Hörerforum

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Willkommen, liebe Hörerinnen und Hörer, zu einer weiteren Ausgabe des Hörerforums - der Plattform für Ihre Meinungen, Kommentare, Fragen und Kritik. Aus dem Prager Studio begrüßen Sie Olaf Barth und Silja Schultheis.

Die vergangenen Wochen standen wahrscheinlich auch für die meisten von Ihnen im Zeichen der Terroranschläge in den Vereinigten Staaten und der daraus entstandenen Situation. Wir haben jedenfalls von Ihnen wieder zahlreiche Briefe, e-mails und Faxe zu diesem Thema erhalten und möchten wenigstens einige davon in dieser - aufgrund ausführlicherer Nachrichten etwas verkürzten - Sendung vorstellen.

Beginnen wir mit Ulrich Stühmke aus Essen, der uns schrieb:

"Die schlimmen Vorkommnisse in den USA fanden ja auch in Ihren Berichten Erwähnung. Sicher war es ein Schock für die meisten Menschen dieser Welt. Wenn sich auch im Prager Veitsdom die Menschen zum Gedenken an die zahlreichen Opfer versammeln, so halte ich das für eine gute Sache. Sicher ist auch in Tschechien nicht jeder mit allem einverstanden, was von den USA ausgeht. Doch hier sind hinterhältig Menschenleben zerstört worden aus reinem Hass. Darum ist es von Wichtigkeit, wenn die Mehrzahl der Menschen der verschiedensten Nationen auf irgendeine Weise ihren Abscheu gegenüber den Terroristen zum Ausdruck bringt. Da darf es keine Rolle spielen, ob es um die USA geht oder irgendein anderes Land. Das Beste wäre natürlich, wenn es durch den Zusammenhalt der Menschen gar nicht erst zu solchen Verbrechen käme."

Auch Bernd Bickelhaupt aus Seeheim greift in seinem Brief die Gedenkveranstaltungen in den Kirchen auf:

"In den letzten Tagen, vor allem in der Woche nach den Anschlägen, waren die Kirchen gut besucht. Es ist schade, dass die Leute immer erst dann beten, wenn was passiert. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es besser um die Welt bestellt wäre, wenn die Menschen auch sonst so intensiv nach Gott fragen würden wie jetzt. Dann würden sie vielleicht erkennen, wo die Wurzeln des Ganzen liegen: Die Menschen beuten sich gegenseitig aus, und die zu kurz gekommenen flüchten sich in eine Phantasiewelt von Hass. Hass, der jetzt Wirklichkeit wird.

Aber so fragt man nach Gott nur in der Not, in der restlichen Zeit ruft man die Börsenkurse übers Handy ab.

Eins ist für mich klar: wollen wir dem Terrorismus den Boden entziehen, müssen wir uns um die Verlierer im "Global game" kümmern. Wer nicht geliebt wird, lernt das Hassen. Das gilt im Kleinen wie im Großen."

Otto Beutel aus Herne schickte uns folgenden Kommentar zu den Terroranschlägen in den Vereinigten Staaten:

"Wir hoffen nun alle, dass sich dieses fürchterliche und für uns alle unfassbare Unglück nicht weiter ausbreitet und die Menschheit endlich einmal vernünftig wird. Wenn man allerdings dann am gleichen Tag und Tage später sieht, dass Israel wieder in die palästinensischen Gebiete einrückt und dieser Herr Sharon die Gespräche zwischen Peres und Arafat zurück pfeift, die am 16.9. stattfinden sollten. Nein, er befiehlt, dass wieder Israelische Truppen in den Gaza-Streifen einziehen. Leider haben sich die USA in der letzten Zeit wenig um den Nahen Osten gekümmert."

Auch Andreas Mieth aus Berlin bezieht sich in seinem Brief auf die Politik der Vereinigten Staaten:

"Im Mittelpunkt nicht nur Ihrer Programme standen während der vergangenen Tage die Anschläge in den USA. Bei Radio Vatikan hieß es dazu am 14.09.2001, viele Menschen in der Dritten Welt verträten heute die Meinung, die USA würden jetzt das ernten, was sie selbst gesät haben. Im hiesigen Fernsehen meinte bei einer Umfrage auf Kairos Straßen ein ägyptischer Bürger zur Frage der Verantwortlichen, die USA hätten in der Vergangenheit derart vielen Ländern und Völkern so enormen Schaden sowie unermessliches Leid zugefügt, so dass zig Staaten oder Organisationen in Frage kommen. Ich denke, dem ist nichts hinzuzufügen."

Abschließend noch eine Stellungnahme von Siegfried Restauch:

"Jetzt habe ich wie so viele andere Angst, dass es zum Krieg kommen könnte. Wieder müssen da auch unschuldige Menschen sterben. Ich hoffe, dass die Täter schnell gefasst werden, damit es nicht zu schlimmeren Ausschreitungen kommt. Bin zwar auch für Vergeltungen, denn man kann nicht mit ansehen, wie sich solche Terroristen in der Welt breit machen, man sollte aber nicht alle Moslems in einen Topf werfen."

Autoren: Olaf Barth , Silja Schultheis
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