Katholische Kirche contra Homosexuelle

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Nächste Woche wird die Regierung über einen Gesetzesvorschlag verhandeln, der eine behördliche Registrierung gleichgeschlechtlicher Partner regeln soll. Der Kampf um dieses Gesetz wird zunehmend erbitterter. Olaf Barth berichtet.

Über die Novelle soll das Parlament im Oktober entscheiden. Höchste Zeit, fand die Katholische Kirche in Tschechien, einen neuen Schlag gegen die, ihrer Meinung nach, gotteslästerliche Beziehung zu führen. Bereits seit Mai kursieren auf Geheiß der tschechischen Bischofskonferenz Petitionen in den Gotteshäusern Böhmens und Mährens, die die (gut-) gläubigen Kirchgänger unterschreiben sollen. Diese Protestbriefe richten sich entschieden gegen die rechtliche Gleichstellung einer Homosexuellenpartnerschaft - häufig auch als Schwulenehe bezeichnet. Am Samstag verkündeten die Kirchenvertreter stolz, man habe bereits 62 000 Unterschriften zusammen.

Die Verfechter des neuen Gesetzes - ihrerseits keineswegs faul - veranstalten in den nächsten Wochen eine groß angelegte Informationskampagne. Einer ihrer Vorkämpfer ist der Vorsitzende der tschechischen Schwuleninitiative, Jiri Hromada. Seine Meinung zur Kirchenkampagne fasste er wie folgt in Worte:

"Wir wollten nie eine Kontroverse, wir wollten immer einen Dialog. Ich finde, dass die katholische Kirche mit Argumenten aus dem Mittelalter auftritt. Es ist für mich nicht nachvollziehbar, dass man unsere Mitbürger gegen ein Gesetz aufzuhetzen versucht, das niemandem schadet, sondern jenen Familien hilft, in denen ein homosexuell veranlagtes Kind lebt.



Ich denke, dass auch die Petition an sich unsinnig ist. Denn die Leute unterschreiben eine Petition gegen eine andersartige Ehe. Aber hier geht es nicht um eine Ehe, denn die gibt es nur zwischen Mann und Frau. Es geht lediglich um eine rechtliche Angleichung - vor allem in Besitztumsfragen.



Darüber hinaus kann ich nur sagen, auch die 60 000 Unterschriften, die die Kirche ihren Gläubigen förmlich aufgezwungen - ich wiederhole: aufgezwungen - hat, sind sehr wenig. In der Tschechischen Republik unterstützen zwei Drittel der Bürger eine amtliche Registrierung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften - also einige Millionen Menschen."

Immer wieder ereignen sich hierzulande Überfälle Rechtsradikaler auf Homosexuelle bzw. deren Einrichtungen. Bestärken solche, gegen Homosexuelle gerichtete Kampagnen anerkannter Institutionen, wie die der Katholischen Kirche, nicht auch jene Chaoten in ihrem Hass, wollte ich von Herrn Hromada wissen:

"Genauso haben wir das nach dem letzten Skinheadangriff auf einen Gay-Club in Liberec ausgedrückt. Die katholische Kirche gibt hier ein Beispiel für Skinheads ab, die überall dort angreifen, wo sie auch nur ein bisschen Unterstützung aus Teilen der Gesellschaft spüren. Diese gewaltbereiten Gruppen nutzen jede Meinungsplattform aus, um ihre Gewalttaten zu rechtfertigen. Die Katholische Kirche sollte sich auf die christliche Moral und die Nächstenliebe besinnen."

Wie schon öfter in ihrer langen Historie, glauben aber die Vertreter der Katholischen Kirche wieder einmal an die Unfehlbarkeit ihrer Interpretation der Gebote und Worte Gottes. Jiri Hromada, der Vorsitzende der Schwuleninitiative, ist dennoch optimistisch, dass das Parlament diesmal, anders als in den Jahren 98 und 99, das neue Gesetz verabschiedet.

Warum auch nicht, schließlich hat die Katholische Kirche mittlerweile auch eingesehen, dass die Erde rund ist und sich um die Sonne dreht.

Autor: Olaf Barth
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