Václav Neumann zum 100. Geburtstag

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Die etwas beschwingtere "Humoresque No. 7" von Antonín Dvořák verweist in der Darbietung der Tschechischen Philharmonie aus dem Jahr 1983 auf unserem heutigen Jubilar: den Dirigenten Václav Neumann. Am 29. September wäre er 100 Jahre alt geworden. Wir blicken zurück auf sein bewegtes Leben, das uns durch die bedeutendsten historischen Stationen des 20. Jahrhunderts führt.

Václav Neumann (Foto: Tschechisches Fernsehen)

Václav Neumann wuchs im Prager Stadtteil Smíchov auf. Mit zehn Jahren begann er, Geige zu spielen. Während seines Studiums am Konservatorium wechselte er zur Bratsche und war 1945 Mitbegründer des Smetana-Quartetts. Seine Premiere als Dirigent der Tschechischen Philharmonie hatte er am 7. März 1948 beim Konzert zu Ehren von Präsident Edvard Beneš, der nach dem Februarumsturz seine schweren letzten Monate im Amt ausübte.

Tschechische Philharmonie mit Václav Neumann in Japan 1982 (Foto: 松岡明芳, CC BY-SA 3.0)

Neumann machte sich im Folgenden als junger aufstrebender Dirigent einen Namen. Neben Anstellungen in Karlovy Vary / Karlsbad, Brno / Brünn und beim Prager Symphonieorchester FOK nahm er in den 50er Jahren auch Engagements in Dresden, Ostberlin, Wiesbaden und Paris an. 1964 wurde er zunächst Chefdirigent der Oper in Leipzig, dann musikalischer Direktor des dortigen Gewandhausorchesters. Als die Truppen des Warschauer Paktes 1968 den Prager Frühling niederschlugen, verließ Neumann die DDR, kehrte nach Prag zurück und war nun Chefdirigent der Tschechischen Philharmonie. Hier widmete er sich vor allem den Werken von Leoš Janáček und Bohuslav Martinů. Der Dirigent verewigte mit seinem Orchester sämtliche Symphonien aus Martinůs Werk auf Band.

Andreas Sebastian Weiser (Foto: Archiv des Nationaltheaters in Prag)

Sein Schüler Andreas S. Weiser erinnerte sich in einem Interview für Radio Prag International einmal an die „sehr eigenwillige Schlagtechnik“ Neumanns sowie an seine „sehr intensive Arbeit an der Musik“. Neumann knüpfte an die Bemühungen seines Vorgängers Karel Ancerl an und festigte den exzellenten internationalen Ruf der Tschechischen Philharmonie. Unter seinem Taktstock gastierte das Orchester regelmäßig in Berlin, Wien, Kopenhagen und Hamburg.

Während einer solchen Tour trat Neumann im Oktober 1989 in einen Proteststreik und kündigte an, weitere Aufnahmen für die tschechoslowakische Staatsmedien zu verweigern. Damit drückte der Dirigent seine Unterstützung für die von Václav Havel initiierte Petition „Einige Sätze“ aus. Zur Samtenen Revolution leistete Neumann auf seine Weise weiteren Beitrag. Bei einem Festkonzert für das Bürgerforum führte er Beethovens Neunte auf und am 29. Dezember 1989 leitete er im Prager Veitsdom das Konzert zu Ehren des neuen Staatspräsidenten Václav Havel.

Als Chefdirigent der Tschechischen Philharmoniker stand Václav Neumann bei über 1000 Konzerte auf dem Podium. Am 1. Oktober 1990 übergab er den Taktstock an Jiří Bělohlávek. Neumann starb am 2. September 1995 in Wien.