Bachelortitel für KI? Experte empfiehlt sorgfältige Kontrolle der Abschlussarbeiten

An einer der Fakultäten der Prager Wirtschaftsuniversität (VŠE) werden ab nächstem akademischem Jahr keine Bachelorarbeiten mehr vergeben. Grund ist die Künstliche Intelligenz (KI), die derartige Arbeiten für die Studenten schreiben kann.

Die Studenten an der Fakultät für Betriebswirtschaft der Prager Wirtschaftsuniversität können ab nächstem Jahr den Bachelortitel erhalten, ohne dafür die bisher erforderliche Bachelorarbeit vorgelegt zu haben. Die Führung der Fakultät ist sich nämlich bewusst, dass Künstliche Intelligenz mit einer guten Anleitung fähig ist, ein derartiges Papier zusammenzustellen. Die Universität wiederum wäre nicht in der Lage zu erkennen, welcher Student sich die Schreibarbeit auf diese Weise erleichtere, so die Argumentation.

Jan Cibulka | Foto: Tomáš Roček,  Tschechischer Rundfunk

Über den Sinn von Abschlussarbeiten wird in den letzten Jahren auch an anderen Hochschulen diskutiert. Jan Cibulka ist Mitarbeiter des Tschechischen Rundfunks und unterrichtet zudem an der Karlsuniversität. Er gebe seinen Studenten keine Diplomarbeiten mehr auf, sagte Cibulka in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks und merkte an:

„Wenn ich während der Seminare kleinere Arbeiten vergebe, weiß ich, dass die Studenten Künstliche Intelligenz nutzen. Wir sprechen darüber ganz offen. Es zeigt sich, dass die KI mit einer einfachen Anweisung noch keine Arbeit schreiben kann, die bestehen könnte. Ich habe inzwischen gelernt, nur solche Arbeiten zu vergeben, die ich auch durchlesen kann. Ich habe beispielsweise deren Umfang reduziert.“

Cibulka betont, die Studenten müssten wissen, dass jemand ihre Arbeiten anschließend auch wirklich sorgfältig liest. Er habe die Erfahrung gemacht, dass ein Text, der mit Hilfe von ChatGPT entsteht, nicht den Anforderungen entspreche:

„Dies liegt an der Qualität des Texts, der wenig ausführlich ist. Und die Arbeit hält auch bei der Argumentation und der entsprechenden Quellenangabe nicht stand.“

Cibulka sieht an sich kein Problem darin, dass die Studenten Künstliche Intelligenz nutzen. Für das Resultat einer wissenschaftlichen Arbeit müssen sie seinen Worten zufolge jedoch selbst die Verantwortung tragen:

„Wenn die Qualitätsansprüche nicht erfüllt werden, kann nachfolgend nicht mehr erklärt werden, was die Künstliche Intelligenz verfasst hat. Es handelt sich vielmehr um das Arbeitsresultat der Studenten. Die Note bekommen sie dafür, wie sie die zur Verfügung stehenden Mittel benutzt haben. Ich weiß aus meiner Erfahrung, dass es nicht möglich ist, im letzten Moment eine Anweisung für die KI zu formulieren, und einen guten Text zu bekommen.“

ChatGPT | Foto: PinPals_Design,  Pixabay,  Pixabay License

Die Grammatik in den von der KI zusammengestellten Texten ist laut Cibulka schon auf einem guten Niveau. Die Texte seien jedoch sehr allgemein, und es mangle an entsprechenden Quellenangaben, so der Experte. Es gebe auch Fälle, in denen nicht existierende Quellen angegeben würden:

„Das erkennt der Pädagoge jedoch nur in dem Fall, wenn er die Arbeit sorgfältig kontrolliert. Wenn ein Dozent 20 Studenten die Aufgabe gibt, bis zum nächsten Mal drei Seiten Text zu liefern, stellt sich die Frage, ob er dann auch in der Lage ist, 60 Seiten durchzulesen und diese sorgfältig zu korrigieren.“

Cibulka sagt, er habe schon ein paar Mal Arbeiten kontrolliert, bei denen sich herausstellte, dass sie komplett von Künstlicher Intelligenz verfasst worden waren. Dabei handelte es sich jedoch nicht um Diplomarbeiten. Die Papiere seien klar als Ergebnis von KI zu erkennen gewesen, so Cibulka:

„Der Text war von schlechter Qualität. Er war nicht richtig aufgebaut. Es mangelte zudem an Argumenten und Quellenangaben. Die Arbeit fiel letztlich durch, weil sie einfach nicht die entsprechende Qualität hatte.“

Autoren: Martina Schneibergová , Renata Kropáčková
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