Kontrolleur Chlumský: Im Kampf gegen Doping muss mehr Prävention geleistet werden

David Bystroň

Zwei Wochen vor der ersten Begegnung zwischen Viktoria Pilsen und dem FC Schalke 04 in der Europa League ist es bestätigt worden: David Bystroň, Verteidiger des amtierenden tschechischen Fußballmeisters, war in einem Champions-League-Spiel gedopt. Das ergab die Dopingkontrolle, die im vergangenen November nach der Partie seines Vereins beim weißrussischen Club Bate Borisov gemacht wurde. Wie sich später herausstellte, war es Pervitin, das der 31-Jährige zu sich genommen hatte. Eine Handlung, die für ihn und den Club Konsequenzen hatte.

David Bystroň
Der "Dopingfall Bystroň" hat hierzulande wieder einmal einige Fragen aufgeworfen. Zum Beispiel: Wird Pervitin eigentlich häufig von tschechischen Sportlern konsumiert? Oder: Wie wird im tschechischen Sport überhaupt gegen das Doping vorgegangen? Radio Prag ist diesen Fragen nachgegangen.

Bereits im Dezember informierte die Uefa den Pilsener Fußballclub, dass der Dopingtest beim Spieler Bystroň positiv ausgefallen ist. Also negativ im Sinne der Unschuldsvermutung und damit ein dunkler Fleck für das Image des Vereins und des Spielers. Um Gewissheit zu haben, dass da keine Verwechslung vorliege, forderten die Pilsener auch die B-Probe an. Das Ergebnis aber war dasselbe: Bystroň wurde positiv auf Metamphetamin, also die Droge Pervitin beziehungsweise Crystal Speed getestet. Die tschechische Tageszeitung „Sport“ schrieb daraufhin, dass Bystroň die Substanz auch über die Partydroge Ecstasy aufgenommen haben könnte. In ihrer Zusammensetzung sei sie Pervitin sehr ähnlich, hieß es. Der Vorsitzende des Tschechischen Anti-Doping-Ausschusses, Jan Chlumský, reagierte darauf etwas verwundert:

„Der Missbrauch von Pervitin wird bei tschechischen Sportlern nur sehr selten registriert. Ich würde sagen, dass ein positiver Befund so alle zwei, drei Jahre vorkommt.“

Auf der anderen Seite verhehlt Chlumský aber nicht, dass Pervitin auch im Sport eine durchaus stimulierende Wirkung hat:

Jan Chlumský
„Es ist immer die Frage, ob ein Sportler, von dem wir einen positiven Befund haben, seine sportliche Leistungsfähigkeit gezielt verbessern wollte oder ob der Befund eventuell auf eine leichtsinnige Einnahme von Partydrogen zurückzuführen ist. Wenn er sein Leistungspotenzial steigern will, dann kann er das einige Stunden vor dem Wettkampf auf verschiedene Weise tun – durch Schlucken eines Präparats, durch eine Injektion oder auch durch Einschnupfen der Substanz. Für einen kurzen Zeitraum kann so die Leistung stimuliert werden. Der Sportler fühlt sich stärker und hat augenblicklich eine erhöhte Leistungsfähigkeit.“

Pervitin ist aber nicht nur eine stimulierende Substanz. Die Einnahme der Droge kann für einen Sportler auch unliebsame Folgen haben, bemerkt Jan Chlumský:

Es gibt zwei Gefahren: Entweder hat der Sportler Pech, wenn er den verbotenen Stoff das erste Mal ausprobiert, aber ausgerechnet zur Dopingkontrolle ausgelost wird. Dann ist die im Körper wirkende Substanz sofort nachweisbar. Ein, zwei oder drei Tage später hingegen ist das schon nicht mehr der Fall. Oder der Sportler dopt schon länger und sein Körper ist von der stimulierenden Substanz quasi abhängig. Das ist dann bereits eine sehr böse Sache.“

Aber egal, in welchem Zustand ein Sportler positiv auf Metamphetamin getestet wird, die Einnahme von Pervitin wird in jedem Fall geahndet, sagt Chlumský:

„Da gibt es keine Ausnahme. Alle verbotenen Substanzen, die im Doping-Verzeichnis stehen, ziehen bei nachgewiesener Verwendung automatisch eine Sperre von zwei Jahren nach sich. Um eine Strafmilderung zu erlangen, muss der Sportler bestimmte Beweise vorlegen, wie der Stoff in seinen Körper gelangt ist. Auch die Begleitumstände muss er glaubwürdig erklären können. In einigen Fällen, zum Beispiel nach dem Konsum von Marihuana oder Ephedrin, kommen Athleten hin und wieder mit einer Ermahnung oder Verwarnung davon. Aber das ist wirklich sehr selten.“

David Bystroň ist kein solcher Fall. Gegen ihn hat die Uefa, wie erwartet, eine zweijährige Sperre verhängt. Viktoria Pilsen hat daraufhin den Vertrag des Spielers gekündigt. Geld sparen aber konnte der Verein dabei nicht. Im Gegenteil, Viktoria musste schnell einen Ersatz für Bystroň finden und folglich zahlen. Der Kauf von Václav Procházka habe dem Club letztlich rund 15 Millionen Kronen (ca. 600.000 Euro) gekostet, informierte Generalmanager Adolf Šádek. Und der Imageschaden, den die Pilsener erlitten haben, ist auch nicht mehr wegzudiskutieren.

