Im Briefkasten: Wünsche, Erinnerungen und treue Hörer
Wie tief unsere Hörer mit Tschechien und unserem Sender verbunden sind, zeigen auch die vielen Zuschriften, die uns zu unserem 90. Geburtstag erreicht haben. Sie blicken dabei auf jahrzehntelange gemeinsame Wege zurück.
Unsere Quizfrage für den Oktober:
In den letzten Jahren hat Radio Prag International verstärkt eigene Podcasts produziert. Dazu gehört auch ein Kooperationsprojekt mit der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung: eine Podcastreihe, die in bislang drei Staffeln mit je sechs Folgen aktuelle gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Debatten in Tschechien beleuchtet hat. Wie heißt diese Reihe?
Ihre Antwort schicken Sie bitte bis Ende dieses Monats an [email protected].
Die Namen der Sieger finden Sie auf unserer Website. Im September gehörten zu ihnen auch Maria Garstenauer und Peter Uhlir, beide aus Österreich. Wir wollten wissen, über welche Radiostation Hörer in Nordamerika die Sendungen von Radio Prag International in englischer und spanischer Sprache auf der Frequenz 9955 kHz empfangen können. Der Sender heißt Radio Miami International.
Die letzte Ausgabe des Hörerforums wurde am 31. August gesendet, dem 90. Geburtstag von Radio Prag International. Ich hoffe, dass alle Jubiläumssonderkarten, die Sie sich mit Ihren Empfangsberichten verdient haben, bereits ihre Adressaten erreicht haben. Wir möchten uns herzlichst bedanken für alle Glückwünsche und Zuschriften, die bei uns zu diesem Anlass eingegangen sind.
So schrieb Hans-Joachim Pellin aus Lübz:
„Nachdem ich nun schon mehr als 50 Jahre Radio Prag höre, auch von mir die herzlichsten Glückwünsche zum 90. Geburtstag. Ich war bisher immer sehr erfreut, dass Radio Prag International in den Briefen mit den QSL-Karten kleine Aufmerksamkeiten gelegt hat. Dies ist für mich eine schöne Sache in Bezug auf die Hörerbetreuung und Anerkennung für die eingeschickten Empfangsberichte. Also kurz und bündig: Macht weiter so – ganz bestimmt bis zum 100. Geburtstag und noch weiter.“
Auch Reinhard Priese aus Süptitz hat die Sondersendung zum 90. Jubiläum empfangen. Er schreibt:
„Zu Zeiten, als ich Ihre Sendungen via Kurzwelle empfangen konnte, war ich sehr aktiv an Ihren Sendungen beteiligt. Seit durch Einsparungen alles nur noch via Internet kommt, wurde es bei mir etwas ruhiger mit dem Empfang. Aber zurzeit höre ich wieder öfter Ihre Sendung auf der schönen Internetseite. Meinen ersten Kontakt mit Radio Prag hatte ich am 22. September 1971. Die meisten QSL-Karten habe ich in den vielen Jahren von Radio Prag erhalten. Danke für Ihre aktuellen Nachrichten aus Tschechien.“
Hendrik Leuker aus Bamberg wünscht unserem Sender:
„Mögen Sie die derzeit schwierige Phase überstehen und Kurs auf den 100. Geburtstag nehmen! Gerne erinnere ich mich an meine Besuche beim tschechischen Rundfunk zurück, bei der 70-Jahre-Feier, und als Journalist in den Jahren 2002 und 2005. Ich habe Ihren Newsletter abonniert und höre, wenn ich Zeit habe, gerne in Ihre interessanten Sendungen hinein!“
Aktuelle Finanzierungslage von Radio Prag International
Die besten Glückwünsche von Andreas Fessler aus Dresden sind ebenfalls bei uns gelandet:
„Ich höre Sie schon seit Mitte der 1970er Jahre und hoffe, auch Ihren 100. Geburtstag noch erleben zu dürfen. Selbst wenn derzeit schwere ‚Gewitterwolken‘ über Ihrem Sender hängen, und eine zukünftige Finanzierung noch unklar ist, hoffe ich doch inständig, dass die Vernunft siegt und man in den ‚oberen Regierungsetagen‘ erkennt, wie wichtig der Auslandsfunk ist. Sicher, die Kurzwelle ist nicht mehr das große Massenmedium. Es hat sich eher alles in das Internet verlagert. Radio Prag International gehörte zu den ersten, die das erkannt haben. Damals war ich davon noch nicht so ganz begeistert, da ich selbst eine recht langsame Internetverbindung besaß. Aber: Mittlerweile ist Internetradio mein neuer Weltempfänger. Und das Beste: Alles kommt mit SINPO 55555 glasklar in die heimische Wohnung.“
