Irakischer Diplomat aus Tschechien ausgewiesen

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Bagdad hat am Donnerstag einen tschechischen Diplomaten ausgewiesen. Es handelte sich dabei um die Reaktion auf den selben Schritt der tschechischen Seite. Einer der Mitarbeiter der irakischen Botschaft in Prag wurde nämlich kürzlich zur "persona non grata" erklärt. Die Aktivitäten des Konsuls Ahmad Chálíl Ibráhím Samír Aní hätten "nicht in die übliche Arbeit von Botschaftsangehörigen gepasst", hieß es in einer erklärung des tschechischen Außenministeriums, das keine genaueren Informationen bekannt gab. Ein kleines Profil der tschechisch-irakischen Beziehungen bringt in diesem Zusammenhang Markéta Maurová.

Vor 1989 waren die Kontakte zwischen der kommunistischen Tschechoslowakei und dem autoritären Regime im Irak sehr lebendig. Sie konzentrierten sich besonders auf vier Bereiche: Waffen-Lieferungen für den Irak, Aufbau irakischer Erdölindustrie, Schulung irakischer Studenten in der Tschechoslowakei sowie Entsendung von Armeeexperten nach Bagdad. Als Gegenleistung erhielt die Tschechoslowakei Erdöl und US-Dollars.

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs in Europa 1989 sowie nach der Invasion des Iraks im Kuwait 1990 haben sich die bilateralen Beziehungen wesentlich abgekühlt. Die Tschechoslowakei stellte sich damals auf die Seite des angegriffenen Landes und entsandte eine Chemische Kampftruppe zu den internationalen Kräften am Golf. Im August 1990 schloss sie sich auch den Wirtschaftssanktionen gegen den Irak an. Die Handelskontakte sind daher sehr gering.

Ein schweres Hindernis in den bilateralen Beziehungen bildet die Tatsache, dass Bagdad die rechtliche Kontinuität zwischen der Tschechoslowakei und Tschechien, die sog. Sukzession, nie anerkannt hat. Der Irak fühlt sich daher nicht verpflichtet, die Schulden in Höhe von einer halben Milliarde US-Dollar zu begleichen, die gegenüber der ehemaligen Tschechoslowakei entstanden waren. Eine Delegation mit dem stellvertretenden Außenminister Hynek Kmonicek an der Spitze, die im letzten Jahr den Irak besuchte, verhandelte u.a. über die Sukzession erfolglos.

Das Verhältnis beider Länder ist seit 1998 wegen der Ausstrahlung Bagdad-kritischer Sendungen durch das in Prag stationierte Radio Freies Europa (RFE) belastet. Der Irak protestierte offiziell gegen die Ausstrahlung, später gab er jedoch auch bekannt, die Sendungen nicht stören zu wollen.