Jubiläum: Vor 110 Jahren wurde der tschechische Jagdflieger Karel Kuttelwascher geboren

Karel Kuttelwascher

Karel Kuttelwascher war während des Zweiten Weltkriegs der erfolgreichste tschechoslowakische Jagdflieger in den Reihen der britischen Royal Air Force. Anlässlich seines 110. Geburtstags wurde an diesem Mittwoch in den tschechischen Medien an den Kriegspilot erinnert.

Karel Kuttelwascher | Foto: VHÚ

Karel Kuttelwascher wurde am 23. September 1916 in Svatý Kříž / Heiligenkreuz nahe Havlíčkův Brod / Deutschbrod geboren. Mit 19 Jahren meldete er sich zur tschechoslowakischen Luftwaffe. Er besuchte dann die Fliegerschule und trat 1937 als Pilot den Militärdienst an. Im Juni 1939 flüchtete Kuttelwascher nach Polen und vor dort aus nach Frankreich. Kurz diente er zunächst in der Fremdenlegion. Aus Nordafrika reiste er jedoch weiter nach Großbritannien. Dort wurde er am 14. August 1940 in die Royal Air Force aufgenommen.

„Ich bin hingeflogen, habe mich umgeschaut und habe geschossen.“

Karel Kuttelwascher | Foto: Archiv des Czech Spitfire Club

So fasste Karel Kuttelwascher 1942 in einer BBC-Sendung in aller Kürze sein Wirken zusammen. Der Jagdflieger nahm auch an der Endphase der Schlacht um Großbritannien teil. Die größten Erfolge habe der Pilot jedoch erst 1942 verzeichnet, erläuterte Jiří Rajlich in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks. Er arbeitet als Historiker am Prager Institut für Militärgeschichte.

Jiří Rajlich | Foto: Amálie Berková,  Tschechischer Rundfunk

„Er führte nächtliche Offensivoperationen im Alleingang in der Nähe deutscher Flugplätze auf dem besetzten Kontinent durch. Dort lauerte er deutschen Flugzeugen auf, die zu nächtlichen Angriffen auf Großbritannien starteten oder von solchen zurückkehrten. Dort erzielte er auch seine größten Erfolge im Krieg.“

Kuttelwascher wurde in Großbritannien „Kuttel“ genannt. Eine seiner Flugmissionen beschrieb der Jagdflieger 1944 gegenüber der BBC:

„Das erste Flugzeug, auf das ich stieß, war eine Ju 88. Ich feuerte aus etwa 500 Fuß Entfernung eine Salve auf sie ab, worauf sie senkrecht in die Tiefe stürzte. Unmittelbar dahinter – als wäre sie aus dem Himmel gefallen – geriet eine zweite Ju 88 in mein Visier. Auch sie erhielt eine volle Salve und stürzte brennend ab. Dies geschah direkt über einem feindlichen Flugplatz und löste eine unbeschreibliche Panik aus.“

Während seines erfolgreichsten Einsatzes zerstörte Kuttelwascher gleich drei deutsche Bomber des Typs Heinkel 111. Insgesamt gelang es ihm während seines Dienstes bei den Briten, 18 feindliche Flugzeuge abzuschießen. Der Tscheche wurde auf der Insel zu einem gefeierten und hochdekorierten Helden. Fotografien des Jagdfliegers sowie Interviews mit ihm wurden damals in vielen britischen Tageszeitungen veröffentlicht. Er sprach im Rundfunk und wurde gefilmt.

Anfang Oktober 1942 beendete Karel Kuttelwascher seinen aktiven Fronteinsatz. Von der Inspektion der tschechoslowakischen Luftwaffe wurde er auf eine sechsmonatige Reise durch die USA und Kanada entsandt. Historiker Rajlich:

„Zum einem sollte seine Persönlichkeit die Rekrutierung von Exil-Tschechoslowaken für die tschechoslowakische Luftwaffe ankurbeln. Denn bis zu diesem Zeitpunkt waren die Kämpfe ausschließlich von jenen geführt worden, denen die Flucht ins Ausland gelungen war. Zudem gab Kuttelwascher sein Wissen an die Amerikaner weiter. Er leitete dort einen Kurs über die von ihm praktizierte Art des Luftkampfs nach Guerilla-Art.“

Nach seiner Rückkehr arbeitete Kuttelwascher als Testpilot. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte er für kurze Zeit in die Tschechoslowakei zurück. 1946 ging er aber wieder zu seiner Familie nach Großbritannien. Er starb 1959 an einem Herzversagen.

Karel Kuttelwascher war der einzige tschechoslowakische Flieger, der zweimal die hohe britische Auszeichnung Distinguished Flying Cross für RAF-Piloten erhielt. 2016 wurde Karel Kuttelwascher posthum in Tschechien der Orden des Weißen Löwen verliehen.

Karel Kuttelwascher wurde posthum der Orden des Weißen Löwen verliehen; die Auszeichnung nahm seine Tochter Vee Darlington entgegen. | Foto: Luboš Pavlíček,  ČTK
Autoren: Martina Schneibergová , Jakub Vik | Quelle: Český rozhlas
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