Er sei 62 Jahre alt, pensionierter Englischlehrer und seit 1978 Kurzwellenhörer, schrieb unser Hörer Joé Leyder, aus Dikrich in Luxemburg, am 31. August an uns:
„Ich bin etwas stolz, Sie nach 45 Jahren wieder um eine Sonder-QSL ersuchen zu dürfen, denn ich habe Ihre Sendung vor exakt 45 Jahren zum 45. Jahrestag schon gehört. Ich habe die QSL von damals angehängt. Ich habe das ungute Gefühl, dass sogar die Chefredakteurin von Radio Prag International eher pessimistisch in die Zukunft blickt. Daher ist es mir sehr wichtig, Ihnen diese Zeilen zu schreiben, um Sie wenigstens moralisch zu unterstützen. Sie machen einen sehr wertvollen Job, auch wenn nicht jeder Hörer Ihnen Rückmeldung gibt.“
Für Radio Prague International zeichnet sich eine positive Entwicklung ab. Die Zukunft des Senders erscheint gesicherter. Während der ursprüngliche Entwurf keine Mittel für den Auslandssender des Tschechischen Rundfunks vorsah, bewilligte die Regierung im finalen Haushalt umgerechnet 1,07 Millionen Euro für Radio Prag International. Damit bleibt zumindest für 2027 die Finanzierung auf dem Niveau des Vorjahres. Allerdings muss dazu ein erforderlicher Zusatz zum Vertrag zwischen dem Außenministerium und dem Rundfunk noch unterschrieben werden, was bisher nicht der Fall war.
Erinnerungen an historische Wendepunkte
Nach langer Zeit hat sich Dieter Leupold aus Leipzig wieder bei uns im Funkhaus schriftlich gemeldet. Wegen des Urlaubs kam er erst Mitte September dazu, die Sondersendung vom 31. August nachzuhören. Zu diesem Anlass teilte er seine persönliche Geschichte aus dem Jahr 1968 mit uns:
„Ich kenne Radio Prag schon seit Anfang der 1970-er Jahre – damals noch auf Kurzwelle, ich glaube auf 6055 kHz. Der Tschechoslowakische Rundfunk (Československý rozhlas) stand damals ganz im Zeichen der kommunistischen ‚Normalisierung‘ nach der Niederschlagung des Prager Frühlings von 1968. Den ‚Prager Frühling‘ habe ich als Zwölfjähriger persönlich miterlebt. Ich war mit meinen Eltern im August 1968 das erste Mal im Urlaub in Bulgarien am Schwarzen Meer. Ende August des Jahres wollten wir von Warna nach Ost-Berlin zurückfliegen. Wir saßen schon im Flugzeug, doch kurz darauf mussten alle Passagiere wieder aussteigen. Die DDR-Reisegruppe wollte nach dem Grund fragen, aber wie immer gab es seitens der Behörden keine Antwort. Zurück im Hotel hatten wir einen Röhrenempfänger. Wir schalteten das 49-Meter-Band (6075 kHz) ein und hörten die Deutsche Welle, damals noch aus Köln. Da wurde uns klar, was in der Tschechoslowakei passiert war: In Prag rollten die Panzer auf dem Wenzelsplatz gegen die eigene Bevölkerung. Erst nach zwei Tagen konnten wir Warna per Flugzeug verlassen. Der Rückflug durfte jedoch nicht über den tschechoslowakischen Luftraum führen. Die Route verlief stattdessen über Ungarn, nach Osten über die Ukraine und Weißrussland und schließlich durch den Luftraum Polens.“
Dieter Feltes aus Pyrbaum schrieb anlässlich des 90. Geburtstags von Radio Prag International:
