Leoš Janáček: „Glagolitische Messe“

Photo: Supraphon

In Tschechien ist dieser Sonntag ein staatlicher Feiertag – nämlich der Tag der Heiligen Kyrill und Method. Damit wird an die Ankunft der Slawenaposteln Kyrill und Method im Großmährischen Reich im Jahr 863 erinnert. Sie waren von Byzanz entsandt, um dort den christlichen Glauben zu verbreitern. Kyrill, damals noch unter dem Namen Konstantin, hatte zuvor bereits Teile der Evangelien und während der Mission weitere christliche Texte in die ihm vertraute slawische Sprache von Saloniki übersetzt. Er fixierte sie auch schriftlich, mit Hilfe des von ihm entworfenen glagolitischen Alphabets schuf er die Grundlagen für die altslawische Sprache. Gerade dieser Sprache bediente sich im 20. Jahrhundert der tschechische Komponist Leoš Janáček, als er seine „Glagolitische Messe“ komponierte.

Foto: Supraphon
Erst am Ende seines Lebens, im Alter von 72 Jahren, hat Leoš Janáček sein großes zyklisches vokal-instrumentales Werk auf den altslawischen Text der Messe komponiert. Trotz des liturgischen Textes ging es dem Komponisten dabei aber nicht darum, eine religiöse Botschaft zu verkünden. Janáček bekennt sich eher zur Idee des Slawentums. Durch die Wahl des altslawischen Textes verknüpfte er die pantheistische Vorstellung der Einheit von Gott und Natur mit seiner Hochachtung slawischer Traditionen. Den altslawischen Text hat für Janáček einer der führenden Sprachwissenschaftler und Slawisten der Karsluniversität, Miloš Weingart, bearbeitet.



Leoš Janáček
Im ersten Teil erklingt eine fröhlich jubelnde Musik mit Fanfaren der Blechinstrumente, die an Janáčeks Sinfonietta erinnern. Der zweite Satz bringt eine Erinnerung an die slawische Urzeit zum Ausdruck: „Gospodi pomiluj je“ (Gott, erbarme dich).Im dritten Teil „Slava“ (Heil) erschallen nach einer eigenen Erklärung des Komponisten Glocken der Schafe, auf die ein hymnischer Chorgesang folgt. Er steigert sich zur Begeisterung mit dem Freudenruf „Amin“ (Amen). Der vierte Satz ist der dramatischste und umfangreichste Teil der Messe. Die Härte des Glaubens und des Schwurs kommt im Motiv „Veruju“ (Ich glaube) zum Ausdruck. De fünfte Teil gilt als ein Bild der Natur und des Lebens darin. Im sechsten Teil „Agneče Božij“ (Lamm Gottes) singt der Chor in einer lyrischen und ruhigen Partie eine Bitte um Vergebung der Sünden und einen Aufruf zur Demut. Beim siebten Teil handelt es sich um eine selbständige Orgelkomposition. Nach den kräftigen Takten, die die unaufhörliche menschliche Energie ausdrücken, folgt ein kurzer Satz, der das Werk mit einem feierlichen, optimistischen Höhepunkt abschließt.

Die Premiere der „Glagolitischen Messe“ von Leoš Janáček fand am 5. Dezember 1927 in Brno / Brünn statt. Der Komponist begann die Arbeit an der Messe bereits 1920, unterbrach sie aber dann und nahm sie erst 1926 wieder auf. Im August dieses Jahres schrieb er binnen drei Wochen fast das ganze Werk.