Kinderprostitution in Tschechien - ein Thema nicht nur für den Spiegel

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In tschechischen Medien wird seit einigen Tagen aus aktuellem Anlass das Thema Kinderprostitution behandelt. Einerseits hat das Innenministerium kürzlich der Regierung einen Nationalplan im Kampf gegen die Kinderprostitution vorgelegt, andererseits haben sechs Spiegel-Reporter das nordwestböhmische Cheb, Eger als Eldorado für deutsche Kindersextouristen entdeckt. Marcela Pozarek berichtet.

Der Spiegel illustrierte seinen ausführlichen Bericht über die Kinderprostitution in Cheb unmissverständlich mit der Fotografie eines kleinen Mädchens in kurzem Rock, weissen Söckchen und Badeschlappen in lasziver Pose und titelte: "Wollen Sie spezial?". Im tschechischen Blätterwald begann es sofort zu rauschen. Die linksliberale Tageszeitung Pravo drehte das Thema um, so als wäre das Problem Kinderprostitution nur eine Frage der Perspektive und zitierte Petr Zelasko vom Direktorium der tschechischen Kriminalpolizei "Wenn auf deutscher Seite nicht die Nachfrage bestünde, gäbe es auf unserer auch kein Angebot." Damit bestätigt sich eine These der Spiegeljournalisten, die auch Innenminister Otto Schily in einem Interview beklagte, dass nämlich tschechische Behörden den rege praktizierten Kindersex bagatellisieren. Der Bürgermeister von Cheb, Eger Vaclav Jakl wirft das Ganze mit der Bemerkung "Prostitution ist laut städtischer Verordnung seit Anfang 1999 verboten" vom Tisch, während Innenminister Schily von einer ungeheuer grossen Dunkelziffer spricht. Von der weiss aber wiederum nichts die zuständige Beamtin für Kriminalitätsprävention im tschechischen Innenministerium, es sei alles eine Seifenblase, in den vergangenen Jahren hätte man in Cheb nur gerade vier Fälle verfolgt. Im Gespräch mit Radio Prag ging Jitka Gjuricova näher auf das Thema ein.

"Das Problem ist, dass im Landkreis Cheb eine deutsche nichtstaatliche Organisation namens Karo tätig ist. Es handelt sich dabei um zwei Sozialarbeiterinnen, die sich um HIV Prävention und Geschlechtskrankheiten kümmern. Diese Damen informierten unter anderem sächsische Landtagsabgeordnete darüber, dass in Cheb ein grosses Angebot an Kinderprostituierten ist und dass deutsche Phädophile dorthin fahren, um sich an tschechischen Kindersklaven zu befriedigen. In der deutschen Bildzeitung tauchten dann plötzlich Zahlen auf, dass täglich 6000 Kinder in Cheb Prostitution betreiben, dass ist natürlich absolut falsch."

Soweit also Jitka Gjuricova.

Nichtsdestotrotz legte das Innenministerium der Regierung kürzlich einen nationalen Plan zur Bekämpfung von kommerziellem sexuellem Missbrauch von Kindern vor, in dem unter anderem gefordert wird, dass medizinisches Personal allfällige Anzeichen von Missbrauch bei einem Minderjährigen sofort der Polizei melden. Der Streetworker Laszlo Sümegh hat in Prag mit Kinderprostitution so seine Erfahrungen gemacht.

Zitat: "Oft sind es Jungs und Mädchen die aus Erziehungsheimen fliehen, oder Kinder aus zerrütteten Familien. 42 Prozent sind Roma. Neulinge tauchen vor allem im Sommer auf, in der Ferienzeit. Ihre Gesichter sehe ich nur ein paar Tage, dann verschwinden sie wieder, aber insgesamt steigt die Zahl der Kinderprostituierten stetig."

Autor: Marcela Pozarek
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