„Mährischer Chagall“: Galerie in Telč zeigt Retrospektive des Malers Otto Stritzko
Im südböhmischen Telč sind seit Freitag mehr als 50 Gemälde von Otto Stritzko zu sehen. Der Maler gilt als „mährischer Chagall“. Die retrospektive Ausstellung wird in der Městská galerie Hasičský dům (Städtische Galerie Feuerwehrhaus) gezeigt.
Stritzko wurde 1908 geboren und studierte an der Prager Kunstgewerbe-Hochschule (Umprum). Seine künstlerische Karriere begann er als Surrealist. Später ging er zum Expressionismus über und ließ auch Elemente des Kubismus in sein Werk einfließen. Seine erste Ausstellung zeigte er 1930.
„Mit Chagall wurde Stritzko wegen seiner leuchtenden Farben verglichen. Aber er stand eigentlich dem deutschen und österreichischen Expressionismus näher“, erläutert Ausstellungskurator David Bartoň.
Außer durch das Spiel mit den Farben zeichnen sich Stritzkos Bilder durch ihre fast schon literarische Erzählkraft aus. Die zweite Hälfte seines Lebens verbrachte der Maler auf dem Land, konkret im Ort Stará Říše bei Telč.
Wie der Kurator berichtete, geriet Stritzko ab 1968 in Konflikt mit dem kommunistischen Regime. So malte er nach dem Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in die Tschechoslowakei ein Bild, das er „Okkupant mit Panzer und auf Jihlava gerichteten Geschützen“ nannte. Zudem heiratete seine Tochter Juliana den Oppositionellen und Charta-77-Unterzeichner Martin Jirous, und Stritzkos Sohn Jakub emigrierte. Deswegen sei immer wieder die Staatssicherheit StB bei der Familie des Künstlers aufgetaucht, so Bartoň. Otto Stritzko starb 1986.
Die Ausstellung, die noch bis 4. Januar kommenden Jahres zu sehen sein wird, vereint Werke aus vier Institutionen sowie von Privatsammlern. Die größten Sammlungen von Werken Stritzkos befinden sich laut Bartoň im Museum von Třebíč und in der Südböhmischen Aleš-Galerie (Alšova jihočeská galerie) in Hluboká nad Vltavou. Die bekanntesten Malereien beherbergt wiederum die Vysočina-Bezirksgalerie (Oblastní galerie Vysočiny) in Jihlava.
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