Da Athleten immer wieder hoffen, mit Hilfe von Aufputschmitteln die eigene Leistungsfähigkeit erhöhen zu können, ohne dabei erwischt zu werden, bleibt Doping ein unliebsames Dauerthema im Sport. So stellt sich schließlich die Frage: Was wird getan, um dieses Problem zu bekämpfen? Jan Chlumský nennt dazu einige Beispiele:

„In der heutigen Zeit wird der Kampf gegen Doping intensiver geführt, besonders auf dem Gebiet der Prävention. Sie funktioniert auf der Basis der dauerhaften Erreichbarkeit von Leistungssportlern. Für jeden Tag müssen uns die Sportler ein einstündiges Zeitfenster angeben, in dem wir sie für eine mögliche Dopingkontrolle antreffen können. So kann es nicht mehr wie in der Vergangenheit passieren, dass einige Sportler flüchten, wenn die Dopingkontrolleure im Anmarsch sind. Zudem wird die Liste mit den unerlaubten Stoffen ständig aktualisiert. Dennoch denke ich, dass bei uns wie auch im Ausland noch mehr im Bereich der Prävention getan werden kann. Hierfür sollte es ein echtes Programm zur Aufklärung über Doping geben.“

Eishockey: Meister Třinec scheitert in den Pre-Play-offs an Zlín

Nach dem Ausscheiden gegen Schalke 04 in der Europa League können sich die Fußballer von Viktoria Pilsen nun ganz auf die Punktspiele in der tschechischen Gambrinus-Liga konzentrieren. Und hier haben die Westböhmen ihr erklärtes Ziel, die Titelverteidigung, wieder fest im Visier. In der Spitzenpartie des 19. Spieltags gewannen sie am vergangenen Samstag bei Tabellenführer Sparta Prag mit 3:1 und verkürzten damit den Rückstand zu den Hauptstädtern auf sechs Punkte. Und bis zum Ende der Rückrunde werden noch elf Spieltage ausgetragen.

Im Eishockey hingegen hat der amtierende Meister bereits ausgespielt. Der HC Oceláři Třinec, der vor einem Jahr seinen ersten Titel gewann, ist diesmal nämlich schon in den Pre-Play-offs gestrauchelt. In der Serie mit PSG Zlín, die im Modus best of Five ausgetragen wurde, verloren die Schlesier am Dienstag das fünfte Spiel mit 2:4 und damit das Duell mit 2:3 nach Siegen. Der Kapitän der Mannschaft aus Třinec, Radek Bonk, war dann auch sichtlich enttäuscht:

PSG Zlín - HC Oceláři Třinec (Foto: ČTK)
„Wir sind in die Pre-Play-offs gegangen mit dem Ziel, die schwache Vorrunde, die wir gespielt haben, vergessen zu machen. Leider ist uns das nicht gelungen, von daher sind wir alle sehr enttäuscht. Und es wird auch schwer, jetzt nur noch zuschauen zu können, wie die anderen Teams in den Play-offs spielen.“

Zu diesen Teams gehört jetzt auch der Club aus Zlín. Trainer Rostislav Vlach sparte nach dem Sieg über Třinec deshalb nicht mit Lob für seine Schützlinge:

„Ich habe schon zu Beginn der Serie gespürt, dass meine Jungs mit einer ganz anderen Einstellung in diese Begegnungen gehen als noch in den Punktspielen der Vorrunde. Zudem bin ich erfreut darüber, dass sich die Mannschaft nach der zweiten Niederlage im dritten Spiel noch einmal zusammengerauft und danach hervorragende Leistungen gezeigt hat.“

Dank dieser Leistungen stehen die Schuhstädter nun im Viertelfinale, in dem sie auf die zweitplazierte Mannschaft der Vorrunde, den HC Pilsen 1929 treffen. Doch auch diese Aufgabe sieht Vlach als lösbar an:

„Auch dort haben wir die Chance auf den Erfolg. Wenn die Mannschaft ihr Spielsystem beibehält und die Spieler mit dem gleichen Einsatz wie gegen Třinec zu Werke gehen, können wir Pilsen bezwingen. Zumal die Begegnungen mit Pilsen in der Vorrunde sehr ausgeglichen waren.“

In den weiteren Paarungen des Viertelfinales, das am Donnerstag beginnt, treffen Pardubice und Vítkovice, Liberec / Reichenberg und České Budějovice / Budweis sowie Sparta Prag und Brno / Brünn aufeinander.

Autor: Lothar Martin
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