Mehr als aktiver Ruhestand: Tschechische Klima-Omas weisen auf dringende Probleme hin

Im Oktober haben wir von dem Besuch der KlimaSeniorinnen Schweiz in Prag berichtet. Auch in Tschechien gibt es seit gut einem Jahr den Verein Klimababičky – die Klima-Omas. Eine der Mitbegründerinnen hat unlängst in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks von ihrem Engagement berichtet.

Anna Hradilková | Foto: Tschechisches Fernsehen,  ČT

Anna Hradilková ist eine der Frauen, die im Juni 2025 den Verein Klimababičky (Klima-Omas) gegründet haben. Vorbild waren unter anderem die Schweizer KlimaSeniorinnen, die die erste erfolgreiche Klimaklage beim EU-Gerichtshof für Menschenrechte initiiert haben. Hradilková beschreibt ihre Motivation:

„Vor allem ist unser Verein eine Reaktion darauf, wie ältere Rentner porträtiert werden als Leute, die nur Rabatte und anderweitige Vorteile brauchen. Wir sind aber mündige Menschen, denen die Entwicklung der Gesellschaft und vor allem die Zukunft wichtig sind.“

Engagement schon vor 1989

Es liege in der menschlichen Tradition, dass die weiseren Älteren auf das Weiterkommen ihrer Nachfahren achten, fügt Hradilková hinzu. Das klingt zunächst nach einem sehr allgemein aufgestellten Seniorenverein, um gesellschaftlich aktiv zu bleiben. Die Klima-Omas haben jedoch ein besonderes Anliegen – und ihren Namen darum bewusst gewählt. Die Gründerin sagt:

„Das Klima ist dabei sehr wichtig. Denn es scheint uns eines der Hauptprobleme zu sein, mit denen nicht nur wir, sondern der ganze Planet konfrontiert ist. Wir sind eine ökologische Vereinigung. Wir stammen aus dem Umfeld jener Frauen, die einst in der Bewegung der Prager Mütter zusammengekommen waren.“

Foto: Pěšky městem

Die Gruppierung Pražské matky (Prager Mütter) kümmerte sich schon um Umweltfragen, als dies noch kein Mainstreamthema war. Auch damals gehörte Hradilková zu den Mitbegründerinnen, wie sie im Frühjahr im öffentlich-rechtlichen Tschechischen Fernsehen (ČT) berichtete:

„Es handelte sich um eine Bewegung, die gegen die hohe Luftverschmutzung in Prag protestierte. Das war noch in der Zeit vor der Samtenen Revolution von 1989. Wir organisierten Demonstrationen, schrieben offene Briefe und ähnliches.“

Sie sei nicht die ganzen Jahre über für die Umwelt aktiv gewesen, lenkt Hradilková ein. Doch die früheren Anliegen bestehen immer noch – genauso wie die Kontakte. Und so habe man sich nun wieder zusammengetan, weil die Lage in Sachen Klima sehr dringlich sei, betonte die Seniorin im Rundfunkinterview:

„Bisher sind wir so weit gekommen, dass wir etwa 120 Mitglieder haben. Dabei versuchen wir, im ganzen Land aktiv zu sein und Aufklärung zu betreiben. Wir wollen vor allem in die einzelnen Kreise fahren und dort Gesprächsveranstaltungen organisieren.“

Foto: Jakub Šedý,  Klimatická žaloba ČR

Auch für Opas

Zudem geben die Vereinsmitglieder Interviews für unterschiedliche Medien, und man kann einen Newsletter bestellen, der auf aktuelle Termine hinweist und Lektüretipps bereithält. Bei verschiedenen Veranstaltungen in Tschechien betreiben die Klima-Omas außerdem Networking mit anderen ökologischen Organisationen oder etwa der Assoziation für gesellschaftliche Verantwortlichkeit. Und zuletzt waren die tschechischen Seniorinnen auch bei dem Treffen European Grandparents for Climate (Europäische Großeltern für das Klima) in Den Haag vertreten.

Květoslava Podhradská | Foto: Jana Šustová,  Tschechischer Rundfunk

Die Mitgliedschaft im Verein ist jedoch nicht nur für Omas gedacht. Es können sich durchaus auch Opas melden und generell Seniorinnen und Senioren, die sich engagieren wollen. Außerdem wende man sich an die Minderheiten in Tschechien, so Hradilková. Dies geschehe etwa über Theaterstücke, die die Klimababičky einstudieren und aufführen:

„Mit uns tritt unter anderem Květoslava Podhradská auf, eine bekannte Roma-Schriftstellerin. Ich habe mich sehr mit ihr angefreundet. Und durch sie möchten wir das Thema Klima auch an die Roma-Community herantragen.“

Autoren: Daniela Honigmann , Karel Sladký | Quelle: Český rozhlas
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