Kongresszentrum erstrahlt für IWF - Jahrestagung in neuem Glanz

r_2100x1400_radio_praha.png

Wenn im Herbst der Internationale Währungsfond in Prag tagt, werden alle Augen darauf gerichtet sein: Die Rede ist vom ehemaligen Kulturpalast, der sowohl umgebaut als auch in "Kongreßzentrum Prag" umbenannt wurde. Seine vermeintliche Häßlichkeit gibt immer wieder Anlaß zu Diskussionen. Entstanden war das Gebäude in vier Jahren zwischen 1976 und 1980 nach den Entwürfen des militärischen Planungsinstituts. Es hatte den offiziellen Zweck, Versammlungsort der kommunistischen Partei zu sein und für politische, gesellschaftliche, wissenschaftliche und kulturelle Ereignisse offen zu stehen. Im Vordergrund stand aber nicht die bloße Schaffung von Räumlichkeiten, sondern es sollte eine Art Baudenkmal des politischen Systems entstehen, das sich zum das Stadtbild störenden Koloß entwickelte. 1982 schließlich überlegten sich die Genossen wieder etwas anderes: Das Gebäude sollte zum Kulturdenkmal werden, der Kulturpalast entstand. Anfang der 90er Jahre, das kommunistische Regime war beendet, verpflichtete sich Prag, Tagungsort für den Internationalen Währungsfond zu sein, und hatte sofort die passende Lokalität dafür gefunden, nämlich den ehemaligen Kulturpalast. Doch schließlich die Vorbereitungen dafür begannen, war es fast zu spät. Unter Zeitdruck gab man fast drei Milliarden Kronen aus, um das alte Gebäude etwas zu verjüngen und einen Neubau anzufügen. Dieser Anbau - der Grundstein dafür war erst im Frühjahr 1999 gelegt worden - war in einer Rekordzeit fertig gestellt, doch das architektonische Ergebnis katastrophal. Das Fatale daran: Das Geld ist weg, und deshalb wird sich an der Situation über längere Zeit auch nichts ändern. Doch nicht nur die finanziellen Mittel wurden vergeudet, sondern auch Zeit. Der Kulturpalast wird weiter mit seiner Häßlichkeit die Stadt entstellen. Entstellen? An diesem Punkt stellt sich die Frage: Was ist häßlich, was schön? Und: Vielleicht sollte das Kongreßzentrum auch so bleiben wie es ist und an die Überheblichkeit und ästhetische Ignoranz des kommunistischen Regimes erinnern. Denn über die Vergangenheit kann zwar gemauert und getüncht werden, vergessen gemacht kann sie nicht werden.