Holpriger Start ins neue Schuljahr: Inklusion und Mangel an Lehrkräften

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Das neue Schuljahr hat am Donnerstag begonnen. Und dieses bringt durch das reformierte Schulgesetz auch wichtige Neuerungen. Außerdem sollen die Lehrkräfte ab September mehr verdienen.

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Am 1. September ist nach langem Hin und Her eine Schulgesetznovelle in Kraft getreten. Die sogenannte Inklusion ist dabei der meistdiskutierte Punkt. Das Gesetz legt neue Regeln fest, wie Kinder mit körperlicher oder leichter geistiger Behinderung und besonderen Bildungsbedürfnissen in Regelschulen integriert werden sollen. Und auch für die dafür notwendigen Finanzen gibt es eine Garantie. Die Liste der Fördermaßnahmen sei lang, sagt die stellvertretende Direktorin des Nationalen Bildungsinstituts Jana Zapletalová:

Jana Zapletalová (Foto: Archiv des Nationalen Bildungsinstituts)
„Die Förderung betrifft die Organisation des Unterrichts, das heißt zum Beispiel Nachhilfestunden. Weiter Lehrbücher, aber auch Hilfsmittel für Behinderte. Ein zusätzlicher Bereich ist die personelle Unterstützung, das heißt Assistenten, Lehrer, Schulpsychologen und Sonderpädagogen.“

Die Entscheidung, ob das Kind in einer Förderschule ausgebildet wird, oder in eine Regelschule wechselt, liegt weiterhin bei den Eltern. Laut Angaben des Bildungsministeriums nehmen über 200 Kinder zum 1. September diese Möglichkeit wahr.

Nicht für alle Schulen ist die Inklusion neu. Im vergangenen Jahr haben etwa 50.000 Kinder mit Behinderung reguläre Klassen besucht. Das waren um 5000 mehr als im Vorjahr. Zum Beispiel in einer Grundschule im westböhmischen Plzeň / Pilsen sind Begriffe wie Inklusion oder Integration längst bekannt. Schulleiterin Věra Šimečková:

Foto: Prokop Havel, Archiv des Tschechischen Rundfunks
„An unserer Schule erwarten wir in der Praxis keine Veränderungen. Wir hoffen auf positive Auswirkungen der neuen Regeln, und zwar dass wir finanzielle Mittel bekommen, um den Kindern alle Fördermaßnahmen zu ermöglichen, die sie brauchen.“

Die Inklusion erfordert mehr Lehrpersonal. Doch das Schulwesen in Tschechien hat dasselbe Problem wie jenes in Deutschland: einen Mangel an Lehrern. Ein Grund ist die schlechte Entlohnung der Pädagogen. Laut der jüngsten Analyse des Forschungsinstituts Cerge-EI verdienen 80 Prozent der Lehrer weniger als andere Arbeitsnehmer mit Hochschulausbildung. Ab dem 1. September werden deswegen die Lehrergehälter um acht Prozent aufgestockt. Auch dies hilft aber nicht, um sich anderen Berufen anzugleichen / um mit den anderen Berufen gleichzuziehen. Der Brutto-Durchschnittslohn eines Grundschullehrers hierzulande liegt bei knapp 23.000 Kronen, das entspricht 840 Euro. Bildungsministerin Kateřina Valachová (Sozialdemokraten) plant künftig noch weitere Lohnsteigerung:

Kateřina Valachová (links). Foto: ČTK
„Die Beträge sind hoch. Wir planen in den nächsten drei Jahren ein Plus von jeweils 15 Prozent, jährlich also 15 Milliarden Kronen (555 Millionen Euro).“

Damit würden die Lehrer nach drei Jahren 130 Prozent des Durchschnittslohns hierzulande erreichen. Finanzminister Babiš (Ano-Partei) ist zwar prinzipiell für eine bessere Entlohnung an Schulen, diese Forderungen des Ressorts hält er allerdings nicht für realistisch.