Internationale und tschechische Finanzkrisen - Presseschau

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Die Affäre um die gefälschten Bilanzen des US-amerikanischen Telekommunikations-Unternehmens World-Com und die dadurch verursachten Kursverluste an den Aktienmärkten waren am Donnerstag natürlich auch Hauptthema in den Wirtschaftsrubriken der tschechischen Printmedien. Diese widmen sich ferner der Finanzkrise, die möglicherweise über den privaten Fernsehsender TV Nova nach der Kündigung von dessen langjährigem Direktor Vladimir Zelezny hereinbricht. Silja Schultheis hat für Sie Presse-Auszüge zu beiden Themen zusammengestellt.

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In dem Finanzskandal um WorldCom sieht die Zeitung Lidove noviny eine denkbar schlechte Nachricht für Investoren, deren Vertrauen durch ähnliche Skandale ohnehin erschüttert ist. Für den seit drei Jahren anhaltenden Verfall der amerikanischen Märkte diagnostizieren Lidove noviny in ihrer Donnerstagsausgabe folgende Ursache:

"Verursacht wurde er von dem Investoren-Fieber Anfang der 90er Jahre, als die Firmen in Erwartung enormer Gewinne unglaubliche Summen investierten. In der Zeit der Abkühlung der weltweiten sowie der amerikanischen Wirtschaft vermochten sie aber nicht, ihre Expansion zu stoppen. Einen ähnlichen Verlauf kennt übrigens auch die Tschechische Republik, nur dass er sich einige Jahre früher abspielte und es sich, im Vergleich zu den USA, um Peanuts handelte. Für die Lösung dieses Problems gibt es nur ein einziges Rezept: schnell mit den Füßen auf den Boden zurückkehren - was allerdings schmerzhaft ist und eine Weile dauert."

Die Zeitung Mlada fronta dnes informiert am Donnerstag über die ernsthafte Finanzkrise, in die der private Fernsehsender TV Nova durch die personellen Streitigkeiten zwischen dem langjährigen NOVA-Chef Vladimir Zelezny und seinen ehemaligen Vertrauten geraten ist. Hierzu heißt es:

"NOVA ist um den Großteil seiner Einnahmen aus der Werbung gekommen. Die Bank ABN Amro, die Nova fast eine halbe Milliarde Kronen geliehen hatte, hat nämlich das Vertrauen in seinen Schuldner verloren und sich entschieden, ihr Geld schleunigst zurück zu bekomen. Seit diesen Tagen überweisen Werbe-Auftraggeber aus den Reihen der großen Medienunternehmen keine Gelder mehr auf Firmen-Konten im Umfeld von Nova, sondern direkt an die Bank."

Dadurch, so schlussfolgert Mlada fronta dnes, sei folgende Situation entstanden:

"Dem größten privaten Fernsehsender, geplagt von dem langwierigen Kampf zweier Besitzer-Gruppen, kommt jetzt eine Einnahmequelle abhanden. Wenn NOVA nicht schnell einen neuen Kredit auftreibt, droht ihr der finanzielle Zusammenbruch."