„Es ist ein schöner Geburtstag. Viele Leute erleben den 90. Geburtstag. Ich werde im nächsten Jahr 80, und wenn ich Glück habe lebe ich noch zehn Jahre. Seit vielen Jahren verfolge ich Ihre Sendungen in deutscher Sprache. Nachdem ich kein Archiv habe, weiß ich nicht, seit wann ich Radio Prag höre. Auf jeden Fall war es schon während der kommunistischen Zeit. Den Einmarsch der Russen bekam ich mit, als ich bei meinem Onkel in Österreich war. In seiner Backstube verfolgte ich die Situation. Es war sehr traurig. Aber jetzt ist gottseidank die Zeit vorbei und eine Regierung am Ruder, die internationale Anerkennung bekommt.“
Unverzichtbare Informationsquelle
Auch Achim Kissel aus Duisburg äußert seine Hoffnung, dass ein Weg gefunden werde, um Radio Prag International zu erhalten. Er schreibt dazu:
„Für mich sind Ihre Sendungen eine unverzichtbare Informationsquelle über unser südöstliches Nachbarland. Immer wieder lerne ich dazu, wenn ich die Sendungen aus Prag höre. So lernte ich diesmal mehr über die Seliger-Gemeinde und ihre Entstehung aus der sudetendeutschen Sozialdemokratie. Dass deren Partei aktiv an der Regierung der Tschechoslowakei in der Zwischenkriegszeit beteiligt war, ist mir bis jetzt nicht bekannt gewesen. Aber die wichtige Rolle der sudetendeutschen Sozialdemokraten bei der Hilfe für die verfolgten Genossen aus Österreich und Hitler-Deutschland, die in der Tschechoslowakei Zuflucht fanden, sollte auch nicht vergessen werden.“
Mit Interesse habe er auch von der Geschichte der Flucht mit einem Zug aus der Tschechoslowakei nach Bayern zu Beginn der 1950er Jahre erfahren. Und er verweist noch auf einen weiteren Beitrag:
„Wenn ich daran denke, dass bis Ende der 1980er Jahre der Eiserne Vorhang unsere Länder trennte, dann weiß ich erst die Errungenschaft der europäischen Einigung zu schätzen. Sicher denken so auch die Menschen, die im Böhmerwald nach Spuren ihrer deutschen Vorfahren suchen. Der Bericht darüber in Ihrer Sendung zeigt, wie lange die Wunden der Vergangenheit noch schmerzen und wie wichtig Versöhnungsarbeit war und ist. Ich lebe hier am Niederrhein geografisch von Tschechien weit entfernt. Aber die Industrieregion Ruhrgebiet war schon Ende des 19. Jahrhunderts durch Zuzug von Arbeitskräften auch aus dem Osten geprägt.“
Vielleicht auch deshalb sei dort die Toleranz gegenüber Zuwanderern größer als in anderen Regionen der Bundesrepublik, stellt Herr Kissel fest, mit Blick auf die Wahlergebnisse in Sachsen-Anhalt.
Andreas Mücklich, einem unserer Hörer aus Berlin, hat die Serie zur Geschichte von Radio Prag International gut gefallen, die wir im Sommer ausgestrahlt haben. An einige Punkte könne er sich noch so erinnern, als wenn sie gestern gewesen wären, stellt er fest:
„Als Schüler habe ich am Ende der 1970er Jahre die Sendungen des Interprogramms sehr gerne gehört. Ich habe mir damals auch Musiktitel gewünscht, aber nicht wie meine Landsleute von Karel Gott, sondern von Baccara, einem Duo aus Spanien. Ich habe auch die italienischen Sendungen gehört, die, wenn ich mich recht erinnere, um 13 Uhr kamen. Als Schüler war ich ja teilweise zu dieser Zeit bereits zu Hause. Auch da habe ich mir Musik von italienischen Interpreten mit Erfolg gewünscht. Was für eine interessante und aufregende Zeit war das. Haben Sie vielen Dank für die Produktion von ‚Prag sendet in die Welt‘.“
Schreiben Sie uns bitte weiter! Unsere Adresse lautet: Radio Prag International – Deutschsprachige Redaktion, Vinohradská 12, 120 99 Prag 2, Tschechische Republik. Oder Sie schicken eine E-Mail an: [email protected].
Verbunden
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Prag sendet in die Welt!
Von der Kurzwelle zum Podcast, von Sendungen für Auslands-Tschechoslowaken zum globalen Publikum: 90 Jahre Radio Prag International sind eine Geschichte des Wandels.










