Der Garten als Klassenraum: Mehr Naturpädagogik für Vorschulkinder in Tschechien

Kann ein Garten als Klassenraum dienen? Ja, meint man an der Südböhmischen Universität in České Budějovice / Budweis. Dort wird ein neues Kursprogramm für angehende Kindergärtnerinnen und Kindergärtner angeboten.

Eine Gruppe Studentinnen von der Südböhmischen Universität ist zu einem Praxistag nach Soběslav gekommen. Im dortigen Kindergarten ist der Aufenthalt an der frischen Luft für die Kleinen normal. Beim Spielen im weitläufigen Garten werden sie mit der Natur vertraut gemacht. Sie würden ein Häuschen für den Hahn, die Hühner und die Küken bauen, erklärt ein Mädchen. Neben ihr liegen die Papiertiere, die auf ihren Einzug warten. Und dieser Junge hat sofort eine Antwort parat auf die Frage, was ihm daran Spaß macht, draußen zu sein:

„Gut ist, dass wir da drüben auf den Steinen klettern können. Und dass ich mit meinen Freunden spielen kann.“

Die Studentinnen Adéla und Nikola schauen nicht nur dabei zu, wie die Kinder spielen. Sie animieren sie auch, sich etwa die Wiesenblumen genauer anzuschauen. Die beiden jungen Frauen haben an der Uni in Budweis den Kurs „Naturpädagogik in Kindergärten“ belegt. Ihr Interesse daran sei durch ein Praktikum in einem Waldkindergarten geweckt worden, berichtet Nikola. Und Adéla sagt:

„Hier in Soběslav waren wir beide schon zu einer Exkursion namens ‚Der Garten ist auch ein Klassenraum‘. Dabei hat uns begeistert, wie sehr das alles den Kindern Spaß macht.“

Das in diesem Jahr eingeführte Kursprogramm wird von Alena Krejčová geleitet. Die Südböhmische Universität arbeite dabei mit der Karel Komárek Family Foundation zusammen, so die Hochschulpädagogin:

„Die Stiftung hat eine Studie erstellen lassen, wieviel Zeit die Kinder in Tschechien draußen verbringen. Das Ergebnis war, dass dies nur minimal der Fall ist. Darum haben wir gemeinsam beschlossen, dass wir Wege finden wollen, solche Aktivitäten zu unterstützen.“

Und da es immer gut sei, ein Problem an seiner Wurzel anzupacken, setze das Projekt bei den künftigen Vorschulpädagogen an, fügt Krejčová hinzu. Das daraus entstandene Lehrangebot an der Uni in Budweis sei in Tschechien bisher einzigartig, betont Ondřej Macura, Pressesprecher des Bildungsministeriums:

„Naturpädagogik ist bisher kein Pflichtelement bei der Hochschulausbildung künftiger Kindergärtnerinnen. Das Bildungsministerium hält es aber für wünschenswert, dass diese Angebote mehr Raum im Studium bekommen.“

Der vorgegebene Kompetenzrahmen für Nachwuchserzieher und -lehrer in Tschechien enthalte allerdings schon jetzt die Fähigkeit, mit Kindern im Außenbereich zu arbeiten, ergänzt Macura. Und deswegen lernen die kleinen Besucher des Kindergartens in Soběslav unter anderem, wie man eine Kaninchenbox baut. Ein Holzscheit, ein zweites und noch ein drittes, dazu noch das Dach – und fertig sei der Unterschlupf für die Langohren, erklärt einer der Jungs ganz fachmännisch.

Autoren: Daniela Honigmann , Eva Musterová Marvanová | Quelle: Český rozhlas
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