Dirigent Zdeněk Mácal feiert 85. Geburtstag

Zdeněk Mácal

Vor wenigen Tagen hat einer der führenden tschechischen Dirigenten der Gegenwart, Zdeněk Mácal, seinen 85. Geburtstag gefeiert. Der Musiker hat sich zuerst im Ausland einen Namen gemacht, bevor er auch in seiner Heimat anerkannt wurde. Das hatte rein politische Gründe.

Zdeněk Mácal  (Foto: Tschechisches Fernsehen)

„Prager Frühling“ heißt eines der wichtigsten Musikfestivals in der tschechischen Hauptstadt. Gleichzeitig wird damit aber auch die Reformbewegung bezeichnet, die im Frühjahr 1968 in der ČSSR um einen demokratischen Sozialismus mit „menschlichem Antlitz“ kämpfte. Doch die sowjetischen Panzer überrollten diese Hoffnung auf ein besseres Leben, und mehrere Hunderttausend Menschen emigrierten aus der damaligen Tschechoslowakei in den Westen. Auch Zdeněk Mácal entschloss sich für den Gang ins Exil. Der gebürtige Brünner konnte damals schon auf einige bedeutende Erfolge zurückblicken. 1965 gewann er den Dirigierwettbewerb von Besançon, und ein Jahr später kam er bei der Dimitri Mitropoulos International Music Competition in New York auf den dritten Platz. Ab 1967 leitete er dann als Chefdirigent das Prager Symphonieorchester FOK.

Kurz nach der Emigration fand Mácal seine erste Anstellung in der Fremde, und zwar übernahm er die musikalische Leitung des WDR-Sinfonieorchesters in Köln. Später setzte er seine Karriere auch in Übersee fort. Für die höchste Stufe auf seiner Karriereleiter hält Mácal selbst seine Posten als Chefdirigent des Sydney Symphony Orchestra sowie als musikalischer Direktor des Milwaukee Symphony Orchestra und des New Jersey Symphony Orchestra. Der Maestro gastierte auch regelmäßig bei der New York Philharmonic, dem Chicago Symphony Orchestra, der Pittsburgh Symphony, dem Boston Symphony Orchestra, und in Europa dirigierte er unter anderem die Berliner Philharmonie und die Wiener Symphoniker. In seiner Heimat blieb er allerdings fast unbekannt, da Erfolge von Emigranten vom kommunistischen Regime regelmäßig verschwiegen wurden.

Zdeněk Mácal  (Foto: Tschechisches Fernsehen)

Erst von 2003 bis September 2007 war Zdeněk Mácal Chefdirigent der renommierten Tschechischen Philharmonie. Nach Konflikten mit Orchestermitgliedern gab er diesen Posten jedoch vorzeitig auf. Über die Tschechische Philharmonie äußert er sich in der Öffentlichkeit dennoch immer nur positiv. Nach seinen Aussagen ist sie ein Spitzenorchester, an dessen Interpretation von Antonín Dvořák kein anderes Ensemble heranreicht. Eben mit der Musik von Dvořák, Janáček und Brahms hat Mácal seine größten Erfolge gefeiert.

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