Wer unterrichtet hier wen? Umstrittene Software ChatGPT auch an Schulen in Tschechien beliebt

Die Nutzung der Online-Software ChatGPT ist schwer umstritten. Mittels Künstlicher Intelligenz kann die Anwendung Antworten auf Fragen geben, was sich mittlerweile auch gern Schüler zu Nutzen machen. Der Aufschrei bei Lehrern und Eltern ist groß, doch es gibt auch einige, die große Chancen in der Software sehen – auch in Tschechien.

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Einen Beitrag zur Verwendung von ChatGPT an tschechischen Schulen soll ich schreiben. Das kann die Künstliche Intelligenz doch auch selbst, oder? Ich frage im Chat nach, und tatsächlich spuckt das Programm einen mehr oder weniger schlüssigen Text aus. Laut vorlesen kann oder will das Programm seine Antwort allerdings nicht. Über eine simple Text-to-speech-Software kann aber eine Computerstimme die Antwort vortragen, wie etwa diese hier namens Marlene:

„In Tschechien wird ChatGPT in einigen Grundschulen als Lernwerkzeug eingesetzt. Es ist ein interaktives und intelligentes System, das Schülerinnen und Schülern hilft, Fragen zu stellen und Antworten zu erhalten.“

Das Online-Programm ChatGPT ist derzeit der Schrecken vieler Lehrer und Eltern – in Deutschland wie in Tschechien und anderen Ländern. Die KI nutzen weltweit Schüler, um Referate und andere Schularbeiten „outzusourcen“, um es einmal euphemistisch zu formulieren. Manche in Tschechien sehen aber auch eine Chance für die Software im Schulunterricht.

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Jiří Slavík verteilt Tablets in seiner Klasse. Er ist Direktor einer Grundschule in Český Brod / Böhmisch Brod und unterrichtet dort auch Mathe.

Die Schüler der 8C sollen die gestellte Aufgabe zuerst mit Stift und Papier ausrechnen. Erst danach geben sie die Rechenaufgabe in ChatGPT ein. Einige der Schüler haben das Programm früher bereits genutzt.

„Ich habe einmal in den Chat geschrieben, dass ich ein Referat über den Baikalsee von 300 Wörtern Länge möchte. ChatGPT hat mir den Text generiert. Ich habe dies aber nur als Inspiration herangezogen und nur einige Aspekte davon verwendet.“

Die Schüler haben ihre Aufgabe ausgerechnet, und auch ChatGPT ist fertig. Doch nicht bei allen stimmt das Ergebnis der KI. Nun müssen die Schüler den Fehler suchen. Und genau darum gehe es, sagt Jiří Slavík:

„Die Kinder sollen lernen, richtig zu formulieren, sie sollen diese Sprache verstehen und mit der Technologie kommunizieren können.“

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Warum einige der Tablets das richtige Ergebnis anzeigen und andere nicht, dafür hat der Schuldirektor aber keine Erklärung:

„Ich weiß auch nicht, woran das liegt. Aber die Künstliche Intelligenz lernt mit jeder Aufgabe, die man ihr stellt. Vielleicht haben die Lösungen, die wir hier ermittelt haben, bei den späteren Antworten zu einem richtigen Ergebnis geführt.“

Am Ende der Stunde gibt Jiří Slavík seinen Schülern die vielleicht bedeutendste Botschaft mit auf den Weg:

„Es ist wichtig, nicht blind das zu glauben, was die Künstliche Intelligenz ausspuckt. Das ist ganz grundlegend. Ihr müsst die Ergebnisse immer überprüfen und weitere Quellen finden, in denen die Lösung steht.“

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Wie tschechische Schulen in Zukunft mit der Plattform ChatGPT umgehen könnten, darauf weiß wohl keiner eine Antwort… Oder doch? Ich frage nach. ChatGPT meint, es gäbe vier Bereiche, in denen sich die Software an Schulen womöglich bewährt: Hausaufgaben, Sprachunterricht, individualisiertes Lernen und die Unterstützung des Lehrpersonals. Die Software betont aber auch:

„Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass ChatGPT kein Ersatz für menschliche Lehrkräfte sein kann. Es kann lediglich als unterstützendes Werkzeug dienen, um den Unterricht zu individualisieren und zu ergänzen.“

Offiziell aufgrund von Datenschutzbedenken hat Italien als erstes westliches Land am Freitag ChatGPT blockiert. Und auch in Deutschland werden Rufe laut nach einem Verbot, wenngleich die Bundesregierung vorerst noch zögert. In Tschechien scheint eine Blockade von ChatGPT derzeit nicht zur Debatte zu stehen.

Autoren: Ferdinand Hauser , Iva Vokurková
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