Große Sturmschäden in Böhmens Wäldern - Gandalovic will Notstand ausrufen

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Orkan "Kyrill", der in Mitteleuropa am Donnerstagabend sehr heftig und mit etwas geringerer Windstärke bis einschließlich Sonntag tobte, hat auch in Tschechien immense Schäden hinterlassen. Insbesondere die Bestände der böhmischen Wälder wurden arg in Mitleidenschaft gezogen.

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Die Bilder sind auch in Tschechien noch allgegenwärtig: Am 19. November 2004 hatte ein Orkan fast die Hälfte aller Bäume auf der slowakischen Seite der Hohen Tatra geknickt oder entwurzelt. Das sehr beliebte Urlaubsziel so kahl geschlagen zu sehen, hinterließ auch hierzulande viel Traurigkeit. Umso größer und uneigennütziger war dann jedoch die finanzielle Hilfe, die den Slowaken von den Tschechen bei der Aufforstung der Tatra gewährt wurde. Doch nun müssen die Tschechen in den eigenen Wäldern kräftig Hand anlegen und den durch Orkan Kyrill verursachten Windbruch schnell beseitigen, um ihn damit vor anderen Schädlingen wie dem Borkenkäfer zu schützen. Über das Ausmaß der Sturmschäden sagte Landwirtschaftsminister Petr Gandalovic:

"Es sind viereinhalb Millionen Kubikmeter Holz. Das sind 70 Prozent der Menge Holz, die jährlich von den Betrieben des Staatsunternehmens Lesy CR verarbeitet wird. Man darf darüber hinaus nicht die Schäden vergessen, die in den Wäldern zu verzeichnen sind, die Eigentum von Städten oder Gemeinden sind. Aber dort werden sie etwas geringer geschätzt. Lesy CR besitzt hingegen jene Wälder, in denen der Orkan am stärksten getobt hat."

Landwirtschaftsminister Petr Gandalovic (Foto: CTK)
Die Besitzer der privaten und der kommunal verwalteten Wälder beziffern ihren Windbruch mit drei Millionen Kubikmeter Holz, was ebenso ein beträchtlicher Schaden ist. Es bedeutet für sie, dass sie fast 50 Prozent der Menge Holz, die sie jährlich verarbeiten, nun in kürzester Zeit ins Trockene und danach als Rohmaterial in den Handel bringen müssen. Trotz aller Anstrengungen werden die Sägearbeiten jedoch mit Einbußen verbunden sein, wie Minister Gandalovic betont:

"Die Verarbeitung dieses Holzes erfordert höhere Kosten und der später dafür erzielte Preis wird niedriger sein."

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Um die Aufräumarbeiten in den Wäldern zu beschleunigen und um finanzielle Hilfen schneller bewilligen zu können, wird Gandalovic der Regierung am Mittwoch empfehlen, in den am schlimmsten vom Orkan heimgesuchten Regionen den Notstand auszurufen. Diese Regionen sind die Landkreise Karlovy Vary / Karlsbad und Plzen / Pilsen, der Südböhmische Landkreis, die Böhmisch-Mährische Höhe sowie die Bezirke Bruntal / Freudenthal und Trutnov / Trautenau. Und nicht zuletzt sollen die zerstörten Wälder auch vor Holzdieben geschützt werden:

"Auch das ist ein Grund, warum ich der Regierung das Ausrufen des Notstands vorschlagen werde. Denn so können wir besser gegen jene vorgehen, die den Unwetterschaden als eine Quelle zu ihrer Bereicherung ansehen."

Besonders arg betroffen von den Baumschäden ist Südböhmen. Der Sprecher des Nationalparks Böhmerwald, Radovan Holub, schätzt daher pessimistisch ein:

"Die Beseitigung des Windbruchs kann ein halbes bis ein Jahr dauern."