Kajinek nach 40 Tagen verhaftet

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Die Tschechische Polizei stand in letzter Zeit aufgrund ihrer relativen Erfolglosigkeit unter erheblicher Kritik. Doch in der vergangenen Woche gelangen ihr zwei bemerkenswerte Fahndungserfolge: Nachdem sie zu Wochenbeginn sieben z.T. führende Mitglieder der sogenannten "Luhansk-Brigaden" - einer einflussreichen ukrainisch-russischen Verbrecherorganisation - dingfest machen konnte, ging ihr am Freitag der seit langem gesuchte Gefängnisausbrecher Jiri Kajinek ins Netz. Olaf Barth berichtet:

Am Freitagabend endlich, konnte die in letzter Zeit stark unter Beschuss geratene Tschechische Polizei zum großen Befreiungsschlag ausholen. Der Presse verkündete man nicht ohne Stolz, dass es Spezialeinheiten gegen 18 Uhr am gleichen Abend gelungen war, den wegen zweifachen Mordes zu lebenslangem Freiheitsentzug verurteilten und seit seinem Gefängnisausbruch am 29. Oktober flüchtigen Jiri Kajinek festzunehmen. Ein Elitekommando der Polizei hatte den seit 40 Tagen unter erheblichem Aufwand Gesuchten in seinem Unterschlupf im 13. Prager Stadtbezirk überwältigt. Obwohl Kajinek mit einer Pistole bewaffnet war, konnte er ohne Schusswechsel verhaftet werden. Dies war nur möglich, weil der Zugriff außerordentlich schnell und professionell erfolgte, so ein Polizeisprecher. Seit vierzehn Tagen beobachtete die Polizei bereits die Wohnung, die einem ebenfalls in Mirov einsitzenden verurteilten Mörder, dem sogenannten "Orlik-Killer" Ludvik Cerny, gehört. Um aber sicher zu gehen, dass es sich tatsächlich um Kajinek handelt und ein Risiko für Dritte möglichst ausschließen zu können, observierte man zunächst, bevor man sich am Freitagabend zur Festnahme entschied.

Am Samstagvormittag wurde der gefasste Ausbrecher unter starker Polizeieskorte in das ostböhmische Hochsicherheitsgefängnis Valdice überführt, das ihm bereits bestens bekannt ist. Schon einmal, im Jahr 1996, unternahm er einen Fluchtversuch aus dieser Haftanstalt, die allerdings auf dem Dach des Gebäudes endete, als ihn die Aufseher stellen konnten.

M Sein vorläufig letzter und erfolgreicher Fluchtversuch aus der Gefängnisfestung im mährischen Mirov bei Sumperk hatte nicht nur ein großes Medienspektakel ausgelöst, sondern u.a. auch dem Gefängnisdirektor Milan Kohoutek und seinem Stellvertreter Kvetoslav Vlasak den Job gekostet. Eine weitere Begleiterscheinung des Presserummels war vermehrt öffentlich geäußerte Kritik an dem Prozess, der zu Kajineks Verurteilung führte. Kajinek selbst hatte immer wieder beteuert, dass er den ihm zur Last gelegten Mord an einem Pilsener Unternehmer und dessen Leibwächter nicht begangen habe. Aus dem Justizministerium hieß es am Montag, der Tschechische Justizminister Pavel Rychetsky habe noch nicht entschieden, ob der Fall des wegen Auftragsmordes verurteilten Kajinek noch einmal aufgenommen werden soll. Er prüfe noch die Unterlagen, um zu beurteilen , ob er dem "Obersten Gericht" eine Begutachtung der Prozesse vorschlägt. Der Verteidiger Kajineks, Jaroslav Barta, bekräftigte noch einmal ausdrücklich seine Zweifel an der Richtigkeit der Beweisführung in der Hauptverhandlung und nannte die nicht durchgeführte Rekonstruktion des Tatorts als ein schwerwiegendes Manko. Obwohl der verantwortliche Pilsener Richter die Rekonstruktion des Tatorts für unnötig hielt, da die Beweislast erdrückend gewesen wäre, verkündete er nun in der Tageszeitung Mlada Fronta DNES, er wünsche sich eine Neuverhandlung und sei es nur, um die Anschuldigung eines Fehlurteils zu entkräften.

Autor: Olaf Barth
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