Geschichte und Zukunft: Veranstaltungsreihe zu Havels 80. Geburtstag

Václav Havel (Foto: Tomáš Adamec, Archiv des Tschechischen Rundfunks)

Im Herbst 2016 steht der 80. Geburtstag von Václav Havel bevor. Das ganze Jahr über gibt es deshalb Veranstaltungen und Aktionen im Gedenken an den verstorbenen Ex-Präsidenten. Im Mittelpunkt stehen nicht nur das politische und literarische Vermächtnis Havels, sondern auch ganz alltägliche Erinnerungen an den Dichterpräsidenten.

Václav Havel  (Foto: Tomáš Adamec,  Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Václav Havels Vermächtnis am Leben zu erhalten, dieser Aufgabe hat sich die nach ihm benannte Bibliothek in Prag verschrieben. Leiter ist seit vergangenem Herbst Michael Žantovský, ein enger Freund und zudem Biograph von Havel. Am Mittwoch hat er die Saison 2016 eröffnet:

„Wir stellen unser diesjähriges Programm unter dem Logo Havel@80 vor, gemeinsam mit unseren internationalen Partnern – der Stiftung Havel-Bibliothek in New York und der Organisation ‚Art for Amnesty‘, einer Organisation von Amnesty International.“

Michael Žantovský  (Foto: Petr Novák,  CC 3.0)
Der Blick über Tschechien hinaus ist Programm. Die Einrichtung selbst entstand nach dem Vorbild der US-amerikanischen Präsidentenbibliotheken – vor zwölf Jahren, also noch zu Lebzeiten Havels. Vier Jahre nach dem Tod des ersten tschechischen Staatspräsidenten gilt der internationale Anspruch umso mehr, sagt Michael Žantovský:

„Wir sind uns bewusst, dass Havel nicht nur eine tschechische Figur war. Er war eine Person, die unsere Grenzen überschritten hat. Für große Teile der Welt ist Havel eine der wichtigsten Persönlichkeiten Ende des 20. Jahrhunderts. Genau das wollen wir in dieser Saison veranschaulichen.“

Havel-Bibliothek  (Foto: Ian Willoughby)
Eine Konferenz in Straßburg zu Havels Engagement für Menschenrechte steht im Mai bevor. Auch der Dramatiker Havel wird gewürdigt. Pavel Hájek ist Programmdirektor in der Havel-Bibliothek.

„Die Ausstellung ‚Václav Havel im Burgtheater‘ ist eindeutig ein Höhepunkt. Sie beschäftigt sich mit den Premieren und Inszenierungen Havels in Wien, als er bei uns nicht gespielt werden durfte.“

Bereits im Januar beginnt die Herausgabe von Havels Gesamtwerk als E-Book. Das publizistische und politische Erbe ist ein Aspekt der Havel-Bibliothek. Dass bei einer charismatischen Persönlichkeit wie Havel Bilder mehr Strahlkraft haben als Worte, das zeigen die vielen Fotoausstellungen und Bildbände über den Ex-Präsidenten. 2016 wird ein neues Werk hinzukommen, sagt Michael Žantovský.

„Wir sammeln Bilder für eine neue Publikation, sie trägt den Namen ‚Hele Havel‘ (Schau mal, Havel). Sie besteht aus Amateuraufnahmen, stammen also von Menschen, die Havel zufällig getroffen und ein Foto gemacht haben. Da gibt es schon einige originelle Aufnahmen, zum Beispiel Havel beim Schifahren.“

Gezeigt wurden am Mittwoch in der Bibliothek bereits Amateurvideos von Havels ersten Reisen als Staatspräsident im Januar 1990 – in völlig informeller Atmosphäre. Ein Höhepunkt des Gedenkjahres wird im Oktober eine Geburtstagsfeier im Prager Lucerna-Palast, den einst Havels Großvater erbauen ließ. Zuvor allerdings stehen hunderte Veranstaltungen an. Obwohl die Einrichtung den Namen „Bibliothek“ trägt, wollen Žantovský und seine Mitarbeiter einen aktuellen gesellschaftspolitischen Anspruch erfüllen. Diskussionen zur „Flüchtlingskrise“ oder aber zu den deutsch-tschechischen Beziehungen sind nur zwei Beispiele aus dem umfassenden Programm:

„Wir haben eigentlich fast jeden Abend eine Veranstaltung. Sie werden auch von ganz wunderbaren jungen Leuten besucht, die zum Beispiel die Zeit Havels nicht mehr aus eigener Erfahrung kennen. Sie interessieren sich für die Geschichte und die Zukunft dieses Landes. Für uns ist das ein großer Ansporn und eine große Freude zugleich.“