Kelten-Fund an der Bernsteinstraße: Mährischer Polizist entdeckt 2000 Jahre alte Bronze-Ente
Auf einem Feld bei Tučín in Mittelmähren wurde eine unbeschädigte, über 2000 Jahre alte keltische Bronze-Tierplastik entdeckt. Die Figur wiegt nur etwa zehn Gramm und stellt eine Ente dar. Laut Archäologen handelt es sich um einen einzigartigen Fund an der Bernsteinstraße, dem historischen Handelsweg zwischen Nord- und Südeuropa.
Miroslav Komínek ist Stadtpolizist in Přerov, ein erfolgreicher Blogger, aber auch ein begeisterter Hobbyarchäologe, der seit Jahren mit dem Regionalmuseum vor Ort zusammenarbeitet. Obwohl Komínek bei seiner Suche nach uralten Gegenständen meist auf seinen Metalldetektor vertraut, gelang ihm der neueste Fund anders. Die nur zwei Zentimeter lange Entenfigur aus Bronze fand er auch ohne Gerät auf einem Feld bei Tučín:
„Es war teilweise Zufall. Die Ente lag an der Oberfläche, sodass sie sogar mit bloßem Auge deutlich sichtbar war. Ich freue mich über jeden Fund, aber diese Figur ist einfach entzückend.“
Symbol oder Spielzeug?
Soweit der Entdecker. Der Archäologe des Comenius-Museums in Přerov, Zdeněk Schenk, bestätigt, dass es sich um eine keltische Tierplastik aus Bronze handelt. Er hebt die elegante Form hervor:
„Die Gesamtlänge der Miniaturplastik beträgt 23 Millimeter, und das Gewicht liegt bei knapp zehn Gramm. Sie hat hervorstehende Augen und einen länglichen Schnabel, der in einer auffälligen Verbreiterung endet. Wenn wir uns die Details ansehen, weist das tropfenförmige Körperende Querringe auf, die symbolisch die Schwanzfedern darstellen. Es ist eine der schönsten Bronzeplastiken eines Tieres in der Region Přerov.“
Wozu das Miniatur-Objekt einst diente, gibt der Wissenschaft noch Rätsel auf. Archäologe Zdeněk Schenk erläutert die unterschiedlichen Ansätze:
„Die Deutungen reichen von einem rein symbolischen Gegenstand bis hin zu einer Spielfigur. Am wahrscheinlichsten ist jedoch, dass die Figur Teil eines anderen, größeren Gegenstands gewesen ist, an dem sie angebracht war. Bemerkenswert ist zudem, dass wir die höchste Dichte solcher Tierfiguren – ob es nun kleine Wildschweine oder eben diese Wasservögel sind – im Gebiet der Mährischen Pforte verzeichnen.“
Auf den Spuren der Kelten
Die Mährische Pforte ist ein historisch wie geografisch hochgradig strategischer Naturkorridor in Tschechien. Als flacher Talschnitt verbindet sie das mährische Tiefland der March mit dem schlesisch-polnischen Odertal. Seit der Urzeit gilt diese Senke als das wichtigste Nadelöhr für den mitteleuropäischen Fernhandel. Das Dorf Tučín liegt mitten in diesem Durchgang.
„Es handelt sich um einen der wichtigsten Naturkorridore der Geschichte, durch den ein Arm der legendären Bernsteinstraße verlief. Entlang dieser Handelsachse tauchen solche Tierplastiken immer wieder auf – sie verbinden die keltischen Handelszentren von Polen über Mittelmähren bis nach Niederösterreich.“
Die Bronzefigur ist jedoch nicht das einzige Highlight. Ein neuer Lehrpfad soll der Öffentlichkeit auch andere spannende Funde aus der Region Tučín näherbringen, darunter einen silbernen römischen Denar. Die Gemeinde möchte den Pfad noch während der laufenden Sommerferien feierlich eröffnen.
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