Klassische Musik und Blasmusik werden zum tschechischen Exportprodukt

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Mit dem Begriff "Kunst" verbindet man gemeinhin andere Werte als materielle, eher schon geistig kulturelle. Dass Kunst aber keineswegs brotlos sein muss, wissen sowohl die Kunstschaffenden hierzulande als auch deren Agenten nicht erst seit heute. Mehr zu diesem Thema im folgenden Beitrag von Olaf Barth:

Die tschechische Kunst spielt nicht nur in der inländischen Wirtschaft eine zunehmend bedeutendere Rolle - einige in diesem Metier tätige Unternehmen verzeichnen jährliche Umsätze, die um die hundert Millionen Kronen betragen - auch als Exportprodukt sind besonders die Werke tschechischer Musiker von stetig steigendem Stellenwert.

Immer beliebter werden vor allem in den europäischen Nachbarländern die künstlerischen Produkte böhmischer Blasmusiker sowie ihrer Kollegen aus dem klassischen Genre. Zu diesen gesellt sich in den deutschsprachigen Ländern der allseits beliebte und bekannte Prager Liedermacher und -sänger Karel Gott.

Das wachsende internationale Interesse an tschechischen Künstlern erfreut nicht nur jene selbst, sondern in besonderem Maße auch deren Manager und Agenten - lassen sich doch die Gagen im Ausland nicht selten auf ein Vielfaches der inländischen beziffern. So verwundert es kaum, dass sich zahlreiche tschechische Musiker mehrere Monate im Jahr auf Auslandstournee befinden.

Die Zahl dieser "Geschäftsreisenden" wird sicher weiter zunehmen, scheint es doch so, als sollte das Interesse an weiteren Stilrichtungen in Tschechien produzierter Musik erwachen, wie beispielsweise der Erfolg der Gruppe "Tockolotoc" beweist, die mit ihren der Roma-Folklore entstammenden Rhythmen derzeit sehr erfolgreich um die Welt tingelt. Der internationale Durchbruch gelang der seit Anfang der 80er Jahre bestehenden Band, deren Kern die vier Brüder der Roma-Familie Pesta und deren Onkel bilden, beim Festival der amerikanischen Volkskunst 1995 in Washington.

Seitdem bereisen die Musiker bei ihren Tourneen hauptsächlich die Vereinigten Staaten und einige westeuropäische Länder. Vor allem in Großbritannien, Frankreich und Spanien erfreuen sich ihre Songs beim Publikum großer Beliebtheit, obwohl die Texte fast ausschließlich in Roma verfasst sind. "Aber nicht auf die Texte kommt es an, sondern auf die Laune", wie Bandleader Jiri Pesta gern erläutert und dass diese bei den Konzerten ausgelassen fröhlich ist, dafür sorgen schon die heißen Rhythmen von Tockolotoc.

Es sieht also ganz danach aus, als könnte sich der tschechische Außenhandel von seinen sprichwörtlichen "Exportschlagern" einen weiteren Aufschwung versprechen.