Hochschulen verlangen um 5 Mrd. Kronen mehr

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Die tschechischen Gewerkschaften verlangen um die fünf Milliarden Kronen mehr für die Finanzierung des hiesigen Hochschulwesens. Am Dienstag wandten sie sich mit einer entsprechenden Petition an das Parlament. Die Petition wurde auch vom Chef der Böhmisch-Mährischen Konföderation der Gewerkschaftsverbände, Richard Falbr, unterstützt. Mehr zu den Gründen der grassierenden Unzufriedenheit der Hochschulpädagogen erfahren Sie im folgenden von Martina Schneibergová.

Die hiesigen Hochschulen befürchten, falls die akute Finanzmisere in ihrem Bereich so weiter gehen wird, wird es in zehn Jahren an den tschechischen Universitäten kaum noch Pädagogen geben. Die Dozenten und Professoren werden älter, während sich junge Lehrer immer öfter nach einer Arbeit an den Hochschulen in Westeuropa umsehen. Wird diese missliche Lage nicht systematisch und schnell gelöst, droht dem tschechischen Hochschulwesen der Zusammenbruch, ließ ein Pädagoge von der Prager Karlsuniversität gegenüber der Tageszeitung "Lidove noviny" verlauten. Denn, wie er weiter betonte, der durchschnittliche Stundenlohn an seiner Uni beträgt gerade mal 67 Kronen, was umgerechnet etwas mehr als 3,50 DM sind. Dies reiche - so der Lehrer - nicht einmal für ein ordentliches Mittagessen aus. 1999 waren 64% der Professoren der Karlsuniversität über 60 Jahre alt und nur 5,5% der Professoren waren jünger als 50 Jahre.

Der Chef der Hochschulgewerkschaften, Frantisek Bartak, der an der Westböhmischen Universität in Pilsen tätig ist, erläuterte die Beweggründe für das Schreiben der Petition. Seiner Meinung nach nähern sich die tschechischen Hochschulen immer mehr Zeitpunkt, an dem ihre Reserven ausgeschöpft sein werden und die Ausbildung an den Schulen bedeutend an Qualität verlieren wird. Außerdem sind bereits jetzt die Hochschulen nicht mehr in der Lage, dem anwachsenden Interesse der jungen Generation an einem Studium nachzukommen. Bartak verwies auch darauf, dass die jüngsten und fähigsten Mitarbeiter nach einer Arbeit in den Forschungszentren und an den Hochschulen in Westeuropa Ausschau halten. Der durchschnittliche Monatslohn eines jungen tschechischen Hochschulpädagogen beträgt zur Zeit 9.900 Kronen, was umgerechnet ca. 550 DM entspricht. So sind viele Lehrer gezwungen, noch einen Nebenjob zu suchen, um ihre Familie ernähren zu können.

Die Summe, die die Hochschulen jährlich für einen Studenten ausgeben, sinkt von Jahr zu Jahr. 1993 betrug sie noch 51.200 Kronen, 1999 jedoch nur noch 40.000 Kronen. Die Schulen brauchen mehr Geld nicht nur für die Entlohnung ihrer Mitarbeiter, sondern auch für die Ausstattung bzw. Erweiterung der Vorlesungssäle. Nach den Worten des Rektors der Karlsuniversität, Ivan Wilhelm, wurden in diesem Schuljahr beispielsweise an der juristischen Fakultät rund 200 Studenten mehr aufgenommen. Bei den Vorlesungen muss jedoch ein Teil der Studenten stehen, weil die Kapazität der Säle nicht ausreichend ist.

Aus den ersten Reaktionen der Abgeordneten auf die Petition der Hochschulgewerkschafter geht hervor, dass sie bereit sind, den Hochschulen im Haushaltsentwurf für das nächste Jahr ca. 5 Mrd. Kronen mehr zur Verfügung zu stellen. Sie machten jedoch zugleich darauf aufmerksam, dass sie die geforderte Summe erst einmal auftreiben oder an einer anderen Stelle einsparen müssen.