Im mittelböhmischen Kolin entsteht neuer Standort der Autoindustrie

Vicepresident von PSA Peugeot Citroen Jean-Marc Nicolle und von Toyota Josio Isizaka

Die Tschechische Republik erhält nach dem SkodaAuto-Unternehmen in Mladá Boleslav und dem Philips-Werk in Hranice na Morave einen dritten großen Industriestandort. Es ist die mittelböhmische Elbestadt Kolín, in der im Jahr 2005 die ersten PKW der Kleinwagen-Kompaktklasse der Automobilgesellschaften Peugeot-Citroën und Toyota vom Band rollen sollen. Wie es zu dieser Großinvestition gekommen ist, dazu näheres von Lothar Martin.

Vizepresident von PSA Peugeot Citroen Jean-Marc Nicolle und von Toyota Josio Isizaka (Foto: CTK)
Auf dem Gelände des Industriegebiets Kolín-Ovcáry wird ein gemeinsames Werk der Gesellschaften PSA PEUGEOT CITROËN und TOYOTA MOTOR CORPORATION entstehen, in dem die Produktion einer neuen maximal umweltverträglichen Automobilklasse vonstatten gehen soll. Der Zuschlag der beiden renommierten Fahrzeughersteller ist gleichzeitig die größte ausländische Direktinvestition, die in Tschechien getätigt wird. Denn mit der veranschlagten Investitionssumme von 1,5 Milliarden EURO liegt das Projekt von Kolín noch über denen in Mladá Boleslav und in Hranice na Morave.

Dementsprechend gutgelaunt präsentierten sich die Repräsentanten der tschechischen Regierung sowie der beiden Automobilunternehmen am Mittwoch in Prag der Presse. Der tschechische Ministerpräsident Milos Zeman war dann auch in der glücklichen Lage, den anwesenden Journalisten als Erster folgende Details zum Bau des großen Industrievorhabens mitzuteilen: "Der Baubeginn für die Produktionsstätte ist für Mai dieses Jahres vorgesehen, während wir mit ihrer Fertigstellung im Jahr 2005 rechnen. Mit der Fertigstellung wird sie zwei- bis dreitausend Menschen einen neuen Direktarbeitsplatz bieten, und zwar in einer Region, in der derzeit eine Arbeitslosenrate von rund 10 Prozent herrscht. Des weiteren werden sieben- bis achttausend indirekte Arbeitsplätze, vorwiegend in der Zuliefererindustrie entstehen."

Premier Milos Zeman mit dem Vizepresident von Toyota Josio Isizaka (Foto: CTK)
Gerade diesen Multiplikationseffekt wusste Premier Zeman in seiner kurzen Anrede zu würdigen. "Die Umsetzung dieser Investition hier in Tschechien führt außerdem dazu, dass das Image der Tschechischen Republik als Staat mit traditionell hochwertiger Automobilproduktion gestärkt wird," ergänzte ihn der stellvertretende Regierungschef und Minister für Industrie- und Handel, Miroslav Grégr. Im Kampf um den Investitionszuschlag war Polen der größte Konkurrent und zu Beginn klarer Favorit gewesen, da Toyota im östlichen Nachbarland bereits Getriebe fertigt. "Dieses anfängliche Handicap wurde aber dank des weitreichenden Umfangs und der Qualität des tschechischen Angebots überwunden," erklärte der Generaldirektor von CzechInvest, Martin Jahn.

Im neuen Autowerk sollen später einmal 300.000 Fahrzeuge jährlich auf den europäischen Markt geliefert werden. Wann mit den ersten Fahrzeugen der Kleinwagenklasse zu rechnen ist und welche Modelle das sein werden, dazu äußerte der Vizepräsident der Gesellschaft PSA PEUGEOT CITROËN, Jean-Marc Nicolle: "Dieses Auto wird ab dem Jahr 2005 hergestellt werden, wobei drei verschiedene Modelle vom Band gehen werden. Die Modelle werden unter dem Logo der Marken Toyota, Peugeot und Citroen verkauft, sodass jedes der drei Unternehmen damit seine Modellreihe erweitert. Das Design der Modelle wird bei jeder Marke anders ausfallen, obwohl sie auf einer gemeinsamen Basis beruhen und gemeinsame Komponenten haben werden."

Der Verbraucher von Morgen kann sich also schon jetzt auf ein vielfältiges Angebot an umweltfreundlichen Autos freuen. Bleibt noch zu ergänzen, dass die Zielgruppe der in Kolín eines Tages produzierten Wagen vorwiegend solche Kunden sind, die gegenwärtig Gebrauchtwagen, Grundausstattungen und ältere Modelle kaufen.