Grafiker Oldřich Kulhánek ist verstorben

Oldřich Kulhánek (Foto: ČTK)

Manche kennen ihn, andere wiederum nicht. Aber jeder Tscheche nimmt täglich seine Werke in die Hand. Oldřich Kulhánek hat die heutigen tschechischen Banknoten, aber auch viele Briefmarken entworfen. Am Montag ist der Maler und Graphiker im Alter von 72 Jahren gestorben.

Oldřich Kulhánek (Foto: Šárka Ševčíková, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Oldřich Kulhánek wurde 1940 in Prag geboren. Mitte der 1960er Jahre hatte er als Maler und Grafiker seinen Durchbruch. Seine Zeichnungen und Drucke sind heute in Sammlungen in Wien, Dresden, Amsterdam und Paris zu sehen und wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

„Oldřich Kulhánek war einer der wenigen Künstler, die die realistische Zeichnung perfekt beherrscht haben. Es gibt keinen anderen Künstler, der das Porträt so vollkommen gemeistert hätte, wie es Kulhánek konnte. Er bleibt meiner Meinung nach eine einzigartige Persönlichkeit auch in der europäischen bildenden Kunst.“

Buchumschlag von Oldřich Kulhánek (Foto: Academia Verlag)
So charakterisiert Kulháneks Kollege Vladimír Suchánek das Schaffen seines Freundes. Bereits im Jahr 1971 hatte Kulhánek die erste Banknote entworfen. Sein 10-Kronen-Schein gewann in einem anonymen Wettbewerb, wurde aber nie gedruckt. Kulhánek wurde damals wegen seiner Grafiken aus den Jahren 1968 bis 1971 verhaftet, sie galten als regimefeindlich. Einen Monat musste er in Haft ausharren und stand in den nachfolgenden zwei Jahrzehnten auf der Liste der verbotenen Künstler. Trotz des offiziellen Verbots konnte er durch die Hilfe von Freunden Bücher illustrieren. Seine Zeichnungen in den Faust-Studien von Jindřich Pokorný aus dem Jahr 1982 wurden mit der silbernen Medaille der Leipziger Buch-Messe ausgezeichnet.

Außerdem widmete er sich der freien Kunst. Mit seiner Lithographie-Technik schuf er zahlreiche Zyklen. Aus den 1980er Jahren stammen die berühmten Zyklen „Gesichter“ und „Hände“ sowie stylisierte Porträts historischer Persönlichkeiten, im letzten Jahrzehnt schuf er zum Beispiel „Hiob“ oder „Ecce Homo“. Jede Lebenssituation, sogar eine tragische, enthalte eine Prise Humor, wenn auch schwarzen Humor, pflegte Kulhánek zu sagen. In seinen Grafiken sind daher Hyperbeln und Parodien häufig vertreten.

Tschechische Geldscheine von Oldřich Kulhánek (Foto: Khalil Baalbaki, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
In den 1990er Jahren entwarf Oldřich Kulhánek die Geldscheine für die neue tschechische Währung. Acht Banknoten mit acht ausdrucksstarken Porträts bedeutender Persönlichkeiten der tschechischen Geschichte sind seit 1993 im Umlauf. Nach vollbrachter Arbeit parodierte er im Zyklus „Funny Money“ das traditionelle Banknoten-Design. Von den modernen Euro-Scheinen hielt Kulhánek wenig:

Euro-Scheine (Foto: Tomáš Adamec, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
„Bei diesen Banknoten gilt: man hat den Pelz gewaschen, aber ihn nicht nass gemacht. Wir sind alle solidarisch, es verbinden uns Brücken und Fenster. Es darf aber kein konkretes Fenster dargestellt werden, keine konkrete, schöne, italienische Brücke. Das ist mit dem Lineal gezogen. Das ist Geld, das jeglichen gestalterischen Effekt entbehrt.“

Zur Aufgabe der Kunst sagte Oldřich Kulhánek, dass ein Künstler die Verstellung und Lüge des Establishments entdecken müsse. Er solle enthüllen, was mit dem Menschen geschehe, wie der Mensch manipuliert und entmenschlicht werde:

„Mein Credo lautet: Der Künstler soll ein Zeugnis über sich selbst und seine Zeit erbringen.“