„Gemeinsam Zukunft zu planen, ist ein großes Geschenk“ – Chefdirigent Jakub Hrůša

Jakub Hrůša

Der designierte Musikdirektor des Royal Opera House in London und derzeitige Chefdirigent der Bamberger Symphoniker, Jakub Hrůša, übernimmt im Herbst 2028 den Taktstock bei der Tschechischen Philharmonie. Am Montag unterzeichnete er den Vertrag mit dem Orchester.

Herr Hrůša, zuerst Gratulation zu Unterzeichnung des Vertrags mit der Tschechischen Philharmonie. Sie haben zuvor erwähnt, dass Sie schon vor 20 Jahren zum ersten Mal mit den Philharmonikern zusammengearbeitet haben. Wie sah die Zusammenarbeit ganz am Anfang aus?

Dirigent Jakub Hrůša | Foto: Tschechische Philharmonie

„Das war 2004, ich war Ersatzdirigent. Damals war ich 23 Jahre alt, und es war ein sehr anspruchsvolles Programm, an dem wir zusammenarbeiteten. Dieses ist gelungen, und das war der Beginn unserer Zusammenarbeit, die jetzt 20 Jahre dauert. Wie soll ich sie beschreiben? Am Anfang gab es immer ein Gefühl von Respekt füreinander. Aber während der Zeit haben wir immer mehr gespürt, dass wir uns einander menschlich annähern. Und heutzutage ist das Menschliche – und auch das Menschliche, das sich in der Kunst zeigt – etwas, das man als Inspiration beschreiben könnte, die immer schöner wird. Jetzt stehen wir, beide Seiten, an einer Kreuzung und haben diese fantastische Möglichkeit, eine gemeinsame Zukunft zu planen. Und das empfinde ich als ein großes Geschenk.“

Sie haben die Philharmonie oft dirigiert und nennen das Orchester eine Inspirationsquelle. Was ist das Besondere an der Tschechischen Philharmonie, wenn Sie sie mit anderen renommierten Orchestern vergleichen?

„Es gibt mehrere Dinge. Zum Beispiel mit einem Verhältnis, das total Sinn macht, bin ich gerade unbegrenzt glücklich mit den Bamberger Symphonikern. Die Hauptsache ist, dass das Künstlerisch-Menschliche einfach fantastisch funktioniert. Das Zusätzliche hier bei der Philharmonie ist natürlich die gemeinsame Sprache. Dabei meine ich nicht nur das Tschechische, sondern auch die kulturelle Sprache – die Herkunft, die kulturelle Umgebung, die Traditionen, das Repertoire und so weiter. Dies verbindet uns zutiefst. Und wenn es in Verbindung mit der Qualität wirkt, dann haben wir gute Voraussetzungen, die besten Ziele in Musik und Kunst und auch im Marketing für die Leute zu erfüllen, die uns zuhören oder zuschauen. Damit können wir sie inspirieren.“

Jakub Hrůša | Foto: Tschechische Philharmonie

Die Berliner Philharmoniker sowie beispielsweise die Wiener Philharmoniker wollen auch nicht auf Sie verzichten. Mindestens einmal im Jahr sollten Sie diese Orchester dirigieren. Hinzu kommt Ihre Verpflichtung als Musikdirektor in London. Wie können Sie das alles im Einklang bringen?

„Natürlich wird dies heißen, meine Gastdirigate woanders ein bisschen zu limitieren und meine Energie wirklich auf diese zwei Institutionen zu konzentrieren: die Oper in London und die Konzerte in Prag. Und natürlich auf das Reisen, weil die Tschechische Philharmonie viel unterwegs ist. Sollte dem auch in der Zukunft so sein,  dann bleiben nicht viele Möglichkeiten für Gastdirigate. Dann muss ich sehr gut auswählen. Natürlich gibt es immer noch die Berliner Philharmoniker, die Wiener Philharmoniker, das Royal Concertgebouw Orchestra oder NHK in Tokio. Dort will und werde ich regelmäßig sein.“