben herrscht eine hohe Luftfeuchtigkeit ohne Mikroorganismen. Die Jungpflanzen sind darum etwas verwöhnt. Wir müssen sie an die Normalbedingungen der Natur anpassen.“

Die Forscher sind in der Lage, Hunderte von neuen Pflanzen heranzuziehen. Am Anfang hatten sie jedoch nur eine geringe Menge an Pflanzenteilen zur Verfügung.

„Im Frühjahr holen wir Triebe aus der Natur. Es ist eine schonende Methode, denn uns reichen ein paar kleine Triebe oder Knospen, um Ableger in vitro zu züchten.“

Jana Hanzal Šedivá | Foto:  VÚK

In Tschechien wachsen 21 ursprüngliche Vogelbeerenbaumsorten. Der Großteil davon sei gefährdet oder komme nur sehr selten vor, sagt Jiří Velebil. Er arbeitet ebenfalls im Lanschaftsforschungsinstitut:

„Sie sind vor allem durch die Zerteilung ihres Territoriums und die Überwucherung des Gebiets mit Sträuchern bedroht. Im Schatten sind sie unfähig zu gedeihen. Zudem werden sie von übermehrtem Wild bedroht, das die Vogelbeerenbäume ausgräbt und frisst.“

Foto: Jana Hanzal Šedivá,  VÚK

In der Natur vermehren sich die Vogelbeerenbäume darum schlecht, wie Velebil anmerkt:

„Sie benötigen die Bestäubung durch einen anderen Vogelbeerenbaum, um Samen zu produzieren. Da sie in geschlossenen Beständen isoliert bleiben, übertragen sich die Pollen nur schwer.“

Die Vermehrung von Ebereschen im Labor hat darum eine große Bedeutung. Ein Teil der Pflanzen wird im Forschungsinstitut in einer Genbank aufbewahrt. Die Forscher pflanzen die im Labor gezüchteten Jungbäume wieder in der Natur aus – beispielsweise im dendrologischen Garten in Průhonice.

Autoren: Martina Schneibergová , Tereza Janouškovcová | Quelle: Český rozhlas
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