Kampf gegen Computerangriffe: Tschechien hat Zentrum für Cybersicherheit

Foto: ČT24

Im vergangenen Jahr legten Hacker die Server von tschechischen Banken, Telekommunikationsunternehmen und Medien für einige Tage lahm. Es war für die Menschen hierzulande ein deutliches Zeichen, dass im Internet schon längst Krieg herrscht. Um dagegen gerüstet zu sein, wurde nun im mährischen Brno / Brünn ein tschechisches Zentrum für Cybersicherheit eröffnet.

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Die tschechische Regierung hält das neue Zentrum für Cybersicherheit augenscheinlich für sehr wichtig – sonst wäre nicht gleich Premier Bohuslav Sobotka zur Eröffnung am Dienstag gekommen. Der Sozialdemokrat sagte dabei:

„Wir sollten uns bewusst machen, dass im 21. Jahrhundert die Informations- und Kommunikationssysteme praktisch die Nervenstränge der modernen Gesellschaft bilden und von ihrem reibungslosen Funktionieren fast die gesamte Infrastruktur eines Landes abhängt. Daher sollte der Staat auch eine gewisse Aufsicht und Hilfestellung bieten, inklusive Eingriffen in die Cybersicherheit.“

Vladimír Rohel (Foto: Tschechisches Fernsehen)
Beschäftigt sind am Zentrum derzeit 22 Computerspezialisten, bis Ende 2015 kommen weitere zwölf hinzu. Ihre Aufgaben sind vielfältig. Die wichtigste bezieht sich auf die staatlichen Institutionen, schließlich gehört das Zentrum zur sogenannten Staatlichen Sicherheitsbehörde.

„Unsere Aufgabe ist tatsächlich, staatliche Institutionen und die Infrastruktur vor Cyberangriffen zu schützen beziehungsweise die Folgen solcher Angriffe zu minimieren. Geschützt werden also Krankenhäuser, Ämter und Ministerien, aber auch Unternehmen wie Energieversorger oder Wasserwerke“, so der Leiter des Zentrums, Vladimír Rohel.

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In den Räumen wird natürlich genauso Forschung zur Cybersicherheit betrieben. Doch die IT-Experten sollen nicht nur stumm auf ihren Rechnern tippen, sondern auch Vorträge halten in vollen Sälen. Zudem besteht eine eigene Abteilung, die Anfragen von Normalbürgern beantwortet. Vergleichbare Institutionen mit einem ähnlichen Spektrum an Aufgaben gibt es bisher in Europa angeblich nur sehr wenige.

Allerdings sind die Kompetenzen und Befugnisse des Zentrums noch nicht endgültig abgesteckt. Denn das entsprechende Gesetz über Cybersicherheit wird derzeit erst im Parlament diskutiert. Premier Sobotka hofft aber auf eine baldige Verabschiedung, wie er am Dienstag sagte. Das Gesetz regelt dann auch, welche Informationen geheim gehalten werden. Denn Institutionen, die Opfer eines Computerangriffs werden, wollen und brauchen manchmal auch Anonymität – man denke nur an Banken.

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Der tschechische Staat hat sich das Zentrum durchaus etwas kosten lassen. Seit 2012 arbeiteten die IT-Experten in provisorischen Räumen der Brünner Masaryk-Universität. Das jetzige Gebäude gehörte zuvor der Tschechischen Armee. Investiert wurden insgesamt 86 Millionen Kronen (knapp 3,2 Millionen Euro). Vladimír Rohel beschreibt die Ausstattung des Zentrums:

„Wir haben wirklich leistungsstarke Server, aber auch zum Beispiel ein Labor, um die Wirkung schädlicher Codes und die Verletzbarkeit von Systemen zu testen. Und wir besitzen chiffrierbare Leitungen sowohl ins In- als auch ins Ausland. Insgesamt sind wir hier von sehr viel moderner Technik umgeben.“